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Imst | Politik | 7. September 2021 | Friederike Hirsch

Dieses Jahr gibt’s nun doch keinen Abriss

Dieses Jahr gibt’s nun doch keinen Abriss
Dieses Jahr werden noch keine Bagger am Sautner Schwimmbad auffahren. Nach dem eindeutigen Votum der Volksbefragung im August verordnen sich Befürworter und Kritiker eine „Verhandlungsphase“. RS-Foto: Hirsch
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Das Schwimmbad in Sautens geht in die nächste Saison – sofern sich der Wind nicht wieder dreht

Manchmal kann friedlicher Protest und eine Volksabstimmung den politischen Willen scheinbar doch ändern. Denn in Sautens wird es nach einem klaren „Ja“ für den Erhalt des Schwimmbades vorerst keinen Abriss geben. Befürworter und Gegner haben sich auf eine „Verhandlungsphase“ geeinigt. Ein Gremium soll demnach eine „Gesamtlösung“ erarbeiten. Zumindest eine Schwimmsaison soll es noch geben. Die Entscheidung ist damit aufgeschoben, nicht aufgehoben. Zumal das erste Angebot für den Ankauf des Areals schon auf dem Gemeindeamtstisch liegt.
Von Friederike Hirsch

Eigentlich sollte es ein Abgesang für das Schwimmbad in Sautens werden. Ein Reportage über das einstige touristische Highlight in Sautens. Dann kam alles anders. Ein neues Kapitel der unendlichen Geschichte rund um das Freibad wird aufgeschlagen. Bademeister Alexander Trenker informiert die RUNDSCHAU, dass „man das nächste Jahr sicher wieder aufsperren wird“. Christian Hackl, Obmann des Theatervereins und Initiator der Volksabstimmung, bestätigte dies: „Fredi (Bürgermeister Manfred Köll, Anm.) hat mich angerufen und gesagt, dass wir heuer und nächstes Jahr fix im Kultursaal Theater spielen können.“ Noch vor einigen Woche meinte Bürgermeister Manfred Köll in einer Gemeinde-ratsitzung: „Das Schwimmbad wird heuer mit Sicherheit abgerissen“ (RUNDSCHAU-Ausgabe 23). Dass nun aber doch keine Bagger auffahren, liegt zum einen am Widerstand der Sautner und zum anderen wohl auch am beginnenden Wahlkampf. Im März ging Bürgermeister Manfred Köll mit den Abrissplänen für das Schwimmbad Sautens an die Öffentlichkeit (RUNDSCHAU-Ausgabe 13). Nach einiger Zeit der Schockstarre machten die Gemeindebürger unter der Federführung von Christian Hackl mobil. Dann ging es Schlag auf Schlag. Nach einer erfolgreichen Unterschriftenaktion fand im August eine Volksbefragung statt. 96,65 Prozent (bei 40 Prozent Wahlbeteiligung) sprachen sich für den Erhalt aus. So klar die Zahlen, so unklar die Zukunft des Freibades. Es ist eine Geschichte, bei der man gern den Faden verliert und versucht ist, das Ringen um das Schwimmbad in Sautens als Wahlkampfgetöse abzutun. Das wäre allerdings zu einfach. Es geht auch und vor allem um den Willen der Bevölkerung und um eine Infrastruktur, die liebgewonnen wurde. Und es geht um Ortsidentität und um einen Ort, an den nicht nur eine Generation Erinnerungen knüpft.

Verhandlungsphase. Angesichts dessen will die Gemeindeführung das Thema „Schwimmbad-Areal“ nun doch erneut behandeln. Bürgermeister Köll: „An der Schwimmbad-Geschichte hängt einfach mehr dran. Es geht nicht nur um die Frage, ob das Schwimmbad abgerissen wird oder nicht, sondern es geht um die Zukunft unserer Gemeinde.“ Aus diesem Grund habe man sich auch mit Vertretern des Ötztal Tourismus und einem Teil der Gemeinderäte zusammengesetzt, um die weitere Vorgangsweise zu besprechen. Christine Hackl (Ortsstellenobfrau des Ötztal Tourismus): „Es war ein allgemeiner Ton von allen und schon am Abstimmungssonntag war klar, dass man sich zusammensetzten wird und über das Ergebnis und weitere Schritten reden muss.“ Bürgermeister Köll spricht von einer „Verhandlungsphase“ und nicht von einer „Nachdenkphase“. Dazu soll ein Gremium gebildet werden, um ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Bürgermeister Köll geht davon aus, dass das Gremium aus Gemeinderäten bestehen wird. Vizebürgermeister Bernhard Gritsch und Christine Hackl wünschen sich derweil Fachleute. Bernhard Gritsch in einer schriftlichen Stellungnahme: „Ich nehme die Volksbefragung sehr ernst und habe mich da auch mit Christian Hackl abgesprochen. Wir möchten das Schwimmbad trotz Golf so lange wie möglich erhalten. Im Vorfeld werden wir uns natürlich Gedanken zum Schwimmbad und dessen eventuellen Verbleib et cetera machen.“

