Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Wirtschaft | 8. Juni 2020 | Barbara Heiss

Uneinigkeit bei den Pitztalern

Uneinigkeit bei den Pitztalern
Das „Café 3.440“ am Pitztaler Gletscher gilt als einer der touristischen Magnete im Pitztal und kann im kommenden Sommer von Donnerstag bis Samstag besucht werden. Foto: Zangerl
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Unmut bei Vermietern und Wirtschaftsbund über Öffnungszeiten des Pitztaler Gletschers und Rifflsees

Nach den schwierigen touristischen Zeiten während der Corona-Krise, die noch immer nicht überwunden ist, geht es für viele Betriebe in diesem Sommer um alles. Schleppend ist diese besondere Sommersaison aufgrund von beschränkten Einreisebestimmungen angelaufen – auch im Pitztal haben Vermieter nun mit stark gesunkenen Auslastungen zu kämpfen. Umso größer ist bei einigen der Unmut über die nun geänderten Öffnungszeiten des Pitztaler Gletschers und des Rifflsees. Diese sind für Touristen nur an unterschiedlichen Tagen als Ausflugsziel nutzbar. Für viele Gastronomen und Hoteliers sei das nicht tragbar – für die Pitztaler Gletscherbahnen sei es aber vor allem Corona-bedingt ein unausweichlicher Schritt. Die RUNDSCHAU hat mit einem Hotelbetreiber, dem Wirtschaftsbund und den Pitztaler Gletscherbahnen über diese Uneinigkeit gesprochen.
Von Barbara Heiss

Für viele Vermieter im Pitztal stößt die Entscheidung zu unterschiedlichen Öffnungszeiten der beiden touristischen Ausflugsziele auf Unmut und Unverständnis. Franz Staggl, Betreiber des Hotel Arzlerhof, ist darüber besonders frustriert: „Ich sehe das Ganze touristisch natürlich äußerst schwierig, weil unser Gast durch die ,Pitztal Sommer Card‘ der Meinung ist, dass er alle Leistungen, die er in der ,Sommer Card‘ angeboten bekommt, auch während seines kompletten Aufenthalts nutzen kann. Die Änderungen der Öffnungszeiten bedeuten jetzt, wenn ein Gast nur einen kurzen Aufenthalt hat, kann er nicht alles nutzen, was ihm eigentlich zustehen würde.“ Vor allem das „Café 3.440“ im Pitztal gilt als eines der wichtigsten touristischen Ausflugsziele des gesamten Pitztals. Auch Franz Staggl sieht das Café für Sommer und Winter als wichtigen Standort und zeigt wenig Verständnis für die Änderungen durch die Pitztaler Gletscherbahn. „Wir wurden darüber auch nicht ausreichend informiert. Ich bin der Meinung, dass ein Lift nicht nur das Recht hat zu öffnen, sondern andererseits auch eine Betriebspflicht hat. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sie das überhaupt dürfen und eine Einschränkung in diesem Ausmaß überhaupt rechtlich ist“, so der Hotelbetreiber. Für Staggl und andere Betreiber, die auf Touristen angewiesen sind, falle somit ein maßgebliches Angebot weg und schränke sie in den Angebotsmöglichkeiten für ihre Gäste ein. Zudem sieht Staggl die Gastronomie im Bereich des Rifflsees in Gefahr, die durch die Änderungen weniger Gäste zu erwarten haben. „Wir können das unseren Gästen so kurzfristig auch nicht mitteilen. Der geht davon aus, dass er so wie in den Jahren vorher uneingeschränkte Möglichkeiten hat, die Leistungen der ,Sommer Card‘ zu nutzen“, erklärt Staggl. Auch bei den Auslastungen sieht es im Moment bei Franz Staggl und seinem Arzlerhof nicht gut aus: „Unsere Auslastungen in der Hotellerie sind bescheiden, einige Betriebe haben gar nicht erst aufgesperrt. Wir hoffen natürlich, wenn die Grenzen dann aufgehen, dass es besser wird, aber der Grundtenor ist sehr schwierig. Der Frust und der Unmut gegenüber den Pitztaler Gletscherbahnen in der Vermieterriege ist sehr groß. Wir bemühen uns alle – ich beispielsweise sperre am 22. Juni mit nur zehn Gästen auf. Von betriebswirtschaftlich rentabel sind wir weit entfernt. Trotzdem sperren wir auf und versuchen, den Gast kurzfristig zu animieren ins Pitztal zu kommen – und dann werden wir vom Angebot her so massiv eingeschränkt“, lässt Staggl seinem Unmut freien Lauf. Auch der Obmann des Wirtschaftsbundes St. Leonhard, Christoph Eiter, sieht diese Entscheidung als wirtschaftlich nicht tragbar: „In der momentan eh schon schwierigen Zeit einfach gewisse Angebote nicht zu öffnen, ist für mich als Wirtschaftler unverständlich. Jetzt müssten eigentlich alle zusammenhelfen, um durch diese touristisch schwierige Zeit zu kommen. Da find‘ ich die Reaktion von Herrn Rubatscher und der Pitztaler Gletscherbahn für die Wirtschaft untragbar. Gerade wenn man an die verschiedenen Saisonkarten denkt.“

„EIN SCHRITT, DER GETAN WERDEN MUSS“. Die RUNDSCHAU hat nach dem Unverständnis, das den Pitztaler Gletscherbahnen entgegengebracht wird, um eine Stellungnahme der Verantwortlichen gebeten – diese verweisen aufgrund der schwierigen Bedingungen während der Corona-Krise auf eine schrittweise Öffnung der Infrastruktur: „Nach dem verordneten Shutdown zur Vermeidung der Ausbreitung von Covid-19 ist in der Gletscherregion Pitztal für die Frühlingssaison für die Tourismusbetriebe (Bergbahnen und Vermieter) ein großer wirtschaftlichen Schaden entstanden. Als größter Arbeitgeber der Region hat die Pitztaler Gletscherbahnen GmbH&CoKG alle ihre Stammmitarbeiter im Dienstverhältnis behalten. Nach Einhaltung von Auflagen und Gesundheitsmaßnahmen, bereitet sich die Gletscherregion Pitztal wieder schrittweise auf die Inbetriebnahme seiner Infrastruktur vor. Nachdem keiner sagen kann, wie der Sommertourismus verlaufen wird, wird die geografische Nähe der beiden Bergbahnen Pitztaler Gletscher und Rifflsee genutzt und vorerst für den Wochengast ein Sieben-Tage-Sommerbetrieb mit 5. Juli gestartet, der wie folgt aussieht: Der Gast des Pitztals kann das Highlight ,Café 3.440‘ von Donnerstag bis Samstag nutzen und das Naturjuwel Rifflsee die restlichen Wochentage von Sonntag bis Mittwoch. Mit diesem Sommerstart hat man dem Wochengast alle Möglichkeiten gegeben, die Besonderheiten und Schönheiten des Pitzaler Gletschers und des Rifflsees zu erkunden. Sollte der Sommer sich gut entwickeln, kann auf Vollbetrieb beider Bahnen umgestellt werden“, so die Verantwortlichen der Pitztaler Gletscherbahn.
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