Julian freut sich auf seinen besten Freund auf vier Pfoten

Julian ist ein aufgeweckter, sehr aktiver Bub, der sich auf seinen Freund auf vier Pfoten „tierisch“ freut. Foto: Kapferer

Es gibt nur eines, das besser ist als ein Hund – zwei Hunde!

Ein irisches Sprichwort sagt: „Ein Hund ist wie ein Herz auf vier Beinen.” Einen Hund als Freund an seiner Seite zu haben, bedeutet, immer beschützt zu sein, nicht alleine zu sein und viel Spaß zu haben.

Für den siebenjährigen Julian aus Bichlbach wird sein Hund nicht nur bester Freund und Spielgefährte sein, er wird Julian auch dabei helfen, im Leben zurechtzukommen und seinem Schicksal die Stirn zu bieten.

Aufgeweckt. Julian ist ein aufgewecktes, fröhliches Kind, dem der Schalk im Nacken sitzt. Gemeinsam mit seinen Eltern Corina und Peter, seinem zweijährigen Bruder Luis und dem Familien-Jagdhund lebt er in Bichlbach und besucht dort die Volksschule. Es scheint zunächst nicht ungewöhnlich, dass eine junge, tierliebe Familie, die schon einen Hund besitzt, sich noch einen zweiten anschafft.
Der Hund, der mit Julian seine Zeit verbringen wird, muss aber ganz besondere Voraussetzungen erfüllen. Julian leidet seit seinem zweiten Lebensjahr an Diabetes. Jeden Tag, alle zwei Stunden, werden Julians Zuckerwerte kontrolliert. Über eine Insulinpumpe wird ihm dann die entsprechende Dosis Insulin zugeführt.
„Alles begann vor fünf Jahren mit Atembeschwerden und Hautausschlag – von einem auf den anderen Tag, ohne Vorwarnung“, erzählt Julians Mutter Corina im Gespräch mit der RUNDSCHAU. „Als wir dann die Diagnose Diabetes erhalten haben, stellte sich unser ganzes Leben auf den Kopf. Man weiß ja nicht, was auf einen zukommt.“
Julian war mit zwei Jahren noch sehr jung. Er nimmt seine Krankheit gut an. „Julian geht völlig normal damit um“, berichtet Corina, „das hilft uns Eltern ungemein. Wenn man sieht, dass das Kind mit der Situation nicht hadert, kann man selbst diese Aufgabe auch  besser annehmen.“ Julian wird an der Kinderklinik Innsbruck medizinisch betreut. In seinem Leben ist er nur wenig beeinträchtigt und lässt sich in seinem Aktivitätsdrang kaum einbremsen. Er ist sportlich, fröhlich – einfach ein glückliches Kind.
Freund fürs Leben. Julian wünscht sich einen Diabeteshund als speziellen besten Freund. Einen Freund, der auf ihn aufpasst, ihn beschützt, mit dem er spielen und toben kann.  Diabeteshunde durchlaufen eine spezielle, ein bis eineinhalb Jahre dauernde Ausbildung. Hier in Österreich geschieht dies unter anderem im Animal-Training-Center (ATC) in Rohrbach in der Steiermark. Wenn ein fertig ausgebildeter Service- und Signalhund an einen Diabetiker übergeben wird, ist er in drei Bereichen geschult. Der Hund beherrscht sämtliche Kommandos und ist gut führbar. Er ist gut sozialisiert, kann bei Bedarf in sämtliche Alltagssituationen mitgenommen werden und ist ein zuverlässiger Begleiter. Ein solcher Diabetikerwarnhund zeigt Unterzucker und Überzucker in sämtlichen Situationen an. Er riecht es, wenn der Zuckerwert nicht stimmt und die Situation gefährlich wird. Zuerst legt er dem Diabetiker eine Pfote auf. Wenn nötig, bellt der Hund, im schlimmsten Fall kann er auch den Notfallschalter betätigen.
Julian wird seinen vierbeinigen Freund überallhin mitnehmen können. „In der Schule geht es leider nicht. Da würde der Hund wohl zuviel Unruhe in die Klasse bringen. Julians Freunde und die Lehrpersonen wissen aber alle, was im Ernstfall zu tun ist“, erklärt Corina Kapferer. Für Julian wird sein Hund auch eine große psychische Stütze sein. Es gibt mit Sicherheit auch Tage, an denen es Julian nicht so gut geht und er sich die Frage stellt: ,warum ich?’ „Gerade dann kann ein Hund genau der Trost und die Hilfe sein, die Julian in dem Moment braucht. Dieser beste Freund wird ihn stärken und sein Selbstbewusstsein unterstützen“, sind seine Eltern überzeugt.

Sicherheit. Julian war mit seiner Familie im Ausbildungszentrum in der Steiermark. Die Familie musste dort zwei sogenannte „Chicken Camps“ absolvieren. Beim Zusammensein mit Hühnern soll herausgefunden werden, ob man die nötige Geduld für einen Hund aufbringt. „Offensichtlich haben wir das gut geschafft“, erzählt Julians Mutter mit einem glücklichen Lachen. „Mein Mann ist von Beruf  Jäger, wir haben einen Jagdhund und noch andere Haustiere. Den Umgang und das Zusammenleben mit Tieren kennen wir also recht gut. Als wir die Zusage erhalten haben, waren wir sehr glücklich.“ Im Mai 2018 erfährt die Familie, welcher Hund für Julian geeignet ist. „Er muss schon ganz schön was aushalten, weil Julian wirklich ein sehr aufgewecktes und aktives Kind ist. Er muss sich auf unseren Luis einstellen und mit unserem Jagdhund und den anderen Tieren auskommen“, erklärt Corina, was die Auswahl des richtigen Hundes nicht einfach macht. Für ein Jahr kommt der Hund dann in eine Gastfamilie, die ihn während seiner Ausbildungszeit betreut. Julian und seine Familie werden diese Gastfamilie so oft wie möglich besuchen. „Die Assistenzhundeprüfung werde ich dann mit Julians Hund machen, er selbst ist ja noch zu jung. Julian wird gut darauf vorbereitet, seinen besten Freund dann mit nach Hause zu nehmen“, schildert Corina Kapferer.
Als besonders wichtig sieht sie den Sicherheitsaspekt. Da es vor allem nachts sehr häufig zur Unterzuckerung kommt und diese lebensbedrohlich sein kann, wäre ein Hund, der achtsam ist,  für Julian und seine Eltern eine enorme Erleichterung. „Julian will ja unbedingt im eigenen Zimmer schlafen. Er traut sich aber nicht, denn, wenn es ihm plötzlich schlecht geht, muss ich zur Stelle sein und ihm helfen. Er schläft deshalb meistens bei uns. Wenn er aber seinen Hund bei sich im Zimmer hat, wird sich das ändern. Darauf freuen wir uns alle.“
Die Ausbildung für Julians Hund kostet 25000 Euro. Julians Familie hat ein Spendenkonto eingrichtet und freut sich über jede Unterstützung. Gerne ist die Familie auch bereit, sich mit Interessierten, Betroffenen und Unterstützern zu treffen. „Ich gebe unsere Erfahrungen sehr gerne weiter. Es gibt besimmt Familien, die auch einen besten vierbeinigen Freund suchen“, bietet Corina Kapferer an. Der Kontakt zu Julians Familie kann jederzeit über die RUNDSCHAU unter Tel: +43 (0)5672 71313 bzw. E-Mail ausserferner@rundschau.at hergestellt werden.