Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Politik | 31. August 2020 | Gebi G. Schnöll

„Landeshauptmann ist das schönste Amt!“

„Landeshauptmann ist das schönste Amt!“
Landeshauptmann Günther Platter im Gespräch mit RS-Redakteur Gebi G. Schnölll RS-Foto: Schnöll
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Die ÖVP feiert dieser Tage das 75-Jahr-Gründungsjubiläum – Die RUNDSCHAU bat LH Günther Platter zum Interview

Vor 75 Jahren, genau am 28. August 1945, wurde die ÖVP unter anderem durch Julius Raab und Leopold Figl gegründet. Es waren viele Persönlichkeiten der Volkspartei, die Österreich geprägt haben, und seit 75 Jahren ist die ÖVP in Tirol die führende Partei. Der amtierende Landeshauptmann ist Günther Platter, RUNDSCHAU-Redakteur Gebi G. Schnöll bat ihn anlässlich des 75-Jahr-Gründungsjubiläums zum Interview.
Von Gebi G. Schnöll

RUNDSCHAU: Sehr geehrter Herr Landehauptmann! Zuerst darf ich recht herzlich zum 75-Jahr-Jubiläum der Österreichischen Volkspartei gratulieren. Die ÖVP ist seit 75 Jahren die Partei der Tiroler. Was macht die ÖVP in Tirol so stark?
Landeshauptmann Günther Platter: Die Tiroler Volkspartei ist seit 75 Jahren tief mit dem Land verwurzelt. In jeder der 279 Gemeinden gibt es Ortsgruppen und Strukturen. Dadurch hat die Volkspartei das Ohr nah bei den Menschen, Anliegen werden auf kurzem Wege weitergetragen und fließen direkt in die politische Arbeit ein. Ich bin überzeugt, dass das einer der wesentlichsten Faktoren für den Erfolg der Partei ist. Darüber hinaus hat man es auch immer geschafft, hervorragende Persönlichkeiten für die politische Arbeit zu gewinnen, die auch in schwierigen Zeiten Verantwortung übernommen haben – sowohl auf Landes- als auch auf Gemeindeebene. Das war vor 75 Jahren so und das ist heute nicht anders. 

RS: Die politische Landschaft hat sich während der vergangenen 75 Jahre auch in Tirol stark verändert. Früher waren es die ÖVP und die SPÖ, die um die Wählergunst rangen, heute sind es in Tirol sechs politische Gruppierungen, die im Landtag vertreten sind. Während der 75 Jahre gab es auch Wahlen, die mit einer absoluten Mehrheit für die ÖVP ausgingen. Glauben Sie, dass die ÖVP Tirol jemals noch bei Landtagswahlen die 50-Prozent-Hürde überspringen kann?
Platter: Eine absolute Mehrheit ist heute nur mehr schwer zu erreichen. Die Parteienlandschaft ist vielfältiger und bunter geworden, die Auswahl größer. Bei der Landtagswahl 2018 sind beispielsweise acht Listen zur Wahl angetreten. Trotzdem konnten wir mit fast 45 Prozent nah an die 50er-Marke heranrücken. Das war schon ein außergewöhnliches Ergebnis und ein großer Vertrauensbeweis der Tirolerinnen und Tiroler.
RS: Sie sind vor 34 Jahren in Zams (Bezirk Landeck) als Gemeinderat in die Gemeindepolitik eingestiegen. Hätte Sie sich damals jemals erträumt, einmal Nationalrat, Verteidigungsminister, danach Innenminister und schließlich auch noch Landeshauptmann von Tirol zu werden?
Platter: Mein Einstieg in die Kommunalpolitik war eigentlich eher dem Zufall geschuldet. Nachdem ich Bürgermeister geworden bin, ist dann ein Schritt nach dem anderen erfolgt. Ich habe meine Karriere nie geplant, sondern einfach immer versucht, das jeweilige Amt bestmöglich auszufüllen und etwas für die Menschen weiterzubringen. Die politische Arbeit hat mir immer Spaß gemacht. Alle Funktionen hatten ihren Reiz, aber das schönste Amt ist auf jeden Fall das des Tiroler Landeshauptmanns.