Nur aufgeschoben? Vorerst gilt also, um Vizebürgermeister Bernhard Gritsch zu zitieren: „Nach unserer Besprechung mit Bürgermeister Fredi Köll,  Teilen des Gemeinderats und des Tourismusverbands  passiert zurzeit betreffend Abriss beziehungsweise Verkauf gar nichts.“ Was bleibt, ist der leise Eindruck, dass sowohl Bürgermeister als auch Gemeinderäte um Schadensbegrenzung bemüht sind – halten sich doch alle Beteiligten bedeckt, ob das Schwimmbad tatsächlich erhalten bleibt. Zwar wird von einer „Gesamtlösung zur Zufriedenheit aller“ gesprochen, aber die Faktenlage bleibt, wie sie ist: Eine Sanierung des Freischwimmbades ist für die Gemeinde allein nicht zu stemmen. Bürgermeister Köll dazu: „Es herrscht Einstimmigkeit, dass das Schwimmbad von der Gemeinde allein nicht finanzierbar ist.“ Der jährliche Abgang von durchschnittlich 60.000 Euro sei zwar zu verkraften, aber ein Kredit für die Sanierung würde, so Köll, „nicht von der Aufsichtsbehörde bewilligt werden“. Er bezeichnet das Schwimmbad als „Auslaufmodell“. Auch von Seiten der Touristiker, so scheint es, liegt der Fokus nicht auf dem Schwimmbad, sondern auf einem Gesamtpaket mit Tennisplätzen, anderen Outdoor-Aktivitäten und zumindest einer Spielstätte für die Heimatbühne Sautens. Christine Hackl dazu: „Es soll ein Konzept für alle, auch für die Vereine, werden.“ Fakt ist, dass bereits ein Teil des Schwimmbad-Areals in eine Sonderfläche umgewidmet wurde, auf der das neue Golf-Clubhaus entstehen soll. Der ursprünglichen Standort, abseits vom Schwimmbad, musste verlegt werden, da die Raumordnung kein grünes Licht gab.

Angebot & Nachfrage. Indessen rumort es, nachdem ein Angebot einer heimischen Baufirma beziehungsweise einer heimischen Investorengruppe in Sautens die Runde macht. Noch bevor der Gemeinderat darüber entscheiden konnte, sickerten die Zahlen durch und verursachen nun gehörigen Wirbel. Christian Hackl spricht von: „Ausverkauf der Gemeinde Sautens.“ Besagtes Angebot, so Christian Hackl, beinhalte: „1,9 Millionen Euro für das Schwimmbad-Gelände im Ausmaß von 10000 Quadratmetern und den Abriss übernimmt die Gemeinde Sautens.“ Bürgermeister Köll bestätigt dieses Angebot, verweist aber darauf, dass es sich lediglich um ein Angebot handelt, „welches natürlich an Bedingungen geknüpft wäre. Es ist bis dato das einzige Angebot für die Fläche und ich bin überzeugt, dass andere Angebote folgen werden“, so Köll. Den kolportierten Verzicht auf die Kommunalsteuer für fünf Jahre kommentiert der Bürgermeister nicht– und die Frage, warum die 10000 Quadratmeter Gemeindegrund nicht in Gemeindehand bleiben, erklärt Köll so: „Wir brauchen Betriebe in Sautens. Ein Hotel direkt am Golfplatz wäre eine gute Lösung und dafür würde das Gelände zur Verfügung stehen.“ „Touristisch gesehen ist es“, so Christine Hackl, „durchaus sinnvoll, am Schwimmbad-Gelände ein Hotel zu errichten.“ Kritiker des Abrisses des Schwimmbades und des Verkaufs des Geländes sehen darin allerdings keinen nachhaltigen Gewinn. Die Wertschöpfungskette bliebe, so die Kritiker, allein im Bereich der Investoren, selbst wenn dadurch Arbeitsplätze geschaffen werden würden. Zudem würde ein Betrieb allein noch nicht dabei helfen, die Gemeinde Sautens vom letzten Platz der Erträge aus der Kommunalsteuer in höhere Sphären zu katapultieren. Und natürlich impliziert der Verkauf des Grundstücks den Abriss der Freizeitanlage. Zusammenfassend lässt sagen: „Das Thema ist sehr komplex und die Grenzen sind fließend.“ Oder um es mit geflügelten Worten zu sagen: „Es steht in den Sternen.“ 
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