Infarkt zerstörte viele Zukunftsträume

Ozan freut sich über jeden Besuch seiner Eltern Gülcan und Atilla. Einige Wochen muss er sich noch gedulden, bis er wieder nach Sautens zurück darf. Foto: privat

Schicksal traf 15-Jährigen mit voller Härte – RUNDSCHAU und Gemeinde Sautens richteten ein Spendenkonto ein

Manchmal ist das Schicksal ungnädig: Diese Erfahrung musste im Februar leider auch der damals noch 14-jährige Ozan aus Sautens machen. Der Poly-Schüler hat von einer Sekunde auf die andere in der Wirbelsäule eine Gefäßverstopfung (Schlaganfall) erlitten und ist seither querschnittsgelähmt. Ozan wird derzeit im Rehabilitationszentrum in Bad Häring auf seine Zukunft im Rollstuhl vorbereitet, seine Eltern müssen indessen bis zu seiner Rückkehr die Wohnung behindertengerecht umbauen und auch einen Rollstuhl anschaffen. Weil auf die Familie hohe Kosten zukommen und nur wenig Geld vorhanden ist, hat die RUNDSCHAU nun gemeinsam mit der Gemeinde Sautens ein Spendenkonto eingerichtet.

Von Gebi G. Schnöll

Mittwoch, der 7. Februar 2018, ein kalter Wintertag, der für Ozan ganz besonders schlimm enden sollte. Der Poly-Schüler hatte mit seinen Klassenkameraden und dem Lehrer einen Berufsorientierungsausflug nach Wattens zum Großunternehmen Swarovski unternommen.Während der Rückfahrt passierte es dann: Ozan erlitt einen Infarkt im Rückenmark. Dabei leitet das Rückenmark durch die fehlende oder mangelnde Durchblutung die Signale aus dem Gehirn nicht mehr weiter. In der Folge kommt es ähnlich wie bei einer Querschnittslähmung zur kompletten Unbeweglichkeit der von dem Bereich betroffenen Körperteile. In erster Linie sind ältere Menschen und Diabetiker gefährdet, einen Rückenmarksinfarkt zu erleiden. In seltenen Fällen kann es aber auch jüngere Menschen treffen. Ozan ist leider einer davon. Etliche Tage wurde er stationär in der Klinik Innsbruck behandelt, danach war er drei Wochen lang im Landeskrankenhaus Hochzirl, seit 7. Mai ist Ozan im Reha-Zentrum in Bad Häring. „Dort wird er mit Sicherheit noch drei bis vier Monate bleiben müssen“, schildert Ozans Vater Atilla Keklik, der mehrmals in der Woche mit seiner Frau Gülcan ins Unterland fährt, um seinem Buben ein Stück Familiennähe ans Krankenbett zu bringen. „Rund 260 Kilometer sind es von Sautens nach Bäd Häring und zurück, das kostet natürlich viel Geld. Arbeiten kann ich derzeit nicht. Zum einen hat meine Frau keinen Führerschein, um Ozan alleine besuchen zu können, zum anderen muss ich jetzt die Wohnung behindertengerecht umbauen. Auch ein elektrisch verstellbares Bett und einen Rollstuhl braucht mein Bub“, schildert der dreifache Familienvater, der seit mittlerweile 30 Jahren in Sautens lebt.

Schock.

Als Ozan von den Ärzten in der Klinik Innsbruck von seiner schlimmen gesundheitlichen Situation erfahren hat, brach für ihn eine heile Welt zusammen. Einen Metallerberuf wollte er nach dem Abschluss der polytechnischen Schule ergreifen, den Führerschein machen, ein Auto kaufen, eine Freundin haben und später eine Familie gründen. „Ozan war sehr traurig, als er erfahren hat, dass er wahrscheinlich nie mehr gehen kann. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht geschieht doch noch ein Wunder“, hofft Atilla. Einen Funken Hoffnung gibt es tatsächlich: Falls nämlich die betroffene Stelle im Rückenmark durch den Infarkt nicht komplett zerstört wurde, sondern nur ihre Funktion eingestellt hat, besteht die Chance, dass sich die Funktionsstörung mithilfe von mehrwöchiger Bewegungstherapie wieder regeneriert. Doch derzeit sieht es leider nicht danach aus.

Lebensmut.

Ozan hat inzwischen seinen Lebensmut wieder gefunden. „Er ist wieder wie früher, ein aufgeweckter Bub, der trotz seiner Behinderung noch viel schaffen will“, sagt der Familienvater, der demnächst – sofern es die Ärzte erlauben – mit seinem Sohn nach Innsbruck und Hochzirl fahren will. Ozan will sich nämlich dort bei den Ärzten und den Pflegern, die ihn so liebevoll betreut haben, recht herzlich bedanken.

Spendenkonto.

Der Sautner Bürgermeister Fredi Köll und die RUNDSCHAU wollen helfen, das Leid zu lindern. Bei der Raiffeisenbank Vorderes Ötztal wurde deshalb ein Spendenkonto eingerichtet. Spenden können unter dem Kennwort „Keklik“, IBAN: AT84 3629 1000 3038 5355 getätigt werden. Dankeschön!