Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Wirtschaft | 2. Juni 2020 | Friederike Hirsch

Die Betten sind gemacht

Die Betten sind gemacht
Noch sind nicht alle Betten gemacht, aber die Touristiker sind vorsichtig optimistisch. Es ist ein Zustand zwischen Hoffen und Bangen. 40 Prozent vom letzten Jahr wäre ein Erfolg, heißt es. RS-Foto: Hirsch
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Leiser Optimismus im Ötztal nach der Wiedereröffnung der Hotels und der Beherbergungsbetriebe

Nach zwei Monaten Zwangspause durch die Covid-19-Maßnahmen öffnen schrittweise die Beherbergungsbetriebe und die Hotellerie. Das Tiroler Oberland, allen voran das Ötztal, waren durch die Schließungen massiv betroffen. Jetzt macht sich leiser Optimismus breit. Die ersten Mitarbeiter sind eingestellt, Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Ein Lokalaugenschein.
Von Friederike Hirsch

Zum Pfingstwochenende konnten die Beherbergungsbetriebe und Hotels nach langer Zwangspause wiedereröffnen. Euphorisch ist keiner, aber vorsichtig optimistisch, wie ein Lokalaugenschein zeigt. Nicht alle, die dürfen, haben ihren Betrieb auch tatsächlich schon geöffnet. Es ist ein Zustand zwischen Hoffen und Bangen. 

DIE KLEINEN. Die kleinen Privatzimmervermieter sind gegenüber den großen Häusern klar im Vorteil. Der Privatzimmervermieterverband ließ wissen, dass alle Mitgliedsbetriebe am 29. Mai ihre Türe geöffnet haben. „Wir haben den klaren Vorteil, dass wir alles selbst machen und kein Personal zahlen müssen“, so der Privatzimmerverband. Viele Ötztaler bieten Ferienwohnungen an. Aus deren Reihen ist man zuversichtlich: „In Ferienwohnungen fühlen sich die Gäste dieser Tage besonders sicher,“ heißt es. Christine Hackl, Vermieterin und Obfrau des Ortsausschuss Sautens des Ötztal Tourismus, wird ihren Betrieb erst Mitte Juni öffnen: „Da wir erst Mitte Juni die ersten Buchungen haben, sperren wir auch erst am 14. Juni auf. Früher würden nur unnötige Kosten entstehen und der Lockdown hat uns schon genug gekostet.“ Christine betreibt 14 Zimmer und zwei Ferienwohnungen und sieht die Lage, wie viele, vorsichtig optimistisch. Christine Hackl baut auf ihre Stammgäste. „Die Stammgäste werden immer kommen“, sagt sie. 

DIE GROSSEN.  Die Situation in der Hotellerie stellt sich ähnlich dar. Auch hier hängt es von der Zusammensetzung der Gäste und von der Größe des Hauses ab, ob aufgesperrt wurde, aufgesperrt wird oder ob der Betrieb noch längere Zeit geschlossen bleibt. Roland Haslwanter und seine Tochter Teresa vom Habicher Hof in Oetz haben ihren Betrieb bereits geöffnet. Aktuell verbringen 20 Gäste ihren Urlaub im Hotel. „Wir wollen einerseits als Touristiker mit gutem Beispiel vorangehen und andererseits unserem Personal zeigen, dass wir ein sicherer Arbeitsplatz sind“, sagt Roland Haslwanter. Aber auch hier ist die Buchungslage schwierig. „Viel hängt von den Grenzöffnungen ab, da wir internationale Gäste haben“, sagt Haslwanter. „Wir sind trotz allem sehr positiv eingestellt“, lächelt der Hausherr und meint weiter: „Aber abgerechnet wird im Herbst.“ Das Hotel Bergland in Sölden bleibt indessen bis Mitte Juli geschlossen. Hotelier Sigi Grüner: „Wir haben noch Baustelle, da sich wegen Corona die Bauarbeiten verzögert haben. Aber wir sind optimistisch, sonst würden wir nicht investieren.“ Im Hotel Bergland nächtigen Gäste aus über 50 Nationen. „Wir können kaum planen, da wir nicht wissen, wie und wann die Grenzen öffnen, noch wie sich der Flugverkehr entwickeln wird“, erklärt Grüner. „Für den schlimmsten Fall einer Infizierung der Gäste oder des Personals gibt es keinen Masterplan“, sagt Grüner nachdenklich. Auch das müssen die großen Häuser berücksichtigen. 

STRATEGIEN. Im Ötztal gibt es Überlegungen, die Sommersaison zu verlängern. Sigi Grüner meint dazu: „Das ist sicher eine gute Idee, dann könnte wir den ,Goldenen Herbst‘ bewerben. Solle auch die Infrastruktur offenhalten, dann könnten wir vom Wanderherbst in die Skisaison gleiten. Jetzt wäre der Zeitpunkt, um genau darüber nachzudenken.“ Der Tourismus an sich wird sich nicht ändern, glaubt die Branche. „Aprés Ski wird es immer geben. Die Frage ist nur, ob wir das nicht in andere Bahnen lenken können und über neue Leitbilder nachdenken sollten“, sagt Sigi Grüner. Diskussionsbedarf ist in der Branche vorhanden. Die Suche nach Gästen treibt mancher Orts seltsame Blüten. Manche Betriebe versuchen, mit billigst Angeboten, wie beispielsweise eine Preisreduktion um 30 Prozent als „Solidaritätsbeitrag“, die Buchungen zu steigern. Von Preisreduzierungen hält man im Ötztal wenig. Dazu meint Hackl: „Wir im Ötztal bieten Qualität und ich halte es nicht für sinnvoll, gerade jetzt unsere Zimmer zu verschleudern.“ „Qualität rauf und Preis runter, das geht nicht“, sagt auch Grüner. 
Die Betten sind gemacht
Der Tourismus ist der wirtschaftliche Motor in Tirol. Viel hängt jetzt von einem guten Neustart ab. Quelle: Statistik Austria-WKÖRS-Grafik: Hirsch
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Nicht alle, die dürfen, haben ihren Betrieb auch tatsächlich schon geöffnet. RS-Foto: Hirsch
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