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Sölder Pfarrer laufen die „Schäfchen“ davon

Pfarrgemeinderat löste sich auf, weil Dorfgeistlicher unkommunikativ alte Rituale und Bräuche umkrempeln will

In der Pfarre Sölden hat sich unter den Gläubigen eine Kluft aufgetan. Wie der RUNDSCHAU kürzlich bekannt wurde, ist am 12. Oktober der Pfarrgemeinderat geschlossen zurückgetreten. Hauptgrund sei der, dass von Seiten des Dorfpfarrers Saji Joseph Kizhakkayil nur eine mangelnde Bereitschaft zur Kommunikation gegeben sei und dass der Priester in der Pfarre in funktionierende Strukturen und seit Jahrzehnten gelebte Traditionen eingreife. Der Geistliche weist diese Vorwürfe von sich. Im Generalvikariat der Diözese Innsbruck hofft man, „dass sich in der Pfarre Sölden das Miteinander bald wieder verbessert“.
11. November 2025 | von Gebi G. Schnöll
Sölder Pfarrer laufen die „Schäfchen“ davon<br />
Im Gebälk des Sölder Kirchendaches kracht es derzeit gewaltig. Unstimmigkeiten zwischen Gläubigen und Parrer Saji sind der Grund. RS-Foto: Schnöll
Fünf Pfarrgemeinderäte haben das Schreiben unterfertigt, mit dem sie Bischof Hermann Glettler, Dekan Kidane Korabza sowie Pfarrer Saji Joseph Kizhakkayil über den Rücktritt des Pfarrgemeinderates informierten. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Jedoch sind wir gemeinsam, nach reichlicher Überlegung und einigen Diskussionen, zu dem Entschluss gekommen, dass es uns nicht mehr länger möglich ist, dieses Amt mit der notwendigen inneren Überzeugung und Hingabe auszuüben. Hierfür gibt es für uns triftige Gründe“, heißt es in dem Schreiben.  Der schwerwiegendste Grund sei die mangelnde Bereitschaft zur Kommunikation seitens Pfarrer Saji Joseph Kizhakkayil. „Zu unserem allergrößten Bedauern haben wir es nicht geschafft, ein konstruktives und respektvolles Miteinander und somit ein Vertrauen zueinander aufzubauen. Da wir aber der Meinung sind, dass das Ehrenamt eines Pfarrgemeinderates eben genau auf diesen Säulen des gegenseitigen Respekts, des Vertrauens und des Miteinanders basieren sollte, haben wir uns zum Rücktritt entschlossen!“

SCHWIERIGE SITUATION. Was führte konkret zum Rücktritt? Drei der zurückgetretenen Pfarrgemeinderäte berichten beim RUNDSCHAU-Gespräch über unüberwindbare Gräben, die sich zwischen Pfarrer Saji und dem Pfarrgemeinderat aufgetan haben. Der Priester habe öfters in bestens funkionierende Strukturen und seit Jahrzehnten zelebrierte Praktiken  eingegriffen. Pfarrer Saji wolle in und auch außerhalb des Sölder Gotteshauses viel umkrempeln, was bei den Gläubigen auf Unverständnis und Unmut stößt. „Auch wir Mitglieder des Pfarrgemeinderates teilen großteils die Meinung der Bürger über die nicht notwendigen und teilweise absurden Veränderungen, die sich Pfarrer Saji wünscht. Da der Pfarrgemeinderat die Anlaufstelle und das Sprachrohr für die Anliegen der Pfarrgemeindemitglieder ist, bekamen wir den Unmut vieler Sölder Bürger oft zu spüren und wir sahen es daher als Pflicht, eine Lösung mit unserem Herrn Pfarrer zu finden. Es ist sogar so weit, dass sich Dorfbewohner die Sonntagsmesse im Fernsehen anschauen oder am Radio verfolgen“, umschreibt ein zurückgetretener Pfarrgemeinderat  die schwierige Situation. Im Rücktrittsbrief heißt es abschließend: „Wir möchten allen, die uns in den vergangenen drei Jahren tatkräftig unterstützt und uns als ihre Vertreter in der Pfarre das Vertrauen geschenkt haben, danken. Unser Rücktritt erfolgt in der Hoffnung, dass es in Zukunft möglich sein wird, ein konstruktives  Miteinander im Sinne der Pfarre und vor allem der Pfarrgemeinde zu kreieren, und wir  wünschen unseren Nachfolgern nur das Beste. Mögen sie im Stande sein, eine Brücke zu bauen, auf der sich alle in der Mitte auf Augenhöhe begegnen können!“

KEIN UNBESCHRIEBENES BLATT. Und was sagt Pfarrer Saji zu den Vorwürfen? „Mich trifft keine Schuld, ich tue nur mein Bestes. Ja, ich möchte Veränderungen, zum Beispiel auch die, dass in der Kirche die Chöre nicht mehr beim Hochaltar, sondern auf der Empore Aufstellung nehmen. Beim Hochaltar ist einfach zu wenig Platz für alle. Der Pfarrkirchenrat begleitet meine Entscheidungen und Wünsche großteils, der Pfarrgemeinderat eben nicht“, wehrt sich Pfarrer Saji, der übrigens vor einigen Jahren in Wald  (Gemeinde Arzl) im Pitztal als Seelsorger tätig war und auch dort wegen seiner unkommunikativen Gangart für großen Unmut unter den Gläubigen sorgte. 

GESPRÄCHE GEPLANT. Im Generalvikariat hofft man, dass es in der Pfarre Sölden zwischen Gläubigen und Pfarrer Saji doch noch zu einem konstruktiven Miteinander kommt.  In einer Stellungnahme heißt es: „Uns sind die Beschwerden bekannt, deshalb stehen wir auch in Gesprächen mit Pfarrer Saji und den Pfarrgemeinderäten. Wir wünschen uns sehr, dass es zu Verbesserungen im Miteinander kommt. Wichtig ist uns dabei, die Stimme der Pfarrgemeinderäte zu hören. Leider gelingen die erhofften Klärungen oder Verbesserungen nicht so schnell, wie wir uns das wünschen würden!“

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