Ist zivilisierter Streit möglich?

Bei der anschließenden angeregten Diskussion gab Referentin Dr. Frick schlüssige Antworten. Rechts die Moderatorin des Abends, Dr. Sara Matt-Leubner. RS-Fotos.Claus

Die Antwort auf die Frage wurde in der Vortragsreihe „Uni goes Reutte“ erläutert

Einen lehrreichen Vortrag zum Thema: „Zivilisierter Streit in Politik und Gesellschaft: ein Ding der Unmöglichkeit?“, mit Dr. Marie-Luisa Frick als kompetenter Referentin, erlebten die Gäste bei der Vortragsreihe „Uni goes Reutte“ in der Wirtschaftskammer Reutte. Dr. Frick arbeitet als assoziierte Professorin am Institut für Philosophie der Universität Innsbruck.

Von Uwe Claus

Mit Dr. Marie-Luisa Frick erlebten die Zuhörer nicht nur eine kompetente Rednerin; sie vermittelte zudem den Zuhörern ein komplexes Thema in sehr gut verständlicher Weise.

Marie-Luisa Frick forscht zu Ethik, politischer Philosophie, Rechts- und Religionsphilosophie. Moderiert wurde der Abend von Dr. Sara Matt-Leubner.
„Für intelligente Erwachsene ist Streit, auch emotional, kein Problem“, meinte WK-Obmann Christian Strigl bei der Begrüßung. Jedoch zeigte er sich gespannt, wie Dr. Frick dieses Thema sieht und wie sie Streit definiert. „Respektvolles Streiten ist aktuell zwar ein Thema, das interessiert, es ist jedoch bei der heutigen Lage der Sprechkultur größtenteils abhanden gekommen“, stellte Frick gleich zu Beginn ihres Vortrags fest. Streit sei wertvoll und zivilisierter Streit sei auch eine Art „Selbsterziehung“. Irgendwelche Meinungen – ohne nachzudenken – hinauszuschießen, sei Unsinn und der Demokratie abträglich. Volksherrschaft als Essenz der Demokratie ist permanenten Entwicklungen unterworfen, seien es Mehrheits- oder Minderheitsrechte.
„Es ist eine ethische Verantwortung, die Prinzipien der Menschenrechte aufrechtzuerhalten und zu verteidigen. Zwar ergibt die dadurch entstandene Meinungsbildung keine absolute Wahrheit, sie gelte es jedoch immer wieder selbst zu verarbeiten und erlaubt, Dinge anders zu sehen und zu vertreten. Es ist nicht leicht, gegen den Strom zu schwimmen – jedoch gelte es selbstverständlich, die Souveränität des Anderen zu achten bzw. zu akzeptieren“, so die Aussage von Dr. Frick. Streit sei wichtig, brauche aber auch einen „zivilisierten Rahmen“. Streit im politischen Umfeld sei etwas natürliches, dürfe aber nicht ausarten und beinhalte, auch wenn dies ein schwieriger Prozess ist, Fehler auch einzugestehen. In diesem Zusammenhang wies Dr. Frick darauf hin, dass Meinungsfreiheit nicht nur ein Lippenbekenntnis sein darf.
In der anschließenden lebendigen Diskussion ging es unter anderem um die Auswirkungen des Internets und dessen Beeinflussung bei einer korrekten Meinungsbildung. „Dies gestaltet sich oft schwierig, obwohl das Internet eine ideale Plattform dafür wäre. Oft sei aber nicht eindeutig zu erkennen, welche Interessen hier jeweils vertreten werden“, so die Antwort der Referentin. Dies gelte auch bei der Vermittlung von Bildung: die Wahrnehmung, zu glauben, dass manche alles wissen, ist falsch. „Absolutes Wissen ist verpönt, wenn nicht hinterfragt wird, welche Grundlagen hinter dem Wissen stehen“, war die Antwort. Auf die Frage eines Gastes, ob Streit auch verbinden kann, gebe es nur die Antwort: Es liegt letztendlich in der Kunst, Spielräume für Dialoge zu suchen – die Grenzen des Machbaren auszuloten.

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