Kammermusikfestival Obertöne

Großes Musiktheater: Obertöne-Ensemble mit Karl Markovics, das mit Standing Ovations für einen bemerkenswerten Abend belohnt wurde. RS-Fotos: Buchner

Nicht, was man hat, was man begehrt, zählt

Seit vier Jahren versammelt das Obertöne-Kammermusik-Festival junge Musiker aus aller Welt, um in Stams ein ausgesprochen frisches Programm zu gestalten. Mit Igor Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ ist den beiden Festivalmachern Mariya Nesterovska und Hubert Mittermayer-Nesterovskiy ein großer musikdramatischer Wurf gelungen.

von Lia Buchner

Als Strawinsky 1916 das russische Märchen vom Soldaten und seiner Geige liest, ist er sofort berührt. Ein junger Soldat auf Heimaturlaub lässt sich vom Teufel seine Geige abschwatzen – im Austausch für ein Zauberbuch, das endlosen Reichtum verspricht. Dass aller Reichtum nichts wert ist, wenn er seine Geige, seine Seele fortgibt, begreift er zu spät. Strawinsky schreibt das Stück mitten im Ersten Weltkrieg im Schweizer Exil, in einer Zeit, in der er gar nicht sicher war, ob und in welcher Form die Zivilisation dieses Töten überleben wird. Also macht er aus dem Märchenstoff eine Moritat für eine Wanderbühne, fast wie Fronttheater: ein kleines Ensemble, ein Erzähler, zwei Schauspieler – und eine große Aussage: Nur was man mit Geld nicht kaufen kann, zählt wirklich. Gemeinsam mit dem Schauspieler und Drehbuchautor Karl Markovics brachte das Obertöne-Ensemble das Stück auf die Bühne. Markovics liest und spielt alle drei Rollen, er tobt und kämpft und haucht die Dialoge zwischen Teufel und Soldat, er deklamiert die Erzählerverse mit und über und gegen die Musik. Er reizt das Komische, das Tragische, das Lebenskluge der Geschichte bis ins Letzte aus und hält doch die Balance – er ist eine Naturgewalt.

Doch das Instrumental-Ensemble der Obertöne hält kraftvoll und mit großer Präzision dagegen. Vom ersten Moment an ist die Geige der Violinistin Mariya Nesterovska die Seele des Stücks. Kontrastreich und feinfühlig trägt sie durch die musikalische Erzählung. Das Publikum im Bernardisaal des Stifts Stams, unter ihnen Toni Innauer als Obmann des Obertöne- Kammermusikvereins, war hingerissen und bedankte sich mit Standing Ovations für diesen überaus bemerkenswerten Abend.

Markovics singt: Alabama Song als Zugabe. RS-Fotos: Buchner
Die Seele des Stücks: Mariya Nesterovska an der Geige.

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