Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Politik | 3. September 2019 | Bogdan Dujic

Baugründe für Gesellschaft?

Die Häuser sollen jeweils zwei Wohneinheiten mit 100 Quadratmetern Wohnfläche beinhalten. RS-Foto: Dorn
Dass an dieser Stelle kein Schutzweg mehr vorhanden ist, entrüstet viele Anrainer. RS-Foto: Dorn
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Debatte über Wenner Gemeindegründe


Über den Verkauf der letzten Grundstücke der bereits erschlossenen ersten Bauphase in Brennwald erhitzten sich bei der jüngsten Gemeinderatssitzung die Gemüter. Eine Immobiliengesellschaft war nämlich vorstellig geworden, die dort plant, Doppelhäuser zu errichten – dezidiert für Einheimische, wie es heißt. Dem Verkauf der vier Parzellen wurde nicht stattgegeben. Dafür wurde der Neubau des alten Schlachthauses einstimmig beschlossen.


Von Agnes Dorn


Noch sind die letzten Formalitäten für die Gründung der Gesellschaft alpe.immo nicht abgeschlossen, doch ihr Geschäftsführer Alexander Unterwaditzer hat bereits ein Projekt im Plan, das er mithilfe der Wenner Gemeinde verwirklichen will: Drei wohnbaugeförderte, klimaaktive Doppelhäuser, deren sechs Einheiten für jeweils 380.000 Euro nach Fertigstellung zum Verkauf stehen würden, will seine Gesellschaft dort errichten. Finanziert würde das Projekt mit Geld eines ausländischen Investors, so Unterwaditzer, als Käufer wolle man aber Einheimische ansprechen, wie er erklärt: „Wir haben mit der Gemeinde eine Übereinkunft, dass bis Ende nächsten Jahres ausschließlich an Gemeindebürger verkauft wird. Das war dem Bürgermeister auch das höchste Anliegen“, so der Geschäftsführer. Raumplaner Klaus Spielmann steht dem Projekt positiv gegenüber, empfiehlt der Gemeinde aber, in einem privatrechtlichen Vertrag festzulegen, dass die Gemeinde ein Zustimmungs- bzw. Vorschlagsrecht für die Käufer oder Nutzer habe und dass nur Hauptwohnsitze errichtet werden dürfen. Um den Verkauf zu stoppen, ist indes bereits Anrainer Alexander Gundolf bei der Gemeinde mit einem Kaufantrag vorstellig geworden. Dieser habe aber keinen Bedarf, bemängelt Bürgermeister Walter Schöpf, der das Ansuchen bei der nächsten Gemeinderatssitzung behandeln will. Das Projekt der Immobiliengesellschaft wird nach Kritik einiger Gemeinderäte noch heuer der Öffentlichkeit präsentiert und im selben Zuge der Bedarf in Wenns erhoben, wie der Gemeinderat nun einstimmig beschlossen hat.



Schlachthaus

Ebenfalls einstimmig ging der Beschluss zur Neuerrichtung des Schlachthauses über die Bühne: Zur Förderung der landwirtschaftlichen Entwicklung wurde im Pitztal nun der Verein „Pitztal Regional“ gegründet und Magnus Gratl von der GemNova als Koordinator eingesetzt. Ziel des Vereins ist die Vermarktung regionaler Produkte, wobei man hier mit fleischlichen Erzeugnissen beginnen will, wie der Wenner Dorfchef erklärt: „Mit dem alten Schlachthaus können wir das nicht realisieren. Das Funktionsangebot reicht nicht mehr aus und der Hygienestandard ist am Limit“. Aufgrund der massiven Nässeschäden wäre auch eine Sanierung schwer umsetzbar, so Schöpf weiter. Die Kosten für das neue Gebäude in der Höhe von insgesamt einer Million Euro netto würden sich auf die vier Talgemeinden entsprechend der bisherigen Schlachtmenge verteilen. Die Höhe der Förderung, die man über das Regionalmanagement beziehen könnte, beziffert der Bürgermeister mit „eventuell 30 Prozent“. Damit würde der Gemeinde Wenns als Standortgemeinde der Betrag von 350.000 Euro verbleiben. Neben Wenns haben auch schon die Gemeinden St. Leonhard und Jerzens einen einstimmigen Beschluss zur Finanzierung getroffen. Am 23. September wird der Verein „Pitztal Regional“ in Wenns für das ganze Tal vorgestellt.



Schutzweg und Agrar

Negative Stellungnahmen gab es in dieser jüngsten Sitzung dagegen gleich zwei zu verbuchen: Einerseits jene der Steuerberater Schönherr-Schönherr, die im Auftrag des Dorfchefs etwaige Rückforderungsansprüche der Gemeinde an die Gemeindegutsagrargemeinschaften Wenns, Brennwald, Larchach, Kieleberg und Wennerberg untersuchten. Außer dem Kassabericht der AG Larchet aus dem Jahr 1998 seien alle Unterlagen lückenlos dem Büro vorgelegt worden, das keine Zuwendungen an der Gemeinde feststellen konnte, so Bürgermeister und Substanzverwalter Schöpf resümierend. Der Akt wird nun an die Agrarbehörde gesendet. Negativ fiel auch die Suche des Baubezirksamts Imst nach einem Alternativstandort für den bereits entfernten Schutzweg auf der Landesstraße südlich des Gemeindeamts aus. In der Stellungnahme heißt es: „Weiters konnte festgestellt werden, dass bei den Alternativstandorten Hauseinfahrten bzw. Senkrechtparker im Bereich der Aufstandsflächen vorhanden sind.“ Aufgrund dieser sei eine Verlegung des Schutzweges nicht möglich, so der Amtssachverständige. Die Bürgerinitiative Wenns, die eine Unterschriftenliste bei der BH eingegeben hatte, wird weiter für die Wiedererrichtung kämpfen, so GV Josef Röck.




Dass an dieser Stelle kein Schutzweg mehr vorhanden ist, entrüstet viele Anrainer. RS-Foto: Dorn
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