Julians Freund mit der feinen Nase

Sein erster offizieller Besuch führte den Portugiesischen Wasserhund Salvador mit seinem Freund Julian ins Reuttener RUNDSCHAU-Büro. RS-Foto: Wagner

Salvador warnt den kleinen Diabetiker, wenn sein Blutzuckerspiegel nicht passt

Die speziell ausgebildeten Diabetikerwarnhunde können eine Unter- bzw. Überzuckerung ihres Besitzers riechen und rechtzeitig Alarm schlagen. Für Julian und seine Familie bedeutet Diabetikerwarnhund Salvador Sicherheit und Erleichterung.

Julian ist acht Jahre alt. Der aufgeweckte Bub lebt mit seinen Eltern und seinem dreijährigen Bruder Luis in Bichlbach. Niemand, der Julian kennenlernt, würde auf den Gedanken kommen, dass der blonde Wirbelwind seit seinem zweiten Lebensjahr Diabetes hat und regelmäßig Insulin benötigt. Mit dieser Tatsache gehen Julian und seine Familie bewundernswert und mit großer Sorgfalt um. Julians größter Wunsch war es, einen Diabetikerwarnhund als Freund an seine Seite zu bekommen. (Die RUNDSCHAU berichtete). Dieser Herzenswunsch hat sich nun erfüllt und seit etwa zwei Wochen weicht der Portugiesische Wasserhund Salvador nicht von Julians Seite.

Cão de Agua Português.

Portugiesische Wasserhunde zeichnen sich durch hohe Intelligenz, Gelehrigkeit und Stolz aus und sind umgängliche, angenehme Begleithunde. Früher wurden diese Hunde an den Küsten und auf den Inseln Portugals gehalten, wo sie Boote und Fang der Fischer bewachten oder Schäfer mit ihren Herden begleiteten. Die Rasse ist noch nicht besonders verbreitet, erlangte aber größere Bekanntheit, als ein Vertreter – Bo – 2009 zur Präsidentenfamilie Obama ins Weiße Haus einzog.

Vom ersten Augenblick.

Salvador wurde im Mai ein Jahr alt und wurde von einer Trainerin im AnimalTrainingCenter (ATC) in Rohrbach in der Steiermark ausgebildet. Als Julians Familie um einen Diabetikerwarnhund ansuchte und die Zusage erhielt, standen sechs Hunde zur Auswahl. „Schon beim allerersten Kontakt im ATC in der Steiermark war klar, dass Salvador der richtige Hund für Julian ist“, erzählt Julians Mama Corina K. beim Besuch im RUNDSCHAU-Büro. „Von Anfang an bestand zwischen beiden eine unglaubliche Verbindung, alles passte perfekt. Salvador kam gleich auf Julian zu und leckte ihn ab. Ein deutlicheres Zeichen kann es nicht geben“, freut sich Corina.
Salvadors Charakter zeigte, dass er aufs Land gehört, kein Stadthund ist. „Salvador liebt Schnee. Wo ist er dann besser dran, als bei uns in den Bergen? Was vor allem mich auch freut, ist, dass Portugiesische Wasserhund keine Haare verlieren und damit auch hypoallergen sind“, ergänzt Corina schmunzelnd.

Wider alle Theorie.

Wie perfekt Salvador zu Julian passt, zeigt, dass der Diabetikerwarnhund auch anschlug, als beide noch getrennt waren. Julian war zu Hause in Bichlbach, Salvador noch bei seiner Trainerin in Rohrbach. Als Salvador plötzlich und unvermittelt zu bellen begann, wurde seine Trainerin aufmerksam. Auf ihre Nachfrage konnte Corina bestätigen, dass Julian genau zum Zeitpunkt dieses Bellens im Unterzucker war. Verblüffend! „Wir waren auf Familienurlaub in Kärnten, als mich die Hundetrainerin anrief und mir sagte, dass Salvador anschlägt. Wir kontrollierten Julians Zuckerwert und stellten tatsächlich fest, dass er Unterzucker hat“, zeigt sich auch Corina erstaunt. Diese hohe Sensibilität ist für Trainerin und Hundebesitzer überraschend. Salvador hat damit alle gängigen Theorien gesprengt. Studien sollen sich jetzt noch genauer mit dieser Thematik beschäftigen und neue Erkenntnisse liefern.

Z’ Bichlbach dahuam.

Julian hat Salvador ins Herz geschlossen und war überglücklich, als er seinen Hund endlich mit nach Hause nehmen konnte. „Der Trainerin fiel die Trennung von Salvador schon ziemlich schwer, aber es war schön zu sehen, dass der Hund ohne Zögern gleich zu Julian ins Auto einstieg und ihm seinen Kopf auf die Beine legte. Da passt die Wellenlänge!“, schildert Corina K. den Aufbruch in die neue Heimat.
Schon während der Fahrt nach Bichlbach bewies Salvador, was er kann. Julian geriet in den Unterzucker. Salvador bellte, so konnte die Familie rechtzeitig bei einer Raststätte ausfahren. Julian nahm ein zuckerhältiges Getränk zu sich und die Fahrt konnte weitergehen.
Auch in Bichlbach fühlte sich Salvador gleich heimisch. Julians dreijähriger Bruder Luis kannte den Assistenzhund bereits, er war zweimal mit in der Steiermark und findet Salvador auch sehr cool. Mit dem Familienhund Zeus, einer Tiroler Bracke, hat der Porugiesische Wasserhund sofort Freundschaft geschlossen, auch die beiden verstehen sich prächtig.
Salvador ist allerdings kein Spielhund, er ist ein Assistenzhund. Diese Tatsache muss von Anfang an klargestellt sein. Als Warnhund ist er ständig aufmerksam und gefordert, daher ist es wichtig, dass auch Salvador regelmäßige Ruhe- und Erholzeiten bekommt. Corina trainiert mit Salvador jeden Abend. „Dann, wenn alles ruhig ist, gehe ich auch mit ihm spazieren. Ich bin seine Bezugsperson, diese Momente zu zweit sind für uns beide wichtig und die brauchen wir“, erzählt sie im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Seine Befehle erhält Salvador auf Englisch, das ist er auch von seinem Training in Rohrbach so gewohnt.
Corina K. wird am 16. November mit Salvador die Assistenzhundeprüfung ablegen. Der Assistenzhund erhält dann seine richtige Kenndecke, noch trägt er die Kenndecke mit der Aufschrift „Assistenzhund in Ausbildung“.
Julian ist noch zu jung, um mit dem Hund ganz alleine zu sein. Corina ist daher immer in der Nähe. Wenn Julian etwa zwölf Jahre alt sein wird, kann er dann auch ohne Begleitung mit Salvador losziehen.
Als Assistenzhund darf Salvador Julian überallhin begleiten. Für ihn gelten keinerlei Zutrittsverbote. „In die Schule wird er aber nicht mitgehen. Salvador bleibt bei mir zuhause. Diese Zeit ist für ihn wichtig, er soll dann schlafen und sich erholen. Julian kommt während der Schulstunden auch allein zurecht“, erklärt Corina.

