In Ranggen wird anders „telefoniert“

Die Bücherzelle ermöglicht der Allgemeinheit rund um die Uhr einen kostenlosen Zugang zu Lesestoff. RS-Foto: Hackl

Die innovative Büchertauschbörse „Bücherstopp“ wird bestens angenommen und von allen Altersklassen genutzt

Wer die Telefonzelle im Zentrum von Ranggen benutzt, wird feststellen, dass man hier anders „telefoniert“. Die zweckentfremdete Bücherzelle ist zwar wie die klassische Telefonzelle dafür gedacht, mit anderen in Kontakt zu treten, allerdings nur im übertragenen Sinne – sie ermöglicht den Kontakt mit unterschiedlichen Helden und Themen. Im entkernten Inneren der Telefonzelle finden Bücher ein vorübergehendes Zuhause.

Ein Buch mitnehmen, behalten, weitergeben, umtauschen, zurückbringen oder einstellen – so funktioniert die Bücherzelle in Ranggen, die bereits seit dem Frühjahr 2018 existiert. Die Idee für die innovative Büchertauschbörse kam den Büchereimitarbeitern durch eine Fortbildung bzw. im Austausch mit Kollegen.

DIE VERWANDLUNG. Bereitwillig und kostenlos stellte die Telecom eine der ausrangierten Telefonzellen zur Verfügung. Nach der Entkernung mussten Regale in der Mini-Bibliothek installiert werden und gemeinsam mit der Künstlerin Moana Hofinger wurde die Telefonzelle auch optisch ihrem neuen Zeck zugeführt. Sie wurde mit Spraykunst und mit einzelnen Buchstaben versehen – lag es doch nahe, sich bei der Gestaltung mit Sprache zu spielen. „Wir haben nur positive Rückmeldungen erhalten. Unser Bücherstopp wird super angenommen und sogar von den Bewohnern der umliegenden Gemeinden genutzt“, freut sich die Initiatorin und Büchereileiterin Hodermann. „Unsere Bücherzelle hat nun ihren ersten Winter hinter sich und ehrlich gesagt, haben wir uns Sorgen gemacht, ob bzw. wie die Bücher die kalte Jahreszeit überstehen wird. Überraschenderweise stellten die Witterungsverhältnisse kein Problem dar.“

Die umfunktionierte Telefonzelle ist strategisch bestens platziert: Neben der Bushaltestelle und in unmittelbarer Nähe zum Kindergarten und der Volksschule. Direkt neben dem Bücherstopp wurden einige Sitzgelegenheiten geschaffen, somit können sich Leseratten ein Buch aussuchen und sofort darin schmökern.

KLEIN ABER OHO. Dank dem Bücherstopp kann jeder jederzeit zwischen 300 und 350 Bücher wählen. „Die Möglichkeit ohne Mitgliedschaft und zu jeder Tageszeit auf die Bücher zugreifen zu können, macht die Bücherzelle so beliebt. Außerdem findet man hier mit etwas Glück auch immer wieder Neuerscheinungen. Die Bücher wurden meist nur einmal gelesen, um dann dank unserer Tauschbörse anderen Interessierten zur Verfügung gestellt zu werden“, weiß Hodermann. Anfänglich befürchteten die Initiatoren, dass es aufgrund der allgemeinen Zugänglichkeit möglicherweise zu Fällen von Vandalismus kommen könnte. Aber derartige Probleme blieben bislang aus. „Für den vorbildlichen Umgang mit dem Bücherstopp möchte ich mich bei allen Dorfbewohnern bedanken. Wir – von der Bücherei – sehen regelmäßig nach dem Rechten und es gibt wirklich nichts zu beanstanden“, so Hodermann. Sie merkt an, dass auch stets ein hoher Standard bei der Büchern gehalten wird. In den Regalen finden sich Bücher aus den unterschiedlichen Sparten: Belletristik, Sachbücher, Ratgeber, Reiseführer und Kinderbücher.

VON RANGGEN NACH BOCHUM. Interessierte Lesefreunde lassen nie lange auf sich warten. Kornelia und Georg Jeskulke aus Bochum wurden auf die blau-grüne Bücherzelle aufmerksam. Unglaublich aber wahr – die Beiden verbringen bereits zum 55. Mal ihren Ski- bzw. Wanderurlaub im Sellraintal und sind zufällig über den Bücherstopp gestolpert. Rasch finden sie ein Buch für ihre Enkeltochter und zeigen sich von der speziellen Telefonzelle begeistert: „Ich finde diese Bücherzelle wunderbar. Bei uns gibt es ähnliche Tauschbörsen, aber ich mir ist noch nie eine umgemodelte Telefonzelle untergekommen. Ich bin positiv überrascht, wie ordentlich hier alles ist. Bei uns ist das leider oft anders. Hier bekommt man wirklich Lust zu Lust.“

MOBILE ZUKUNFT. Aktuell stellt die Bücherei bei Veranstaltungen bereits Lesezelte zu Verfügung. Zukünftig soll auch der Grundgedanke einer mobilen Mini-Bibliothek umgesetzt werden. Die Bücherzelle lässt sich relativ unkompliziert transportieren und soll auf diese Weise in die unterschiedlichsten Veranstaltungen im Dorf eingebunden werden. „Leseförderung und Wissen mit Spaß zu erlangen, das sind unsere Hauptanliegen. Mit der Bücherei und der Bücherzelle wollen wir dafür passende Begegnungsorte schaffen. Mit dem Boxenstopp ist es uns sozusagen gelungen all unser Anliegen auch nach außen zu verlagern.“

BÜCHER AUF REISEN. Der Bücherstopp ist zudem eine Offical Bookcrossing Zone. Hier werden Bücher auf Reisen geschickt und durch eine online Registrierung kann man deren Reisroute zurückverfolgen.

Von Beatrice Hackl

Kornelia und Georg Jeskulke aus Bochum verbringen ihren Urlaub zum 55. Mal im Sellraintal und haben im Bücherstopp etwas für ihre Enkeltochter entdeckt. RS-Foto: Hackl
Büchereimitarbeiterin Claudia Stolz und Büchereileiterin Angela Hodermann. RS-Foto: Hackl

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