Inszenierung für einen Dramatiker

Sprachlos: Krista Posch und Felix Mitterer in der Erinnerung an „Stigma“, das bei den Tiroler Volksschauspielen Telfs 1982 zur Uraufführung kam. Foto: Lia Buchner

Ausstellung zum 70. Geburtstag von Felix Mitterer im Noaflhaus in Telfs

Telfs hat Felix Mitterer ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht: Eine Ausstellung über ihn, über sein Leben, über sein Werk. Und ganz nebenbei ist es auch eine Ausstellung über Telfs geworden.

Felix Mitterer steht vor verschlossener Tür. Im ersten Stock des Noaflhauses haben sich die Festgäste gesammelt, dann übergibt Claudia Mark als Ausstellungskuratorin das Geburtstagsgeschenk für Felix Mitterer und schiebt die schwere Türe zur Galerie auf. Im Vordergrund wird ein angedeuteter Raum sichtbar: der stilisierte Nachbau von Mitterers Arbeitszimmer in den 80er Jahren. Rote Tischlampe, Brother Schreibmaschine, Ikea-Papierballon an der Decke. An den Wänden hunderte Zettel, in den hellen Pappelholz(!)-Vitrinen Jugendfotos, erste Texte, das frühe Manuskript der „Piefke Saga“. Und ein vergilbtes Foto genau dieses Arbeitsraums. Felix Mitterer ist sprachlos. „Wo habt ihr das denn alles her?“ Vieles ist aus dem Brennerarchiv, aus Mitterers Vorlass, die Fotos sind fast alle von Stefan Dietrich.

Wenige Schritte hinter dem Arbeitszimmer sticht ein riesiges Holzkreuz schräg in den Raum. „Stigma“. Das Skandalstück von 1982. Die Geburtslegende der Tiroler Volksschauspiele in Telfs, als Hall zweifelte und zagte. Altbürgermeister Helmut Kopp und Felix Mitterer wechseln einen Blick. Hinter dem Kreuz Probenfotos, ein wandfüllendes Banner mit der unverschämt jungen Volksschauspiel-Mannschaft in einer Probenpause, ein Monitor mit dem „Stigma“-Video. Protestplakate gegen das Stück, Drohbriefe, Anzeigen. Neben Mitterer steht Krista Posch, die damals die Moid gespielt hat, und betrachtet wie er fast ungläubig die alten Bilder.

Gegenüber ragt eine hölzerne Bergsilhouette auf. Richtig: „Munde“. Auch diese Uraufführung ist eine Legende. Ein unerhörter Kraftakt der Volksschauspiele, Bühne, Technik, Zelte, Schauspieler und Publikum auf den Berg zu bringen, und heil wieder herunter. „Im Nachhinein ein Wahnsinn,“ erinnert sich Mitterer. Auf einem Monitor läuft die ORF-Aufzeichnung dieses Theater-Wahnsinns, Tobias Moretti ist gerade im Bild. Bürgermeister Christian Härting sitzt mit Kopfhörern davor und verfolgt gebannt die Bilder. Claudia Mark ist mit ihrem Team hier etwas ganz Besonderes gelungen: Eine klug inszenierte Ausstellung auf enorm hohem ästhetischen Niveau (Beachten Sie die schwebenden Fotos in den Vitrinen!). Eine Ausstellung, die ganz viel sehr Persönliches über Felix Mitterer erzählt. Und ganz viel über den Mythos Tiroler Volksschauspiele. Und damit auch ganz viel über Telfs.

Die Ausstellung ist noch bis 31. Oktober 2018 im Noaflhaus zu sehen. Öffnungszeiten: Donnerstag und Samstag von 9 bis 12 Uhr, Freitag von 17 bis 20 Uhr.

Von Lia Buchner

Klug inszeniert: Kreuz als Vitrine für „Stigma“. Foto: Lia Buchner

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