Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
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Stams-Keeper tauschte Wuchtl gegen Puck

Manuel Gebhart und sein Traum: Einmal ein Eishockey-Hexer zu sein

Eigentlich war es zuerst irgendwie spaßig, als sich Stams-Fußball-Goalie Manuel Gebhart und Silz-Eishockey-Tormann-Trainer Michael Schmidt nach einem Spiel in der Stamser Kabine trafen und darüber flachsten, Gebhart möge doch mal eine Eishockey-Goalie-Dress überstreifen. Daraus wurde aber Ernst. Jetzt könnte es bei optimalen Bedingungen so sein, als hätten die Silzbulls womöglich einen weiteren Backup-Keeper gefunden.
7. Feber 2022 | von Albert Unterpirker
Wurde mit Pucks torpediert – jetzt weiß Gebhart, wie sich Eishockey-Torhüter manchmal fühlen. RS-Foto: Unterpirker
Michael Schmidt trainierte auch NHL-Keeper Philipp Grubauer. RS-Foto: Unterpirker
Hatte beim Tormann-Training am Eis jede Menge Spaß: Manuel Gebhart. RS-Foto: Unterpirker
„Merkst du schon den Druck in den Knien? Mehr runter!“ – Schmidt kennt kein Pardon! RS-Foto: Unterpirker
Michael Schmidt zeigt hier Manuel Gebhart, wie man es macht. RS-Foto: Unterpirker
Albert Unterpirker

Der Sport schreibt öfters außergewöhnliche Geschichten. Wie auch jene, die sich kürzlich in Stams und Silz zutrug. Für Stams-Urgestein Manuel Gebhart, der bereits seit 14 Jahren das Gehäuse des derzeitigen Gebietsligisten hütet, „war es immer schon ein Traum, einmal in einem Eishockey-Tor zu stehen“, sagt der 32-Jährige. Und erzählt, was da abging. „Gekommen ist alles wegen einer spannenden dritten Halbzeit in der Stams-Kabine nach einem Spiel“, schildert der Tormann schmunzelnd. Damals schaute – wie öfters – Michael Schmidt, seines Zeichens Silzbulls-Tormann-Trainer, bei den Kickern vorbei und so gab das eine Wort das andere. Als Ausgleich zum Fußball sei das Ganze gedacht gewesen. „Ich habe das am Anfang irgendwie nicht richtig ernst genommen, aber jetzt ziehen wir das durch“, ruft Gebhart dem RUNDSCHAU-Redakteur zu, während er auf Schmidt’s knappe Anweisungen in kompletter Montur und Kufen seine Aufwärmrunden in der Silzer Eisarena zieht. Zum ersten Mal steht der Stamser-Keeper in Eishockey-Ausrüstung am Eis, dort, wo Silz seinen Fans schon viele spannende (und hochklassige) Puck-Schlachten lieferte. Tja, eigentlich ist es Gebharts erstes Eishockey-Training überhaupt. Eineinhalb Stunden will er an diesem Tag von Schmidt gequält werden, um zu sehen, ob er Hockey-Keeper kann.

GUTE FIGUR. Wie macht sich Gebhart? „Bei seiner Premiere durchaus eine gute Figur“, lobt Schmidt das beherzte Auftreten des Fußballers. Okay, ganz unbekannt ist Gebhart das Eis nicht, schnürt er sich doch regelmäßig Schlittschuhe, aber Eishockey habe er noch nie wirklich gespielt. „Anlagen sind auf alle Fälle da“, nickt der deutsche Trainer, der in der Hockeywelt kein Unbekannter ist. Schmidt spielte in der deutschen Bundesliga (unter anderem bei Düsseldorf und Berlin), und bildete später einen der ganz Großen aus: NHL-Keeper Philipp Grubauer (jetzt Seattle Kraken, vorher Washington Capitals und Colorado Avalanche, Anm.). Die NHL wird sich für Gebhart diesmal eher nicht mehr ausgehen, dafür aber bei optimaler Entwicklung (plus dem dazugehörigen Willen) womöglich als Personalie eines weiteren Backup-Goalies für die Silzbulls. Quasi, sollten dort mal alle Stricke reißen. „Von der Intensität her ist Eishockey schon anders als Fußball“ – das spürt Gebhart (ein Fan der Vegas Knights) schon nach wenigen Minuten: Es dampft bei ihm aus der Montur, als hätte er mit seinem Team im Stanley Cup grad ein Timeout – oder als stünde er 45 Minuten unter Dauerbeschuss bei einem Kicker-Derby gegen Dorfnachbarn Rietz.

GUTES AUGE. Geachtet wird bei diesem Premieren-Training an diesem kalten Vormittag (minus sieben Grad) auf Schlittschuh-Basics und den richtigen Bewegungen vor dem Tor. Was ist ähnlich bei einem Fußball-Torhüter und einem Eishockey-Keeper? „Ein gutes Auge müssen beide haben“, so Schmidt, der anfügt: „Anders ist sicher das Winkelspiel. Man hat zwar ein viel kleineres Tor zu hüten, muss aber viel schneller reagieren. Von der Anstrengung her ist das mit Fußball nicht zu vergleichen.“ Dass es mal wirklich Ernst mit einem Einsatz bei den Bullen werden könnte, daran glaubt Gebhart nicht. „Ich bin dafür schon zu alt, werde sicherlich Fußball-Tormann bleiben“, grinst er. Obwohl: „So genau weiß man das nie“, lacht sein Trainer, „wir werden sehen!“  

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