In Elbigenalp gibt es Historisches

Bürgermeister Markus Gerber und Mag. Peter Friedle vom Wunderkammer-Team begrüßten die Gäste zur Ausstellungseröffnung und wussten viel Wissenswertes zu berichten. RS-Fotos: Chauvin

Theaterstück „Schwabenkinder“ und Sonderausstellung „D’Lecht’ler Schwåbakind“

In Elbigenalp wird in diesem Jahr auf zwei Schauplätzen das Thema „Schwabenkinder“ behandelt. Zum einen kommt das Stück von Claudia Lang-Forcher mit gleichnamigen Titel überarbeitet wieder auf der Geierwally Freilichtbühne vom 7. Juli bis 26. August zur Aufführung. Seit vergangenem Donnerstag ist im Museum Wunderkammer eine Sonderausstellung zu diesem Kapitel Zeitgeschichte zu sehen. 

Bis in die 1950er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts war das Lechtal eines der ärmsten Gebiete des Landes Tirol. Viele kinderreiche Familien konnten in dem kargen Gebiet das tägliche Brot nicht erwirtschaften und so mussten die Männer und nicht selten auch die größeren Kinder das Tal verlassen und oft unter widrigsten Bedingungen im Allgäu und im schwäbischen Raum arbeiten, um mit ihrem geringen Verdienst den Rest der Familie zu ernähren.
Lang-Forcher zeigt in dem historischen Stück „Schwabenkinder“ eine Lechtaler Familie, die für viele notleidenden Familien in ganz Tirol um 1900 steht. Es ist die Geschichte um den Gewissenskonflikt einer Mutter, die ein Adoptionsansuchen für ihr Kind aus dem Schwabenland erhält und entscheiden muss, es entweder freizugeben und ihm damit Wohlstand und eine gute Schulbildung zukommen zu lassen oder es zurück in die Armut zu holen. Die Regie führt in diesem Jahr wieder Thomas Gassner, der schon 2013 die „Geierwally“ inszenierte. Die erste Leseprobe fand am 6. April statt. Insgesamt werden es über 40 Proben werden, bei denen 29 Personen agieren, davon sieben Mädchen und sieben Buben im Alter von 5-14 Jahren. Der Vorverkauf laufe gut und es seien 15000 Folder im Allgäu, Bregenzer Wald und im Unterinntal verteilt worden, hieß es von den Verantwortlichen der Bühne. Weitere Informationen unter www.geierwally.at oder telefonisch unter 05634-5315-12. Um dieses Thema für die Sonderausstellung aufzuarbeiten, wurden zum Beispiel Zeitzeugen, Chronisten im Außerfern, im Unter- und Oberallgäu befragt und in vielen Büchern, Zeitungen und Aufzeichnungen in Kirchen und Gemeinden nachgeforscht. Immer noch ist das Team auf der Suche nach Personen, die noch Einzelheiten wissen oder Menschen kennen oder gekannt haben, die selbst betroffen waren. In der Ausstellung gibt es zum Beispiel auch einen Karteikasten mit Karten von ca. 70 ehemaliger Schwabenkindern aus dem Lechtal. Wer etwas weiß, sollte sich an die Wunderkammer oder an eines der Team-Mitglieder wenden. Es arbeiten an diesem Projekt mit: Guido Degasperi, Mag. Peter Friedle, Werner Friedle, Brigitte Kohler, Mag. Peter Linser, Mathilde Schlichtherle-Frey, Bernhard Singer, Dr. Otto Walch, Mag. Anita Walch-Lang, Daniela Wasle. Kontakt aufnehmen per Telefon 05634 20024 oder im Internet unter www.wunderkammer.tirol.   Eine Eintrittskarte oder Reservierungsbestätigung für die Freilichtbühne gilt am gleichen Wochenende auch als Eintrittskarte für die Wunderkammer.

Von Claudia Chauvin