Ischgl Letzter, Sölden Vorletzter

Herbert Oberacher, Leiter des forensisch-toxikologischen Forschungslabors an der Innsbrucker Gerichtsmedizin: „In Tiroler Tourismusregionen werden entgegen landläufiger Meinung weniger oder höchstens gleich viel an Drogen konsumiert wie im urbanen Raum Innsbruck.“ Foto: MUI/D.Heidegger

Drogenkonsum laut Abwasseranalyse der Gerichtsmedizin relativ gering

 

Die Wissenschaft verfügt über derart leistungsfähige Messgeräte, dass aus dem Abwasser der Drogenkonsum ermittelt werden kann. In den Klärwerken in Ischgl und in Sölden wurden, allen Vorurteilen zum Trotz, relativ niedrige Konzentrationen ermittelt.

 

Von Daniel Haueis

 

Assoz.-Prof. Dr. Herbert Ober-acher vom Institut für gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck hat das Abwasser von Tiroler Kläranlagen untersucht, darunter das Abwasser des urbanen Raums Innsbruck, aber auch jenes von Tourismushochburgen wie -Ischgl und Sölden. Gemessen wurde täglich von Weihnachten 2017 bis Dreikönig 2018. Um die nachgewiesenen Drogenmengen zwischen den Kläranlagen vergleichbar zu machen, wurde der Pro-Kopf-Konsum ermittelt. In der Bevölkerungszahl wurden neben den Einheimischen auch Touristen, Pendler etc. berücksichtigt. Generell am öftesten wird Cannabis konsumiert, wobei der Pro-Kopf-Wert in Innsbruck fast viermal so hoch ausfiel wie jener in Ischgl und Galtür (beide Kommunen reinigen ihr Abwasser in der Anlage in Ischgl) und Sölden. Was den Cannabis-Konsum generell anbelangt, nehmen „Ischgl“ und Sölden die beiden letzten Plätze unter den untersuchten Kläranlagen ein. Die zweithäufigste Droge ist Kokain. Auch hier liefert -Innsbrucks Abwasser höhere Werte als jenes von -„Ischgl“ und Sölden. Die weiteren untersuchten Drogen (Amphetamin, XTC, Methamphetamin) wurden in allen Kläranlagen in deutlich geringeren Mengen nachgewiesen. Entsprechend weniger eindeutig fielen die Unterschiede im Pro-Kopf-Konsum aus. Besonders erfreulich ist, dass Methamphetamine (Stichwort: Crystal Meth) weder in -„Ischgl“, Sölden noch in einer anderen Tiroler Kläranlage in wesentlichen Mengen nachgewiesen werden konnte.

 

ANALYSE. Assoz.-Prof. Dr. Herbert Oberacher kommt angesichts der Analyseergebnisse zum Schluss: „Die Urbanisierung hat einen höheren Einfluss auf den Drogenkonsum als der Tourismus“ – in Tiroler Tourismusregionen werden entgegen der landläufigen Meinung weniger oder maximal gleich viel Drogen konsumiert wie in Städten. Auch Bgm. Werner Kurz aus Ischgl hat das Ergebnis nicht unbedingt erwartet: Die niedrigen Werte „haben mich sehr positiv überrascht“. Man komme in der Stadt wohl leichter an Drogen, vermutet Oberacher – sie finden sich aber, wie gesagt, in allen untersuchten Kläranlagen. Laut Oberacher zeigen die Messungen insgesamt: Mehrere Prozent der Bevölkerung konsumieren Cannabis. Kokain nimmt etwa ein Prozent, die restlichen Drogen nehmen 0,1 Prozent und weniger.