„Jeder Unfall ist einer zu viel“

Asfinag-Alpenstraßen-GmbH-Geschäftsführer Ing. Stefan Siegele: „Wir haben -allein im Bezirk Landeck in der jüngsten Vergangenheit über 300 Millionen Euro in die Erhöhung der Tunnelsicherheit investiert.“ Foto: Asfinag

Asfinag-Alpenstraßen-GmbH-Geschäftsführer Ing. Stefan Siegele über die Tunnel im Oberland

 

Die Asfinag hat in den letzten Jahren gerade im Oberland massiv in die Tunnelsicherheit investiert. Und es geht wohl in dieser Tonart weiter – eine zweite Röhre für den Arlbergtunnel ist allerdings nicht in Sicht, meint Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele aus Kappl.

 

Von Daniel Haueis

 

RUNDSCHAU: Die zweite Röhre des Perjentunnels wird bald fertiggestellt. Wann geht sie in Betrieb, wann wird die erste Röhre saniert sein, um dann endgültig zwei Röhren zur Verfügung zu haben? Und wie schaut’s mit Lötzgalerie und -tunnel aus?

 

Ing. Stefan Siegele: Die Arbeiten sind im Zeitplan – alles läuft nach Wunsch. Wir werden am 15. Dezember gemeinsam mit der Bevölkerung die Freigabe der neuen Röhre feiern. Bald danach fahren auch die ersten Autos durch. Danach wird für ein Jahr die alte Röhre saniert und sicherheitstechnisch upgedatet. Spätestens März 2020 werden wir dann zwei Röhren beim Perjentunnel unter Verkehr haben. Geplant ist auch, dass die Lötzgalerie im Anschluss vierspurig ausgebaut wird. Das Projekt soll vorgezogen werden. Die Planungen dafür laufen. Wann der Bau allerdings startet, kann nicht gesagt werden.

 

RS: Werden die Kosten von 130 Millionen Euro und der Zeitplan eingehalten?

 

Siegele: Auch der Kostenplan wird eingehalten.

 

RS: Vor dem Bau der zweiten „Perjen-Röhre“ wurde der Arlbergtunnel saniert und sicherheitstechnisch aufgerüstet. Die Galerien Fallender Bach und Senftenberg an der A12 bei Schönwies wurden ebenso wie derzeit noch der Milser Tunnel auf Vordermann gebracht. Sind A12 und S16 im Oberland damit in Top-Zustand?

 

Siegele: Wir wollen die sichersten Tunnel in Europa zur Verfügung stellen – im Oberland gehören sie auf alle Fälle dazu. Wir haben allein im Bezirk Landeck in der jüngsten Vergangenheit über 300 Millionen Euro in die Erhöhung der Tunnelsicherheit investiert. Das ist eine stattliche Summe, aber eine lohnende Investition: denn jeder Unfall ist einer zu viel. Und sollte doch etwas passieren, verfügen Arlbergtunnel und Co. über die modernste Sicherheitsausstattung.

 

RS: Der Strenger Tunnel wurde 2005, der Landecker Tunnel 2000 eröffnet. Wann sind hier umfangreichere Maßnahmen nötig?

 

Siegele: Im Strenger Tunnel haben wir bereits vor knapp zwei Jahren einen umfangreichen Sicherheitsausbau durchgeführt und allein hier 12 Millionen Euro investiert. Beim Landecker Tunnel sind eine Sanierung und ein Sicherheitsausbau mittelfristig bereits vorgesehen – die Planungen dazu werden heuer starten.

 

RS: Wird in Ihrer Amtszeit im Oberland noch gebaut oder mehr saniert? „Tschirgant“ oder auch eine zweite Röhre für den Arlbergtunnel sind ja immer wieder Thema.

 

Siegele: Wir bauen auch ständig, immerhin haben wir die Sicherheit mit einer zweiten Röhre Perjentunnel oder der Modernisierung der anderen Tunnel massiv verbessert. Eine zweite Röhre für den Arlbergtunnel ist bei einem durchschnittlichen Verkehr von täglich 8500 Fahrzeugen nicht in Sicht – immerhin haben wir allein hier 155 Millionen Euro gerade erst investiert. Natürlich wissen wir über die Wünsche von Politik und Teilen der Bevölkerung zum Tschirganttunnel – wir sind hier im ständigen Austausch mit dem Land.

 

RS: Wie viel von den rund 170 Millionen an Sondermauterlösen stammt eigentlich vom Arlbergtunnel? Was passiert mit diesen Geldern?

 

Siegele: Wir verfügen über sechs Streckenmaut-Abschnitte in ganz Österreich – davon sind zwei mit Arlberg Schnellstraße und Brenner in Tirol. Für alle gilt jedoch: die Erlöse tragen wesentlich zu allen Maßnahmen in ganz Österreich bei. Die Asfinag ist rein nutzerfinanziert, erhält keine weiteren Geldmittel aus anderen Budgettöpfen. Deswegen ist ein sorgsamer Umgang mit den Erlösen unerlässlich. Wir investieren jährlich knapp eine Milliarde der Einnahmen wieder in unser Netz – jeden zweiten Euro davon direkt in die Erhöhung der Verkehrssicherheit. 2018 waren dies allein in Tirol 120 Millionen Euro.

 

RS: Hat der Geschäftsführer der Asfinag Alpenstraßen GmbH einen Wunsch, sozusagen eine verkehrstechnische Vision für das Oberland?

 

Siegele: Meine Vision: mehr Sicherheit bei bestmöglicher Anbindung an Autobahnen und Schnellstraßen für Pendler und die Wirtschaft. Wir haben auf dem hochrangigen Netz die meiste Kapazität für den Verkehr – das wollen wir auch in Zukunft sicherstellen. Dabei helfen uns Innovationen und zeitgemäße Denkansätze. Klar ist: der Verkehr wird auch in den kommenden Jahren nicht weniger.

 

RS: Abschließend eine persönliche Frage: Wie geht’s Ihnen nach zwei Jahren an der Spitze der Asfinag Alpenstraßen GmbH?

 

Siegele: Eine einfache Frage – mit einer wirklich kurzen Antwort: Mir geht es wirklich ausgezeichnet, der Job macht mir Freude.

 

RS: Danke.

 

 

Stefan Siegele

• Alter: 48 Jahre

• Wohnort: Kappl

• Ausbildung: Lehre (Säger), HTL, Privatwirtschaft (Tiefbau) und dann Asfinag, beginnend als Autobahnmeister über Abteilungsleiter bis hin zum Geschäftsführer

Hobbies: Musik (Obmann Musikkapelle Kappl), Skifahren