Sicherheit.

Für Julian und seine Familie hat sich schon in der kurzen Zeit, die Salvador jetzt bei ihnen ist, das Leben erleichtert. „Ich habe schon lange nicht mehr so entspannt geschlafen“, erzählt Corina. „Ich weiß, dass Salvador während der Nacht auf Julian aufpasst und mich weckt, sobald es ein Problem gibt. Einmal habe ich so tief geschlafen, dass er es nicht schaffte, mich wach zu bekommen. Aber Gott sei Dank schlägt Salvador auch bei Julians Papa Peter an. Mit der Zeit wird Salvador auch auf weitere Familienmitglieder eingestellt.“ Dieses Gefühl der Sicherheit tut Julian und der gesamten Familie gut.

Schnüffeln.

Während seiner Ausbildung wurde Salvador mit Atemproben, die Julian regelmäßig ins Ausbildungszentrum schicken musste, trainiert. Dafür spuckte Julian auf eine Mullkompresse. Diese wurde dann eingefroren und in die Steiermark geschickt. Salvador ist also explizit auf Julians Atem trainiert. Gewarnt wird bei einem Problem durch Auflegen der Pfote, mit Bellen oder dem Betätigen einer Notfallklingel.
Auch das Team der RUNDSCHAU konnte sich direkt ein Bild davon machen. Bei seinem Besuch im Büro der Redaktion war Julians Zuckerwert plötzlich erhöht. Salvador legte Corina die Pfote auf. Die Messung des Blutzuckerwertes ergab eine Erhöhung auf 254 – Salvador reagiert ab einem Wert von 250. Julian wusste, was zu tun ist, betätigte seine Insulinpumpe und das Problem war schnell gelöst. Salvador erhielt seine Belohnung in Form eines Leckerlis. „Er bekommt ja kein normales Fressen“, erklärt Corina. „Salvador muss eigentlich immer voll bei der Sache sein und reagieren, wenn es notwendig ist. Jedesmal, wenn er das gut gemacht hat, wird er belohnt. Diese Belohnungen sind sein Futter. Ich habe daher immer meine Hundetasche mit – voll mit trockenen Leckerlis, Fleisch in der Tube und allem, was ich sonst noch brauche.“

Premiere.

Seinen ersten Besuch in der Öffentlichkeit stattete Salvador dem Büro der RUNDSCHAU ab. Für das RUNDSCHAU-Team war dies eine besondere Ehre. Salvador hat diese Premiere perfekt gemeistert. Julian fand dafür die besten Worte. „Du bist einfach der beste Hund, Balu.“ Eine deftige, innige Umarmung untermauerte die Worte des quirligen Achtjährigen.
Übrigens: Balu ist der Spielname, den sich Julian für seinen Hund ausgedacht hat und mit dem er ihn rufen darf. Für alle anderen ist der lockige schwarze Vierbeiner mit den lustigen Augen Salvador, der rassige Portugieser.

AnimalTrainingCenter (ATC).

Diabetikerwarnhunde (DWH) werden im ATC in Rohrbach in drei Bereichen ausgebildet. Sie lernen Gehorsam: Die Hunde beherrschen sämtliche Kommandos und sind gut führbar. Die Hunde sind alltagstauglich und gut sozialisiert, können bei Bedarf in sämtliche Alltagssituationen mitgenommen werden und sind somit zuverlässige Begleiter.
Ein Diabetikerwarnhund beherrscht alle signalhundspezifischen Kommandos: er zeigt Unterzucker und Überzucker in sämtlichen Situationen über etliche verschiedene Anzeigeverhalten, Apportieren von Messgeräten usw an. Blutzuckermessgeräte, Insulin, Hypokit/Notfallspritze und Traubenzucker oder andere notwendige Lebensmittel werden apportiert. Ein DWH kann einen Notfallschalter zum Hilfeholen betätigen und zeigt solange beharrlich an, bis Hilfe kommt. Er vermittelt Sicherheit.
Die Königsdisziplin ist die Anzeige von Unterzuckerungen in der Nacht. Obwohl die Hunde schlafen, wachen sie vom Unter- oder Überzuckergeruch auf und wecken ihre Besitzer oder die Eltern der kleinen Diabetiker.
Im ATC werden Assistenzhunde mittels positiver Bestärkung trainiert. Das bedeutet, dass die Hunde eine Belohnung bekommen, wenn sie ihre Aufgabe richtig machen.