„Kamele Esel Affen“

Einer Kopftuch tragenden Mutter mit Kinderwagen wurde vom Busfahrer nicht geholfen – im Gegenteil: sie wurde angepöbelt (Symbolbild). Foto: MEV

16 rassistische Vorfälle im Bezirk Landeck dokumentiert

 

Rassistische Vorfälle passieren nicht nur in Wien oder -Innsbruck – die Tiroler Gesellschaft für rassismuskritische Arbeit hat im Bezirk Landeck im vergangenen Jahr 16 dokumentiert.

 

Von Daniel Haueis

 

„Tigra“, die Tiroler Gesellschaft für rassismuskritische Arbeit, hat im Jahr 2017 tirolweit 826 Rassismus-Vorfälle registriert – ein Plus von 24 Prozentpunkten gegenüber 2016. Gestiegen ist vor allem die Anzahl der Meldungen im Bereich Politik, Internet, Wohnen und Nachbarschaft sowie bei Vorfällen, die Schutzsuchende betreffen. Ähnliche Entwicklungen gibt es laut „Tigra“ in den Bereichen Medien (Berichterstattung), Arbeitswelt (Stelleninserate) sowie Behörden. Nicht einmal zwei Prozent der rassistischen Vorfälle in Tirol im Jahr 2017 stammen aus dem Bezirk Landeck: 16 wurden dokumentiert. Diese betreffen hauptsächlich die Bereiche Arbeitswelt, Dienstleistungen, Medien und Social Media, teilt Mandeep Lakhan, Obfrau von „Tigra“, auf RUNDSCHAU-Anfrage hin mit. Man müsse davon ausgehen, dass diese Zahl nur die Spitze des Eisbergs und die tatsächliche Anzahl der Vorfälle höher ist. „Die geringe Anzahl der Meldungen führen wir darauf zurück, dass der Verein Tigra eine geringere Präsenz im Bezirk Landeck als z.B. in Innsbruck hat“, sagt Mandeep Lakhan. Zudem werde aufgrund des eingeschränkten Zugangs zu den lokalen Medien im Bezirk die Beobachtung erschwert.

 

BEISPIELE AUS LANDECK. Ein Beispiel eines rassistischen Vorfalls im Bezirk betraf eine Kopftuch tragende Mutter: Sie hat gemeldet, dass es von einem Busfahrer verweigert wurde, ihr bei der Beförderung eines Kinderwagens zu helfen, stattdessen sei sie angepöbelt und sogar beschimpft worden. Erst nach Anmerkung der Mutter, dass sie Anzeige erstatten würde, kam er ihr beim Aussteigen zu Hilfe. Aufgrund seines vorherigen Verhaltens lehnte sie die Hilfe aber ab. Auch nach Kontaktaufnahme mit dem Busunternehmer sah der Busfahrer keinen Fehler in seinem von ihm anders dargestellten Verhalten, aber er „entschuldigte“ sich. „Um solche Vorfälle dokumentieren zu können, bedürfen wir allerdings einer Meldung an unsere Anlaufstelle. Deshalb möchten wir betroffene Personen sowie ZeugInnen nochmal dazu aufrufen, diese oder ähnliche Vorfälle bei uns zu melden“, sagt Mandeep Lakhan. Im Bereich Social Media wurden im Bezirk rassistische Bemerkungen über Taxiunternehmen dokumentiert – Aussagen wie „Bahnhof Zoo Landeck. Jetzt haben wir schon Kamele Esel Affen der Zoo wird immer größer“ seien gefallen, wodurch Menschen durch einen Vergleich mit Tieren entmenschlicht und in ihrer Würde verletzt wurden. Solche Vorfälle wurden per Screenshot festgehalten und „Tigra“ gemeldet. „Auch wenn wir ressourcenbedingt nicht immer reagieren können, werden die Vorfälle dokumentiert und somit in unserem jährlichen Tiroler Rassismus-Bericht sichtbar gemacht“, erklärt die Obfrau. Meldungen von Betroffenen und Zeugen an „Tigra“, das seit fünf Jahren besteht, sind unter 06802310313 oder meldung@tigra.cc möglich.