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Imst | Politik | 29. März 2021 | Friederike Hirsch

Aus mit dem Spaß im Nass

Aus mit dem Spaß im Nass
Nach dieser Badesaison wird das Schwimmbad in Sautens geschlossen. Der desolate Zustand und die enormen Sanierungskosten lassen der Gemeinde keine Wahl. RS-Foto: Hirsch
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Nach diesem Sommer schließt das Schwimmbad Sautens

Nach mehr als vier Jahrzehnten schließt das Schwimmbad in Sautens nach dieser Badesaison endgültig. In den 70er Jahren als touristisches Vorzeigeprojekt geplant und gebaut, ist es nun ein Klotz am Bein der Gemeinde. Für Sautens heißt das, auf eine liebgewonnene Infrastruktur zu verzichten und neue Wege zu beschreiten.
Friederike Hirsch

Schon lange pfeifen es die Schwalben von den Dächern von Sautens. Das ehemalige Vorzeigeprojekt „Sautner Schwimmbad“ geht in die letzte Saison. Zum letzten Mal werden heuer die Pumpen und Filter gestartet, das Wasser in die Becken gelassen, die Liegeflächen auf Vordermann gebracht und die Türen aufgesperrt. „Mit dem Spaß im Nass“, wie auf der Internetseite des Ötztal Tourismus zu lesen ist, ist nach dieser Schwimmsaison Schluss. „Mir fällt es genauso schwer, bin selbst ein leidenschaftlicher Schwimmbadbesucher“, so Bürgermeister Manfred Köll zu Beginn des Gespräches. „Wichtig ist für mich, dass dieses Jahr noch alles wie gehabt bleibt“, so der Bürgermeister weiter. Doch nach dieser Badesaison ist Schluss. Seit Jahren wird in Sautens über eine mögliche Schließung gesprochen, die Kosten seien schlichtweg zu hoch und die Einnahmen zu niedrig. Mehr als dringende Reparaturen waren nicht finanzierbar. Jetzt würde eine Genrealsanierung anstehen. „Eine Generalsanierung, die unbedingt notwendig wäre, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, würde 1,5 Millionen Euro kosten. Dieser Betrag ist für eine Gemeinde wie Sautens nicht stemmbar. Und auch eine Mindestsanierung würde die Gemeinde an die 500.000 Euro kosten. Für uns nicht zu realisieren“, sagt Köll. Fakt ist, dass Sautens in puncto Kommunalsteuer zu den Schlusslichtern im Bezirk zählt. 

DIE FAKTEN. Im Jahr 2020 verzeichnete das Freizeitzentrum Sautens einen Angang von 67.000 Euro. Einen Betrag, der auf Dauer nicht aufzufangen wäre. Demgegenüber stehen Badeeinnahmen von 16.000 Euro. „Seit mehreren Jahren werden genaue Aufzeichnungen geführt. Letztes Jahr hatten wir gerade einmal 4200 Besucher und davon waren leider nur die Hälfte Einheimische. Im Schnitt werden 120 Saisonkarten verkauft“, so der Bürgermeister. „Angesichts der vielen Bademöglichkeiten in der Region gibt es weder Förderungen noch andere Unterstützungen für unser Schwimmbad“, sagt Köll. Bedarfszuweisungen für Schwimmbäder hat das Land Tirol schon seit Jahren ausgesetzt. Für die Sautnerinnen und Sautner bedeutet die Schließung, dass sie eine Begegnungszone verlieren, die für mindestens 120 Saisonkartenbesitzer ein Teil ihrer Lebenswelt war. 

DER ZEITPUNKT. Der Zeitpunkt der Schließung wirft in Sautens Fragen auf und es wird gemunkelt, dass das Schwimmbad dem Ötztal Golf weichen muss. „Eigentlich hätte die Gemeinde schon früher Klartext reden müssen“, sagt Köll. Man habe sich bemüht, das Schwimmbad so lange wie möglich offen zu halten, aber angesichts des Zustandes ist eine Öffnung auf Dauer nicht finanzierbar. Auch Vize-Bürgermeister Bernhard Gritsch spricht von „einem riesigen Defizit“. Christine Hackl dazu: „Es ist ein großer Einschnitt für ein Dorf wie Sautens, aber das Freizeitzentrum ist in einem desolaten Zustand. Der geplante Ötztal Golf hat damit nichts zu tun. Wir können uns so eine Infrastruktur schlichtweg nicht leisten. Andere Gemeinden können es sich leisten, wir nicht.“ 

DER NEUE WEG. „Wir müssen in Sautens neue Wege beschreiten und diesen Umbruch als Aufbruch sehen“, sagt Bürgermeister Köll. Er setzt auf das Projekt „Zukunftsstrategie 2030“ und verweist auf den geplanten Workshop im April. Christine Hackl wird etwas konkreter: „Der Ötztal Tourismus würde sich gern einbringen. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen alle Gespräche auf Eis. Wir wollen die UVP-Phase abwarten. Nichts ist fix. Mit Sicherheit wird es, aus unserer Sicht, irgendeinen touristischen Betrieb geben. Vielleicht in Richtung Outdoor-Betrieb oder einen sportlichen Betrieb.“ Jedenfalls wird der neue Weg eine Gratwanderung zwischen Lebensqualität für die Einheimischen mit Blick auf die Rentabilität für das Gemeindebudget.
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