In die Röhre glotzen

Liebe Freunde des Fernsehens!

Ich liebe das gemütliche Herumlungern vor der Mattscheibe. Zappen. Teletext schauen. Berieseln lassen. Dazwischen ein Nickerchen. Sport. Nachrichten. Dokumentationen. Hin und wieder ein Krimi. Aufwachen. Und dann von der Ofenbank direkt ins Bett übersiedeln. Einfach herrlich. Absolut entspannend. Neuerdings wird mir jedoch diese, meine Lieblingsbeschäftigung ein wenig eingeschränkt. Wenn unsere beiden geliebten Enkelkinder da sind, ereilen mich zuweilen pädagogische Unterweisungen. Fernsehen sei nicht gesund, wird mir von Gattin und Tochter unisono vermittelt. Da die Kleinen immer wieder den optischen und akustischen Reizen der Röhre Aufmerksamkeit schenken, drücke ich einsichtig und nachgiebig den roten Knopf. Und verziehe mich in mein Büro. Von einem Bildschirm zum nächsten. Dort läuft Schach. Danach Lego spielen und Bücher vorlesen. Erst wenn die Kinder im Bett sind, schleiche ich mich zurück zur Glotze. Schnell ein paar Teletextmeldungen, um am Laufenden zu bleiben. Dann die Kanäle im Eiltempo durchschalten. Oder die Programmübersicht studieren. Irgendwas ist immer. Im schlimmsten Fall Talk-Show. Falls sich jetzt auch Ehefrau und Tochter auf Sofa und Couch in die Waagrechte begeben, bin ich kompromissbereit. Show, Quiz oder irgendeine Suche nach einem künftigen Superstar. Talente im Wettstreit. Ist ja auch fast wie Sport. Bei Werbepausen darf ich endlich wieder die Fernbedienung an mich reißen. Das ist Macht pur. Aber bei so vielen Kanälen echt anstrengend. In der Regel wird gemeinsam entschieden, was geschaut wird. Das ist gelebte TV-Demokratie. Für mich heißt es dabei nur: Grundsatzdiskussionen vermeiden. Muss ich ja auch längst nicht mehr. Denn einer meiner Freunde, ein hochbegabter Anwalt, hat mir schon vor Jahren die Antwort gegeben: „Du Meinhard, viele Leute sagen, das Fernsehen sei so ungesund. Dabei kenne ich keinen Einzigen, der daran gestorben ist…“

Meinhard Eiter

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