Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Artikel teilen
Artikel teilen >

Stau auf der Straße – Stau in den Köpfen

Die Positionen der Projektbefürworter und -gegner sind festgefahren

Der Park in Reutte – in letzter Zeit bestens geeignet für spannende Spiele – war „angerichtet“ für die 1. Bürger-Warnversammlung des Transitforums Austria-Tirol und der Initiative Lebensraum Gurgltal, Mieming und Außerfern. „Einmischen und mitgestalten, entlasten statt belasten“ war das erklärte Motto der Initiatoren und der Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Initiatoren rechneten mit 250 bis 300 Anwesenden, letztendlich sind nur ca. 150 gekommen.
9. Juli 2024 | von Bruno Dengg
Stau auf der Straße – Stau in den Köpfen<br />
Der Obmann des Transitforums, Fritz Gurgiser, bei seiner Darstellung der Fernpassproblematik im Park in Reutte. RS-Foto: Dengg
TRANSITFORUM AUSTRIA-TIROL. Diese bundesweite Bürgerrechtsorganisation, bestehend aus 50–60 RegionsgruAbbrechenppen mit dem Tiroler Fritz Gurgiser an der Spitze, nimmt sich vieler Themen an, wie z. B. Klimaschutzprojekte, Vermeidung von Transport und Förderung regionaler Produkte. Weiters beschäftigt sie sich mit den nationalen und europarechtlichen Gesetzgebungen und fordert die Umsetzung der bestehenden Gesetze ein.

LOKALE GRUPPE TIROL. In einem Gespräch vor Beginn der Bürger-Warnversammlung hatte ich die Gelegenheit, mit Herrn Gurgiser über das Leben entlang der B179 zu sprechen und seine Sichtweise erklärt zu erhalten. Im Rahmen der Fernpassproblematik liege der Fokus nicht auf dem Scheiteltunnel und der zweiten Röhre bei Lermoos, vielmehr soll die Gesamtstrecke vom Grenztunnel bis hin zu den Oberinntaler Seitentälern betrachtet werden. Seiner Meinung nach gäbe es belastete Gemeinden entlang der B179 und im Gurgltal, die Nutznießer seien in den Seitentälern des Oberen Gerichts zu finden. Allerdings sei es sehr schwierig, den Ausbau von Betten und Liften mit geringerem Verkehrsaufkommen in Einklang zu bringen. Seine Organisation habe nichts gegen Innovationen, aber in gleichem Maße solle man sich um die belasteten Gemeinden kümmern, damit dort wieder Ruhe einkehre. Gurgiser nimmt dabei das Land Tirol gehörig in die Pflicht, denn dieses wolle mit aller Gewalt zusätzlich ausbauen und beschleunigen, statt zu entlasten. Momentan gäbe es, was die Fernpassproblematik anbelangt, zwei Landtagsentschließungen, und zwar den Straßenausbau und die Errichtung einer landeseigenen Mautgesellschaft. Letztere sieht er sehr kritisch, da aus den Mauteinnahmen heraus keine Geldflüsse an die Gemeinden erfolgen dürfen, weil diese laut EU-Wegekostenrichtlinie zweckgebunden für den Straßenbau seien. Auf meine Frage „Was sind die Forderungen des Transitforums?“ erklärte mir Gurgiser, dass bestehende Dosierungen, die schon in Bayern erfolgen sollten, noch intensiver ausgebaut werden müssten, das 7,5 t-Limit sollte auf neue, zeitgemäße Grundlagen gestellt werden. Die Behörden im Land Tirol hätten laut Verkehrsrecht die Verpflichtung Sicherheit, Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs an 365 Tagen im Jahr aufrechtzuerhalten. Meine zweite Frage war: „Was ist in der derzeitigen Situation, in der schon ein fast fertiges Projekt am Tisch liegt, durch das Transitforum für die Außerferner Bevölkerung noch veränderbar und machbar?“ Gurgisers Meinung ist, dass alles veränderbar sei, denn Behörden und Politik haben dem Recht zu folgen und nicht umgekehrt. Sie seien verpflichtet, endlich diesem Prinzip zu folgen. Seiner Meinung nach kann man in Tirol nur mit Qualität statt mit Quantität überleben. Wenn ein Mehrwert für alle Leute ersichtlich sei, würden diese auch mit der Politik mitgehen. Meine dritte Frage lautete: „Warum reagieren die Außerferner Projektgegenerinnen und -gegner erst so spät so heftig?“ Nach Gurgisers Meinung wurde in den vielen Jahren davor nie über eine konkrete Tunnellösung gesprochen, diese jedoch vom Land Tirol ziemlich plötzlich in einer schnell einberufenen Pressekonferenz im Jänner 2024 in Reutte vorgestellt.

PRESSEKONFERENZ MIT HEIMISCHEN „STIMMEN“. Frau Dablander von den Grünen ist sehr erfreut darüber, dass die Stadtgemeinde Reutte als erste Gemeinde des Bezirks mit Beschluss vom 20.06.2024 dem Transitforum als Mitglied beigetreten ist. Bgm. Salchner begründete diesen Schritt unter anderem damit, dass er in sehr vielen Gesprächen mit der Bevölkerung Ängste und Befürchtungen orten konnte. Die Informationspolitik des Landes sei gerade in dieser Sache nicht optimal, da es keinen Dialog diesbezüglich gegeben habe. Er selbst befürchte für die Stadtgemeinde als Eigentümerin der Kommunalbetriebe negative Auswirkungen in Bezug auf die Therme, die Skigebiete und auch für Ehrenberg, da aufgrund der zu bezahlenden Maut Gäste ausbleiben könnten. Außerdem wäre anzunehmen, dass der Bezirk Reutte noch mehr von Innertirol abgekoppelt würde. Herr Leiter von der Bürgerinitiative Gurgltal ist der Meinung, dass die  wenigsten  die wirklichen Fakten kennen und spricht das 7,5 t-Limit an, das relativ leicht umgangen werden könne. Fahrten im Ziel- und Quellverkehr seien ausgenommen, dieses Gebiet reiche von Memmingen über das Oberland bis in den Vinschgau. Er fordert ein zentrales Gesamtverkehrskonzept für diesen Raum. Leiter sieht nach derzeitigem Stand großes Verkehrsaufkommen auf uns zukommen, das unsere lebenswerten Gemeinden stark beeinträchtigen würde. Am 21.07. findet diesbezüglich in Nassereith eine Volksbefragung statt.

RAHMENPROGRAMM DER VERANSTALTUNG. Diese hatte Charakter eines Dorffestes und wurde von den „Oldies“, einer allseits beliebten und bekannten Band aus Weißenbach musikalisch umrahmt. Was mag sich wohl so mancher Besucher bei den Liedern „Take Me Home, Country Roads“ und „So schön war die Zeit“ gedacht haben, vor allen Dingen, wenn er sich an die letzten Staus auf der B179 erinnerte.

FAZIT. Wenn der Stau in den Köpfen der Projektbefürworter und -gegner nicht sehr schnell gelöst werden kann, bleibt über weitere Jahre die Bevölkerung diesseits und jenseits des Fernpasses auf der Strecke. Wie auf der großen Weltbühne auch, wäre hier dringender Handlungsbedarf für eine „Friedenskonferenz“ zu orten, um ein gemeinsames, sinnvolles Projekt zustande zu bringen.

 

Feedback geben

Feedback abschicken >
Nach oben
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.