Jährlich grüßt die geforderte Tunnel-Lösung

Im Bild: Philip Haslwanter (Geschäftsführer der Kühtaier Bergbahnen), der Imster WK-Bezirksobmann Josef „Joe“ Huber, WK-Bezirksstellenleiterin Elena Bremberger, WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker, der Tiroler WK-Präsident Christoph Walser und WK-Verkehr-Spartenvertreter Ulf Schmid (v.l.) RS-Foto: Matt

Wirtschaftskammer Imst: Neujahrsempfang mit unternehmerischen Wunschzettel an die Tiroler Politik

Ein gesundes Wirtschaftswachstum, ausgelastete Betriebe, gute Stimmung und hoffnungsvolle Aussichten: Recht zufrieden mit dem abgelaufenen Jahr zeigt sich die Wirtschaftskammer jüngst vor Medien anlässlich des Neujahrsempfangs in der Bezirksstelle Imst. Einige Forderungen bestehen aber dennoch, teilweise seit Jahren – wie etwa in den Bereichen Verkehr und Hochwasserschutz.

Von Manuel Matt

Es war ein gutes Jahr, urteilt die Wirtschaftskammer (WK) in Person ihres Tiroler Präsidenten Christoph Walser über die letzten zwölf Monate. Rund 3,6 Prozent sind als Wirtschaftswachstum zu verzeichnen, die Exportleistung steigerte sich von 13 auf 13,5 Milliarden Euro. Für 2019 rechnet Walser mit einem etwas kleinerem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent, sieht aber ein „stabiles, hohes Niveau“. Ebenso erfreut zeigte sich Walser über die gute Auslastung in den Tourismusorten: „Der jüngst gefallene Schnee ist ein Segen, die Buchungslage besser als 2018.“ Dementsprechend positiv seien die Aussichten auf das neue Jahr, auch wenn Brexit-Wirrwarr („auch für uns ein Thema“) und die wechselhafte Situation in Italien für Fragezeichen sorgen.

Tourismus.

Wichtiger Motor der Tiroler Wirtschaft, insbesondere in den Tälern, bleibe nach wie vor der Tourismus, so Walser – auch wenn der Fremdenverkehr in jüngster Vergangenheit durch die Berichterstattung im In- und Ausland in ein „schiefes Licht“ gerückt worden sei. Ein Thema bleibt so zum Jahresanfang der Pitztaler Gletscher, wo nach ungenehmigten Bauarbeiten der Zugang zur Königspiste weiterhin gesperrt ist. „Manche sollten sich selbst und ihr Handeln hinterfragen“, kritisiert Walser das Vorgehen, dessen Resultat nicht nur die Gletscherbahnen, sondern auch Hotellerie und Gastronomie vor Ort treffe. Deutlichere Worte findet der Imster WK-Bezirksobmann Josef „Joe“ Huber: Die Lage im Pitztal sei „unerfreulich“, gehe aber auf die „Verfehlung eines einzelnen Unternehmers“ zurück. Dennoch sei die Causa kein Grund, Zusammenschlüsse von Skigebieten zu gefährden, betont Huber: Immerhin laste „immenser Druck“ auf den Bergbahnen, die Gäste würden Neuerungen erwarten und niemand habe etwas von Sanierungs- oder Förderfällen. Über den angedachten Zusammenschluss Hochoetz-Kühtai sprach Philip Haslwanter, Geschäftsführer der Kühtaier Bergbahnen. Naturschutz sei richtig und wichtig, die Seilbahnen wären aber auf rund ein Prozent der vorhandenen Tiroler Flächen angewiesen, so auch Hochoetz und Kühtai. Nachgedacht worden sei über den Zusammenschluss bereits seit geraumer Zeit, das öffentliche Interesse sorgte aber für Zugzwang. Eine Sorge der Projekt-Kritiker möchte Haslwanter aber vor Medien neuerlich entkräften: Die Feldringer Böden würden vom Zusammenschluss unberührt bleiben.

Verkehr.

Gebührende Aufmerksamkeit widmete der Tiroler WK-Präsident dem Dauerthema Verkehr. Eine Reduktion sei zu befürworten, so Walser, darunter dürfe aber nicht die Tiroler Wirtschaft leiden. Als Alternative für den Warenverkehr böte sich die Verlagerung auf die Schiene an, wobei die Unternehmer zur Mithilfe bereit seien. Zuvor müsse aber die Infrastruktur passen, momentan gebe es zu wenige Terminals, Lokführer und Züge, bemängelt Walser. Eine langjährige Forderung bleibt die Tunnel-Lösung am Fernpass, erklärt WK-Verkehr-Spartenvertreter Ulf Schmidt, der schnelle Klarheit verlangt. Ohne Tunnel-Lösung werde es jedenfalls keine Diskussion über eine etwaige Maut am Fernpass geben, stellt auch Walser klar.

Von Hochwasser und Lehrlingen.

Ein spezielles Imster Anliegen brachte Huber auf den Tisch: Den Hochwasserschutz. Denn die Lage sei nicht einmal „ansatzweise im Griff“ und stelle eine Gefahr für Betriebe dar. Die einzige Lösung sei die Längsverbauung des Pigers, so Huber: „Ich verstehe nicht, warum das nicht schon längst angegangen wurde“, immerhin sei es die Verantwortung von Land und Kommunen, vor Schäden zu schützen. Eigene Maßnahmen setzt die Wirtschaft bei den Lehrlingen. 872 Personen absolvieren momentan im Bezirk eine Lehre, 15 mehr als letztes Jahr. „Die WK-Maßnahmen tragen erste Früchte“, freut sich Huber und verweist auf den Erfolg von Formaten wie dem Berufsfestival oder „Achtung Baustelle“. Lehrlinge werden trotzdem in Zukunft Mangelware sein, fürchtet Huber. Ein kontinentales Gegensteuern ist das Projekt „Talents for Europe“, das Jugendlichen ermöglicht, eine Lehre in anderen EU-Ländern zu verfolgen. Bis 2020 werden so auch in Imst etwa 20 Jugendliche ihre Lehre in der Hotellerie abschließen.

Der Landeshauptmann am Wort.

Sein „gutes Bauchgefühl“ in vielerlei Hinsicht das Land betreffend teilte anschließend Landeshauptmann Günther Platter am Rednerpult mit den Anwesenden. Auch bezüglich der angesprochenen Verkehrsverbindung am Fernpass zeigte sich Platter optimistisch und versprach in den nächsten Wochen Neuigkeiten. Vom Tourismus, der den Bezirk Imst besonders betrifft, sprach Platter von einem „Glücksfall“: „Wir brauchen den Tourismus wie einen Bissen Brot.“ In Richtung Wien sprach Platter von einer „guten Regierung“ und einer „exzellenten Zusammenarbeit mit Sebastian Kurz“.