RS: 2020 ist für Sie als Landeshauptmann mit Sicherheit ein sehr schwieriges Jahr. Der Corona-Lockdown hat unser Bundesland schier lahmgelegt. Als Sie wegen der Pandemie kurz vor Ostern Skigebiete schließen und andere Maßnahmen treffen mussten, waren das schwerwiegende Entscheidungen. Die Politiker aus anderen politischen Lagern sparten danach mit Kritik nicht. Haben Sie im Nachhinein eine dieser Entscheidungen bereut?
Platter: Dass die Opposition Entscheidungen der Regierung kritisiert, gehört in einer Demokratie dazu. Für mich ist aber immer wichtig, ob die Kritik Substanz hat oder nur politisches Geplänkel ist. Ich habe mir die Entscheidung, Tirol zu isolieren und den Menschen zu sagen „Bleibts dahoam“, nicht leicht gemacht. Im Gegenteil: Das war die schwierigste Entscheidung, die ich in meinem politischen Leben zu treffen hatte. So etwas möchte ich nie mehr erleben. Was die Kritik der Opposition betrifft, gab es drei Phasen. Zuerst wurde kritisiert, dass Maßnahmen, wie die Schließung aller Skigebiete und die Beendigung der Wintersaison, überschießend waren. Dann hat die Opposition gesagt, dass das alles viel zu spät passiert ist. Und jetzt wird behauptet, dass das alles überhaupt nicht notwendig gewesen wäre. Das Buch von hinten lesen ist eben immer einfach. Ich sage nicht, dass jede Entscheidung zu 100 Prozent richtig war. Aber im Großen und Ganzen, wenn ich mir ansehe wie schnell wir vom Höchststand von über 3500 Infizierten heruntergekommen sind, dann haben die Maßnahmen funktioniert und gegriffen. Vor allem auch deshalb, weil die Tirolerinnen und Tiroler so hervorragend mitgemacht haben.  

RS: Als es zum Lockdown kam, reagierten die Bundes- und Landesregierung sofort und schnürten Förderpakete in Milliardenhöhe. Die Fördermittel werden 2021 ausgeschöpft sein. Bürgermeister, Unternehmer und Arbeitnehmer fragen sich deshalb jetzt schon, wie es danach wohl weitergehen wird?
Platter: Tirol hat in den letzten Jahren sparsam gewirtschaftet und acht Mal in Folge ein Nulldefizit erreicht. Wir haben die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung in ganz Österreich, was uns jetzt zugutekommt. Was die Gemeinden betrifft, bereiten wir schon das nächste Investitionspaket vor. Die Konjunktur anzukurbeln und mit öffentlichen Mitteln dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt stabil bleiben, ist in der jetzigen Phase alternativlos. Alles andere würde uns mittelfristig noch wesentlich mehr Geld kosten. Wenn es notwendig und sinnvoll ist, wird es auch 2021 Förder- und Unterstützungspakete geben. Die Politik ist sich hier ihrer Verantwortung sehr wohl bewusst. 

RS: Die Wintersaison steht vor der Tür, im November werden die ersten Skigebiete aufsperren. Wenn die positiven Corona-Fälle in die Höhe schnellen, wird es wieder strenge Schutzmaßnahmen brauchen. Kann sich Österreich beziehungsweise Tirol einen zweiten Lockdown leisten? 
Platter: Klar ist, dass die kommende Wintersaison anders verlaufen wird als die vorhergehenden. Große Opening-Veranstaltungen und gerammelt volle Après-Ski-Lokale wird es nicht geben. Wichtig ist, dass das Gesundheitsministerium für den Winterbetrieb jetzt Regeln vorlegt, welche Maßnahmen zum Schutz der Menschen eingehalten werden müssen. Seitens des Landes haben wir bereits vor Wochen entsprechende Konzeptvorschläge an das Ministerium übermittelt. Die Rückmeldungen sind bis jetzt leider noch sehr überschaubar. 

RS: Nun zu einem anderen Thema: Nämlich zum Wolf, der unsere Schafbauern in Atem hält. Wie lange müssen die Schafhalter noch um ihre Tiere auf den Weiden bangen?
Platter: Für mich steht fest, dass die Zeit der Wolfsromantik vorbei sein muss. Wenn von Tierschutz die Rede ist, dann muss dieser auch für die Weidetiere gelten, die teils unter unglaublichen Qualen zugrunde gehen. Gerade bei uns in Tirol, wo es eine Kombination aus beengtem Siedlungsraum, kleinstrukturierter Berglandwirtschaft, Almwirtschaft und Tourismus gibt, hat der Wolf keinen Platz mehr. Ich werde deshalb im September bei der Sitzung der Arge Alp eine Resolution einbringen, um den Schutzstatus des Wolfs auf EU-Ebene zu senken, damit die Entnahme von Wölfen, insbesondere Problemwölfen, möglich wird. 

Vielen Dank für das Gespräch!
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