Jugendschwarm ist 75

Liebe Freunde romantischer Erinnerungen!

Inmitten der beklemmenden Eindrücke zwischen dem nervigen Lärm der Hubschrauberrotoren beim Treffen der Innenminister in Tirol und den martialischen Männerschlachten auf den grünen Rasenflächen in Russlands Fußballstadien ereilte mich eine erfreulich berührende Meldung. Chris Lohner ist 75. Diese wunderbare Frau, die uns als Fernsehansagerin während unserer Pubertät das schüchterne, verstohlene Schauen auf weibliche Reize lehrte, ist ein Dreivierteljahrhundert alt. Unglaublich. Ich verneige mich vor dieser Ikone, die mich mein ganzes Leben lang begleitet. Als Bub war es dieser optische Reiz. Ich weiß gar nicht mehr, ob es damals noch Schwarzweiß- oder bereits Farbfernsehen war. Das Blonde kam jedenfalls perfekt über den Schirm. Ein paar Jährchen später, als ich dann in Ansätzen zu intellektuellen Gedanken fähig war, verzückte sie mich als selbstironische TV-Tussi-Karikatur in der legendären Krimi-Satire „Kottan ermittelt“. Die Lohner kam in unsere Wohnzimmer längst nicht mehr allein als erotischer Aufputz des ORF. Sie bestach als Moderatorin, Schauspielerin, Model, Kabarettistin, Autorin und letztlich auch als Kämpferin für die Frauensache. Mit Charme, Witz und Intelligenz. Bis heute bin ich sie, im positiven Sinn, nicht losgeworden, meine liebe Chris. Fast täglich mahnt sie mich im Zug als Stimme der ÖBB zum Aussteigen an der richtigen Haltestelle. In angenehm klingender Tonlage. Der dumpfe Witz, den wir als Halbwüchsige einst über sie erzählten – hätte Chris damals statt den Alfons Lohner den Karel Gott geheiratet, hieße sie Chris Gott – ist ihrer Persönlichkeit nicht würdig. Meine liebe Frau Lohner, Sie sind eine rundum tolle Erscheinung. Fast makellos, wenn das alles so stimmt, was Google über Sie erzählt. Nur eine Kleinigkeit: Rietz, diesen kleinen Ort im Oberland, betont man anders als es ihre computermodifizierte Stimme tut.

Herzlichst,
Meinhard Eiter

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