Jenseits von Egozentrik, Lärm und Endlichkeit

Besonders die Dolomiten faszinieren Naturfotografen wie Karl Falkner - Teile davon wurden 2009 als Weltkulturerbe anerkannt. Fotos: Karl Falkner

Fotograf Karl Falkners „Berge im Licht“

Rund 200 Menschen besuchten den eindrucksvollen Vortrag im Kurzentrum Umhausen, in dem Karl Falkner – 32 Jahre lang hauptberuflich Bergführer und nun leidenschaftlicher Fotograf – in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Ötztal einige seiner Naturaufnahmen präsentierte.

In dem Multimedia-Vortrag, in dem Fotografien sowohl von Ötztaler als auch Südtiroler Bergen gezeigt wurden, hielt sich der Fotograf aus Längenfeld selbst als Künstler bewusst im Hintergrund. Es hatte den Anschein, die Bilder wollten einzig und allein um ihrer Schönheit selbst willen betrachtet werden – die Ästhetik ging offensichtlich so manchem unter die Haut.

DAS KLEINE WESEN „MENSCH“. „Der Berg verändert dich“, ist Falkner überzeugt, denn seine kontrastreichen Naturerlebnisse machen ihm immer wieder klar: „Der Mensch ist ein sehr kleines Wesen und der Berg so groß.“
Beim Fotografieren des Sternenhimmels tun sich tiefsinnige Fragen auf, lassen plötzlich dankbar, vor allem aber bescheiden werden. „Da weiß man: Man ist hier auf der Erde, einem winzigen Planeten im Sonnensystem. Aber warum ausgerechnet hier?“ Die gnadenlose „Gewalt der Natur“, ihre Schönheit, aber auch Wanderungen mit Pfarrern und Geistlichen sind es, die ihn oft über religiöse Aspekte nachdenken lassen, wie zum Beispiel über Unendlichkeit. „Ich habe eine Nachttour auf der Wildspitze erlebt. Mir ist der hoffnungsvolle Gedanke gekommen, dass das Licht der Nacht mich nach meinem Ableben im Jenseits begrüßt“, zitiert er Reinhold Stechers Worte, die dieser einmal nach einer Wanderung an ihn richtete.

DER BERG UND DAS FOTOGRAFIEREN. Schon in jungen Jahren wurde Karl Falkner von seinem Onkel mit in die Berge genommen. „Die Berge möchte ich nie vermissen müssen“, ist einer jener Wünsche, die ihn schon seit früher Kindheit begleiten. Zum Beginn seiner Naturfotografien kam es jedoch erst vor 15 Jahren – inspiriert durch den Anblick eines Sonnenuntergangs in den Dolomiten, bei dem der Gedanke „Jetzt wird“s höchste Zeit, dass ich mit dem Fotografieren anfange!“ aufkam. Die Formen der Berge, ihr Aufbau und die verschiedenen von ihnen ausgestrahlten Stimmungen weckten die Faszination und Sehnsucht, die Erinnerung daran festzuhalten. Doch das sei nicht so einfach. „Wenn man mit Kollegen eine Skitour macht, startet man irgendwann am Vormittag und fährt dann wieder herunter. Mit dem Hintergedanken, gute Fotos zu machen, schaut es anders aus.“
Mit Stirnlampen in die Finsternis aufzubrechen, das stundenlange Warten, bis das flache Licht langsam über die Grate zu strahlen beginnt und dann den einen besonderen Moment erkennen, um diesen in einem Foto einzufrieren und unsterblich zu machen. Momente, in denen Nebel plötzlich aufzubrechen beginnt, nachdem man eine ganze Nacht neben einem Gipfelkreuz gelegen und darauf gewartet hat. Das sind Dinge, die die Arbeit eines Naturfotografen ausmachen. „Nicht nur für mich, sondern auch für den Betrachter muss das Bild zum Schluss einen besonderen Wert haben.“ Ohne Naturverbundenheit sei dies aber nicht möglich.

GEFAHR „BERG“. Neben einem 400 Meter tiefen Abgrund sein Zelt aufzuschlagen oder nach einer winterlichen „Nachtschicht“ am Gipfelkreuz bei schlechten Schneeverhältnissen wieder heil ins Tal zu kommen, seien „kein Zuckerschlecken“. So mancher musste bereits in den Bergen sein Leben lassen – so auch Fotograf Reinhard Karl im Himalaya, der unter anderem zu den großen Inspirationen Falkners zählte.
Für gute Fotos werde viel riskiert, obwohl man „dem Tod bereits nahe steht“. „Die Gefahr abzuwägen ist eine heikle Angelegenheit“, betont der Längenfelder und spricht aus Erfahrung. „Unbekümmertheit rettet dich.“ Doch das Motto lautet: „Die schönsten Fotos macht man nicht auf dem höchsten Berg.“

FOTOGRAFIEREN HEUTE. „Den Blick für Schönes muss man lernen und sich mit der Zeit aneignen“, erklärt der Fotograf, der in einer Zeit aufwuchs, in der jedes einzelne Foto noch „ein Werk“ war, wie er anhand seiner analogen Fotografie erklärt. „Bei der analogen Fotografie muss jedes Bild erarbeitet werden und hat einen Wert.“
Durch die digitale Fotografie habe sich im Laufe der Zeit einiges geändert. „Durch übertriebene Bildbearbeitung geht leider einiges an Ehrlichkeit verloren.“ Sich seelisch voll und ganz in Ruhe in ein Bild einzulassen sei nicht mehr selbstverständlich. Durch die Reizüberflutung, die das Internet zu bieten hat, gehe „ein gewisses Gefühl verloren“ und habe Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit der Menschen. Der ursprüngliche Wert eines Fotos sei in der heutigen Zeit des Überflusses „nicht mehr das, was es einmal war“.

Von Anna Praxmarer

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