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Imst | Politik | 15. November 2022 | Friederike Hirsch

Gemeinde Sautens in Zukunft energieautark?

Gemeinde Sautens in Zukunft energieautark?<br />
Ing. Alexander Hackl ließ kürzlich bei der öffentlichen Gemeinderatssitzung in Sautens mit einem innovativen Energiekonzept für Sautens aufhorchen. Foto: Burger
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Die Technologie ist vorhanden – die wirtschaftliche Umsetzung möglich

Anlässlich der letzten öffentlichen Gemeinderatssitzung in Sautens stellte der Sautner Ing. Alexander Hackl ein spannendes Energiekonzept für Sautner mit Sautnern vor. In seiner Vision soll die Gemeinde in absehbarer Zukunft energieautark sein. Ihm geht es nun vor allem über Aufklärung und Schaffung einer Diskussionsgrundlage. „Es ist Zeit, sich mit Energie zu beschäftigen“, so Hackl.
Von Friederike Hirsch

Seit 30 Jahren ist Alexander Hackl im Bauwesen in der Planung und Ausführung tätig. Zwei Jahrzehnte lang lag sein Hauptaugenmerk auf Energie- und Freizeitanlagenbau und im Entwickeln von innovativen Betriebskonzepten. Heuer gründete er den Wirtschaftsbund in Sautens, dessen Obmann er auch ist. „Ich möchte für meine Heimat etwas bewegen“, sagt Hackl, der sich nie gescheut hat, innovative Ideen zu entwickeln. In der letzten öffentlichen Gemeinderatssitzung stellte er nun ein visionäres Energiekonzept für Sautens vor. „Es ist Zeit, sich mit Energie zu beschäftigen“, sagt er im RUNDSCHAU Interview - und spricht von einer Ersparnis für die Gemeinde von mehreren Millionen Euro im Jahr, sollte man sein Projekt umsetzen.

AUSGANGSLAGE. Fakt ist, dass die Gemeinde Sautens kein üppiges Budget hat und dass die Teuerungsrate jeden Einzelnen trifft. Sowohl für den einzelnen Gemeindebürger als auch für die Gemeinde gilt daher, dass meist kein Spielraum für Investitionen vorhanden ist. Alexander Hackl sieht darin aber auch eine Chance: „Mit der neuen Gesetzeslage ist es möglich, erneuerbare Energiegemeinschaften zu gründen und so mittels PV, Wasser und dergleichen grünen Strom zu produzieren.“ Die, von jedem Einzelnen produzierte, überschüssige Energie mittels Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern soll dann zusammengeführt zentral gespeichert werden. „Dieser von jedem Einzelnen produzierte, für ihn aber überschüssige, grüne Strom kann in das öffentliche Gemeindenetz mit einer Ersparnis von 64% der sogenannten Netzdurchleitungskosten genutzt werden“, so Hackl.

SONENENERGIE IN SAUTENS? Den größten Teil des Jahres ist Sautens durchaus „sonnenreich“. Allerdings gibt es im Winter einige Wochen, in denen es in Sautens „dunkel“ bleibt. Sautens hätte Strom genug, allerdings zum falschen Zeitpunkt. Für das „Sonnen-Winter-Loch“ hat Alexander Hackl eine Lösung. Die in den Sonnenmonaten mittels PV-Anlagen auf den Häusern gewonnene und nicht verbrauchte Energie soll an einem zentralen Ort, dem „Parkplatz“ gespeichert werden und dann mittels Elektrolyse zu Wasserstoff und Sauerstoff und Wärme umgewandelt werden. „Die Technologie macht das alles möglich. Der Wasserstoff kann in Flaschen dann wiederum an die einzelnen Sautner Haushalte gebracht und für Strom und Wärme verwendet werden“, so Alexander Hackl.

UMSETZUNG MÖGLICH? Die Technologie ist vorhanden und es steht außer Frage, dass es Zeit ist, sich mit dem Thema Energie und vor allem mit grünem Strom zu beschäftigen. Knackpunkt an diesem durchaus innovativen Projekt wird die Finanzierung und die Wirtschaftlichkeit sein. Stand heute in Sautens sind gerade einmal 20 PV installierte Anlagen auf den ca. 400 Gebäuden in Sautens. Alexander Hackl dazu: „Rechnet man alle Investitionskosten für PV-Anlage, Brennstoffzelle, Flaschenbündel und alles weitere zusammen, dann würde die Anlage für einen vierköpfigen Haushalt und das Tanken für zwei Autos knapp 76.000 Euro kosten. Diese Investition ist im Vergleich zu den Kosten für Gas und Öl gering. Langfristig ist es eine Investition, die nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt schont.“

MEHRWERT FÜR SAUTENS? An erster Stelle steht wohl das Geld. Im Konzept von Alexander Hackl wird von einer Wertschöpfung der Energiekosteneinsparung von ca. 7 Mio. Euro pro Jahr gesprochen, die im Ort bleiben würde. Für die Sautner und Sautnerinnen sieht Hackl „eine Kostenbremse“ und auch für den Tourismus ließen sich positive Effekte erzielen. „Bereitstellung von Tankinfrastruktur E-Ladestellen und H2 Ladestellen für Tourismus und Gewerbe sind möglich. Die Abwärme kann für das Schwimmbad genutzt werden und im Ort würden neue Arbeitsplätze für Installation, Betrieb, Wartung und Bündeltausch geschaffen werden“, sagt Hackl. „Nicht zu vergessen, dass Sautens, sofern die Gemeinde diesen Weg beschreiten würde, energieunabhängig wäre.“

INFORMATION IST ALLES: Alexander Hackl will nun mit seinem Konzept in Diskussion gehen. Erster Schritt war die Präsentation im Gemeinderat. „Ich plane Workshops und Diskussionsrunden, um so Energie-Sensibilität zu schaffen“, sagt Hackl. Zudem sind die vorgestellten Lösungen für die einzelnen Haushalte lediglich Diskussionsgrundlagen. „Jeder Haushalt ist anders, Bedürfnisse unterscheiden sich und auch die Umsetzbarkeit ist von Haus zu Haus unterschiedlich. Daher sind auch die Lösungen individuell“, sagt Alexander Hackl. Von der Gemeinde wünscht sich Hackl einen Grundsatzbeschluss. Und vielleicht ist Sautens bald Vorreiter einer neuen Techno-
logie und energieautark.
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