In drei Jahren, da sehen wir uns dann wieder

Der letzte Höhepunkt im Oberländer Fåsnåchtsgeschehen: Der Flitschelarlauf in Sautens RS-Foto: Bundschuh

Flitschelarlauf begeisterte vergangenen Sonntag in Sautens

Alle drei Jahre geht die Regentschaft von Sautens Gemeindechef Fredi Köll in die Hände der Flitschelar und Fetzelar, in die von Schallelar und Singeslar, der Laninger, der Zylinderträger, der Hexen, in die Pfoten von Bären und Treibern und aller anderen Aktiven der Fåsnåcht über. Obwohl das Dorfoberhaupt im Bearnreim ob seiner „Schandtaten“ nicht verschont wird, gibt die Obrigkeit, verkörpert in den Zylinderträgern, stets bereitwillig die Genehmigung zur Fåsnåcht. Das Wetter in Sautens hatte sich im letzten Moment noch am „Riemen gerissen“, sodass weder Darsteller noch Besucher „eingeweicht“ wurden oder Erfrierungen davontrugen. Für Geselligkeit sorgten auch die Wagenbauer, die mit ihren aufwendig gestalteten Gefährten für die Möglichkeit eines gut gelaunten Ausklangs der Festlichkeit sorgten.

Von Friederike Bundschuh

Der Flitschelarlauf versetzt nicht nur die Sautner in ultimatives Fåsnåchtsfieber, sondern ist auch Anziehungspunkt weit über die Bezirksgrenzen hinaus, wie sich auch in der regelmäßigen Anwesenheit von Prominenz aus Politik und Wirtschaft zeigt. Wie es für Fåsnåchtsveranstaltungen des Oberlands charakteristisch ist, handelt es sich auch beim Brauchtum des vorderen Ötztals um eine Traditionsveranstaltung, wie auch Bürgermeister Fredi Köll die Medien wissen ließ: „Der Flitschelarlauf hat historische Wurzeln und ist in seiner überlieferten Weise in unserer Gemeinde entstanden. Diese Tradition wollen wir hochhalten und weiterhin pflegen. Betrachten Sie auch bitte die Liebe zum Detail, den Arbeitsaufwand und die Gemeinschaft die nötig ist, um einen schillernden Flitschelarlauf zu organisieren.“

„Ordensträger“ der fünften Jahreszeit

Dass der Faschingszeit in Sautens sogar eine eigene Hymne gewidmet ist, ist dem Komponisten Arnold Jäger zu verdanken, der unter Obmann Richard Prantl den „Maschgarar-Marsch“ zu Papier brachte. Uraufgeführt wurde das Musikstück dann anlässlich eines Flitschelarlaufs. Obmann Prantl erhielt für sein Fåsnåcht-Engagement den Titel „Obermaschgarar“, die höchste Auszeichnung, die der Verein zu vergeben hat. Das bunte, oft wilde Treiben im Schnapsbrennerdorf Sautens ist seit den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts bekannt und war in Kirchenkreisen nicht gerne gesehen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist ein großer Teil der Hauptmasken wie Flitschelar, Fetzelar, Schallelar und Singeslar unverändert. 1981 wurden die Aktivitäten der Maskierten offiziell in den kulturellen Jahresablauf der Gemeinde aufgenommen. Es liegt auf der Hand, dass in Sautens ein eigener Flitschelarschnaps gebrannt wird, dessen Werdegang von Obmann-Stellvertreter Adolf Kutzler streng überwacht wird. Derzeit steht der Übergang der Maschgarar-Geschicke auf einen neuen Obmann an. Mit 1. März 2020 übernimmt Christian Hackl als Obmann, sein Stellvertreter wird Mathias Steixner. Frauen treten im Rahmen der Fåsnåcht trotz vieler geleisteter Arbeiten nur im Hintergrund in Erscheinung. Als eine Art Ordensträgerin des Flitschelarlaufes im künstlerischen Sinn darf aber wohl die in Sautens lebende Malerin Tanja Trenker gelten. Ihrem ersten Bild zum Flitschelarlauf soll eine Fåsnåchtsedition folgen, auch an eine eigene Ausstellung ist gedacht, die RUNDSCHAU hat berichtet.

Geglückter Lauf 2020

Die Höhepunkte der Fåsnåchtveranstaltungen im Tiroler Oberland finden mit dem Sautner Fest ihren Ausklang. Begonnen wurde am Sonntag um 10.00 Uhr mit dem Auffahren der Wagen zum Ortsteil Pirchhof. Ab Mittag setzten sich die Hauptgruppen zusammen mit allen Masken zur Hauptaufführung in Bewegung. Dann weiter Richtung „Alte Senn“ und die Abschlussaufführung fand traditionell vor dem Gemeindeamt statt. Und alle waren sie dabei, die Flitschelar mit ihrem Flitschngwand, Winter und Frühling in der Figur von Schallelar und Singeslar, die im Vorfeld des Laufes eingefangenen Bären mit ihren Treibern, die heimatlosen Laninger, die Hexen mit ihren Besen, die althergebrachten Bajazzl samt Blechmusig. Für Ordnung sorgte die Truppe der Schandi. Zum Ausklang lud ein Umtrunk auf den rollenden Raststationen der Wagenbauer ein. Auch wenn Sautens seine zahlreichen Besucher nicht unter strahlend blauem Himmel empfing, kamen die milden Temperaturen dem Treiben rund um die Maschgarar zugute, kurzum es war ein weiterer absolut gelungener Höhepunkt der traditionellen Oberländer Fåsnåcht.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.