Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Sport | 20. Oktober 2020 | Peter Bundschuh

Louis Gundolf, Klettertalent aus dem Pitztal

Louis Gundolf, Klettertalent aus dem Pitztal
Nationaltrainer Reinhold Scherer gegenüber seinem „Schützling“: „Louis hat sein Talent schon früh erkennen lassen und seine letzten Erfolge sind beachtlich, nun geht es auch darum, mental durchzuhalten.“ RS-Foto: Bundschuh
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Die „Jungen Wilden“ setzen sich in Vorstieg (Lead), Boulder, Speed und auch Combined trefflich in Szene

Mit den Staatsmeisterschaften endeten auch die Austria Climbing Summer Series 2020. Der Pitztaler Spezialist im Vorstieg, Louis Gundolf, Jahrgang 2001, trug sich mit dem dritten Platz bei den Staatsmeisterschaften in die Liste der Besten ein und stellte kurz darauf mit Silber bei der Deutschen Meisterschaft im Vorstieg seine derzeitige Form neuerlich unter Beweis. Die RUNDSCHAU bat Gundolf im Bundeskletterzentrum Innsbruck zum Gespräch.
Von Peter Bundschuh

Das Bistro des Kletterzentrums ist nur durch eine Glasscheibe von der beeindruckenden Kletterhalle getrennt, das ergab eine ausgesprochen authentische Atmosphäre für das exklusive Interview mit dem jungen Pitztaler Leistungssportler. Louis Gundolf ist in St. Leonhard aufgewachsen, besuchte im Pitztal die Volks- und Hauptschule und wird das Sportborg Innsbruck 2021 abschließen. Auch nach großen Erfolgen im Bereich des Jugend-Sportkletterns und den beiden aktuellen Höhepunkten des laufenden Herbstes, den „Stockerplätzen“ bei den Österreichischen und den Deutschen Meisterschaften, lief für das Oberländer Lead-Talent nicht immer alles glatt. Vor seinem „Comeback“ an der Wand hatte er eine schwere Mandelentzündung und Operation mit Folgekomplikationen zu überstehen. Zwei Monate Liegezeit brachten einen Gewichtsverlust von sieben Kilo mit sich, zudem musste ein beträchtlicher Trainingsrückstand aufgeholt werden. 

STUFE FÜR STUFE. „Ich klettere mehr oder weniger schon mein ganzes Leben lang. Ganz anfänglich auf Stühlen und über Tische. Als Siebenjähriger wurde ich im Kletterteam Imst aufgenommen, dann mit elf Jahren meine erste 8a und mit 16 folgte das Debut auf einer 9a. 2015 konnte ich für etwa ein halbes Jahr wegen eines Wachstumsfugenrisses im rechten Mittelfinger keine kleinen Griffe fassen. In dieser Zeit verlegte ich mich auf’s Eisklettern. Damals bewältigte ich Wasserfälle bis zu W5 und Mixt-Routen bis M12. Jetzt steht die Matura an und dann möchte ich gerne das Tourismuskolleg besuchen. Meiner Mutter gehört die Gletscherstube im hintersten Pitztal unter der Braunschweigerhütte. Die tät ich gerne einmal übernehmen und da gastronomisch weitermachen.“

GANZ ALLEINE GEHT GAR NIX. Gundolf ist, was sein soziales Umfeld hinsichtlich des Klettersports betrifft, sehr gut aufgestellt, darin liegt mit Sicherheit auch einer der Schlüssel zum Erfolg. Er erinnert sich: „Schon zur Hauptschulzeit trainierte ich viel in Innsbruck, das funktionierte nur durch die Bereitschaft meines Vaters, mich zu fahren. Überhaupt war er mein Vorbild und erster Trainer ab meinem dritten Lebensjahr. Selbst ist er ein hervorragender Alpinist und im Eisklettern überhaupt spitze. In der Volksschule war ich im Kletterteam Imst, dieser Community um Andi Knabl verdanke ich auch wirklich viel. In Innsbruck kam dann Sabine Bacher. Nach wie vor ist es Fabian Leu, Trainer und mittlerweile Freund, der in Sachen Klettern für mich das letzte Wort hat. Seit ich mit dem Erwachsenen-Nationalteam trainiere, sind natürlich die Nationaltrainer Katharina Saurwein, Kilian Fischhuber und Mastermind Reinhold Scherer für meine Sportkletterzukunft federführend maßgeblich.“ Eine gewisse Eminenz im Hintergrund ist wohl der erfahrene und sehr erfolgreiche Klettermanager Peter Reinthaler. Louis meint: „Peter Reinthaler stärkt mir den Rücken und ist immer hinter mir. Auch dann, wenn ich nicht immer der ganz einfach zu behandelnde Sportler bin, schaut er trotzdem, dass alles passt.“ Auch das Publikum heizt die Stimmung bei Wettkämpfen an. Der Covid-19-bedingte Verzicht darauf ist für viele Athleten schmerzhaft, für einige hingegen sogar von Vorteil, je nach persönlicher Ausrichtung. Louis selbst begegnet diesem Umstand eher neutral, auch wenn ihm die Publikumsatmosphäre abgehe, gelinge es ihm, sich ganz auf das Klettern zu konzentrieren. 

AM ANFANG WAR DER FELS. „Fels ist Freizeit, Halle geplantes Training. Fels hat mir immer schon getaugt, in der Natur ist es einfach feiner und die Herausforderung ist groß, denn Fels ist gewachsen, er tut was er will, da gibt’s nicht die eine Lösung, wie es in der Halle mitunter Praxis ist.“ Der Fragestellung Fels oder Halle steht Louis demnach recht pragmatisch gegenüber. Tipps aus seiner Heimat für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade hat er eine ganze Reihe, darunter die eher leichte „Richie Wall“, die sein Vater eingebohrt hat. Ein ganzes Stück heikler seien die Routen der „Unterwelt“ mit Ausgangspunkt Zaunhof. Gute Informationen böte das Netz auf der Seite „Climbers Paradies“; www.climbers-paradise.com. „Klettern ist ein relativ sicherer Sport. Nur nicht blindwegs irgendwo eini gehen, lieber einen Schritt zurück als einer in die falsche Richtung“, kann Louis Gundolf auch Hobbyalpinisten motivieren.
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