In Heiterwang war die Hölle los

4000 Zuschauer, 23 Krampusgruppen, über 600 Larven – der Tuifllauf in Heiterwang war wieder ein Event der Superlative! RS-Fotos: Gerrmann

4000 Fans der schrecklichen Gestalten beim Tuifllauf in Heiterwang

Nicht allen jagt der Tuifl Angst und Schrecken ein. Auf viele übt er sogar eine enorme Anziehungskraft aus. Eine Menge davon zog es am Freitagabend nach Heiterwang. Über 4000 Zuschauer säumten die Straßen, um die 23 Maskengruppen aus ganz Tirol, dem Allgäu und sogar der Schweiz zu erleben, ihnen verdienten Applaus zu spenden und es auch noch danach so richtig krachen zu lassen. Kurzum: In Heiterwang war die Hölle los.

Von Jürgen Gerrmann

Allerlei schaurige Gestalten zogen beim sechsten Tuifllauf durch die Heiterwanger Straßen. Rund 4000 Zuschauer waren begeistert.

Kein Zweifel: Auch die sechste Auflage des von der Landjugend und den örtlichen Thaneller Tuifln gemeinsam getragenen Spektakels war ein Riesenerfolg.
Die Moderatoren Peter Priller und Christoph Kramer heizten dem Publikum schon vor dem Startschuss mächtig ein und so war es kaum kein Wunder, dass während des ganzen mehr als zweistündigen Umzugs eine grandiose Stimmung herrschte.
Den furiosen Auftakt gestalteten die Gastgeber, die das Publikum mit ihrem von Miguel Walch aus Tarrenz geschnitzten Masken gleich mitten ins tuiflische Geschehen hineinnahmen. Von Walch stammten übrigens viele der mehr als 600 Larven, die man an diesem Abend erleben konnte.

Viel Feuer und Nebel.
Zum Tuifl gehört das Feuer: Bei den meisten Gruppen war es daher ein wichtiger Teil der Inszenierung.

Der Krampus Verein Landeck hatte sogar einen weißen Teufel mit dabei. Freilich: Ihm erging es unter seinen schwarzen Artgenossen eher schlecht. Viel Feuer und Nebel begleiteten wiederum die Gaichtpass Krampuss’ aus Weißenbach, denen sich die Seefelder Tuifl mit ihren aus Zirbenholz geschnitzten Masken anschlossen.

Reutte konnte schon einmal üben.

In der Tradition von Knecht Ruprecht sieht sich der Reuttener Tuiflverein, der jedes Jahr in ganz Österreich unterwegs ist und schon mal für den eigenen großen Krampuslauf am nächsten Samstag, 1. Dezember, um 18 Uhr, üben konnte.
Eine weite Anreise hatte die Gruppe Laurenti PASS aus Vordernberg zu absolvieren: Sie vertrat die steirischen Farben und hat am 5. Dezember daheim in der Marktgemeinde im Bezirk Leoben einen Großeinsatz vor sich: Am Nikolausabend absolviert man nämlich die traditionellen Hausbesuche.
Viele Hexen, die zuweilen die wilden Kerle vor sich hertrieben und Riesenschellen, hatte der Klausenverein Sonthofen mitgebracht. Besonderheit bei ihnen: Sie machen ihre Masken selbst. Zu den Außerferner Lokalmatadoren zählten die Pflacher Säuling Tuifl. Deren Oberhaupt schien jedoch im tuiflischen Seniorenheim zu residieren, musste er doch in einem (zugegebenermaßen bemerkenswerten) Gefährt durch die Heiterwanger Straßen transportiert werden. Allen Kindern ein Graus müssten wiederum die Landecker Oberinn Taifl sein: Deren Schrofenstein-Hexe öffnet nämlich angeblich das Tor zur Hölle und lässt darin den Nikolaus verschwinden. Unerhört sowas!
Die Arlberg Pass-Krampalar setzten gleichermaßen auf die Moderne – und hatten daher ebenfalls ein Tuifl-mobil mitgebracht. Ihnen standen freilich die Hefar Schrofa Zottlar aus Höfen nicht im Geringsten nach.
Dass es auch in der Eidgenossenschaft spukt, bewiesen die Schnapslochgeister aus Welschenrohr. Dafür hatten auch sie eine weite Anreise auf sich genommen – ihre Heimat ist nämlich der Kanton Solothurn.

Der Blutmond von Lermoos.

Die Sieben Bränd Tuifl aus Lermoos begeisterten mit einer regelrechten Inszenierung: Sie setzten die Geschichte vom Blutmond ganz toll um. Die Talkessel Tuifl aus Landeck beeindruckten wiederum nicht zuletzt mit ihren mächtigen Hörnern. Die Weida Tuifl aus Lechaschau hatten derweil an drei Samstagen einen Einachsschlepper zum tuiflischen Vehikel umgebaut.
Dass Tirol auch tuiflisch gesehen „lei oans“ ist, spürte man, als die Hoadr Krampusse aus St. Valentin auf der Haide mit ihren Riesen-Schellen und -Milchkannen an einem vorüberzogen. Das Lechtal vertraten unter anderem die Hölltal Tuifl, die sich nach einer Schlucht zwischen Elmen und Bschlabs benannt haben. Nicht nur Namen sind Schall und Rauch – diese Kombination begleitete auch unüberhör und -sehbar die Stana Toifl aus Stans bei Schwaz. Und die Ötztaler Feuerteufel verbanden ganz prima klassische und moderne Elemente miteinander. Sie gehören mittlerweile zu den größten Krampusvereinen ganz Österreichs.

Am Freitag geht’s in Elbigenalp rund.

In der Tradition der Nikolausumzüge wurzeln die Galga Krampalar aus Vils, die die einzige Stadt im Außerfern würdig vertraten. WaKraVe – so lautet das Kurzwort für den Wangener Krampus Verein aus dem Württembergischen Allgäu, dessen Obmann Volker Kohl all die schönen Masken selbst schnitzte. Mächtige Hörner zierten die Tannheimer Krampuss’. Sie ließen auch dem Guten seinen Platz: Ein Engel war nämlich dabei. Auf eine über 20-jährige Tradition können die Naunspitz-Teife aus Ebbs bei Kufstein zurückblicken – sie dürften zu den ganz wenigen Tuifllauf-Teilnehmern zählen, deren Geschichte bis ins vergangene Jahrtausend zurückreicht. Das haben übrigens auch die Krampusse aus Elbigenalp, als sie ihren Verein zu Nikolaus 1999 aus der Taufe hoben, gerade noch so geschafft. Auch bei ihnen wir es übrigens demnächst hoch hergehen: Das Duarfer Krampus-Treiben ist auf Freitag, 30. November, terminiert.
Auch die Beastal Tuifl aus Lähn ließen einen staunen: Sie brachten so viele schaurige Gestalten auf die Beine, dass man den (subjektiven) Eindruck bekam, als lebten gar nicht so viele Menschen wie Tuifl in dem Dorf bei Bichlbach. Und zum Schluss zeigten die Arga Tuifl aus Serfaus, dass sie nicht ohne Grund zu den bekanntesten Gruppen dieser Art in der ganzen Republik zählen und schon bei „Guten Morgen, Österreich“ zu sehen waren.
Einen künstlerischen und akrobatischen Akzent setzte die Gruppe Philgor aus Berching im Altmühltal in der Mitte des Tuifllaufs.
Höchst erfreulich bei dem bunten Treiben war, dass es sich beim Tuifl Lauf um eine Tradition handelt, die vornehmlich von jungen Leuten getragen wird – sowohl, was die Teilnehmer als auch was das Publikum anbelangt. Da lässt es sich als etwas reiferer Jahrgang schon verkraften, dass die Musik nicht gerade zu dem gehört, was man sich zur guten Nacht gönnt.
Toll war auch, wie ganz Heiterwang an diesem Abend zusammenhalf und sich um die Absperrungen, die Sicherheit, aber auch um das leibliche Wohl kümmerte.

Einziges Ärgernis – der Müll!

Im Grunde gab es nur ein einziges Ärgernis an diesem schönen Abend: Schon eine halbe Stunde nach Ende des Umzugs war der Boden am und um den Hauptplatz mit leeren Flaschen, Pappbechern und Servietten übersät. Dafür können die Veranstalter nichts, die auch für einen engagierten Aufräumtrupp gesorgt hatten, der allerdings oft auf verlorenem Posten stand. Es handelt sich da wohl um ein Spiegelbild der modernen Gesellschaft, das im Grunde erschreckender ist als so mancher Tuifl, der da durch die Straßen zog: Was stört mich meine leere Bier- oder Alcopop-Flasche? Weg damit! Irgendjemand wird sie schon aufheben, mir ist das zu stressig! Dass bei einer Brauchtumsveranstaltung die Gleichgültigkeit Triumphe feiert – das lässt einen schon erschaudern…

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.