„Kann das nicht nachvollziehen“

Eine Visualisierung der Anlage in Ladis, die für Aufregung gesorgt hat Visualisierung: VAYA Holding GmbH

Vaya-GF Frans Cornelis über das Projekt in Ladis, weitere im Bezirk und das Investorenmodell an sich

 

Der Grundverkauf an die Vaya Group in Ladis hat für Aufregung gesorgt. Frans Cornelis, der geschäftsführende Gesellschafter der Vaya Group in Innsbruck, kann dies nicht nachvollziehen, wie er in seiner Beantwortung einiger RUNDSCHAU-Fragen (per Mail) erklärt.

 

Von Daniel Haueis

 

RUNDSCHAU: Der Grundverkauf an die VAYA in Ladis sorgt für Aufsehen und Aufregung. Können Sie dies nachvollziehen?

 

VAYA: Nein, ich kann das nicht nachvollziehen. Aus unserer Sicht ist alles rechtlich korrekt abgelaufen und es handelt sich um ein für die Tourismuswirtschaft in Ladis sehr vorteilhaftes Projekt, welchem der Großteil der Bürger von Ladis positiv gegenüber steht. Für uns war die Lage für ein mögliches VAYA-Projekt von absoluter Wichtigkeit, dies war/ist in Ladis gegeben und darüber hinaus hatten wir alle – für uns notwendigen – Voraussetzungen vorliegen, um uns für einen Erwerb des Grundstückes zu entscheiden. Es gibt meist bei jedem Projekt Gegenstimmen, jedoch sind diese Meinungen selten fachlich nachvollziehbar begründet, sondern stehen Eigeninteressen der Gegner im Vordergrund. Unser Projekt in Ladis wird große wirtschaftliche Wertschöpfung auch direkt für den Ort bringen. Es macht schlicht keinen Unterschied, ob ein Hotel von einem Österreicher oder Ausländer und in welcher Eigentümerstruktur betrieben wird. Entscheidend ist, dass wir volle Auslastung (auch im Sommer) bringen und durch unser Netzwerk in ganz Europa einen gut laufenden Hotelbetrieb gewährleis-ten können. Das können wir auch durch unsere ganzen anderen Projekte unter Beweis stellen.

 

RS: Laut www.vayaprojects.com haben Sie auch in St. Anton, Serfaus oder Sölden Anlagen; laut www.firmenabc.at gibt’s zudem eine Vaya Galtür GmbH und eine Vaya Silvretta GmbH. Wie viele Einheiten gibt es bereits im Bezirk Landeck, wie viele sind noch geplant? Wo?

 

VAYA: Wir betreuen mehrere Hotels in unterschiedlichen Bezirken in Tirol und Salzburg, welche nicht nur über die oben angeführten GmbHs gelistet sind. Des Weiteren befindet sich auch eine Großzahl dieser Einheiten in unserem Eigentum/Pacht und werden als reine Hotels betrieben – z.B. VAYA Sölden/Resort Achensee/Bellevue usw. Im Bezirk Landeck sind derzeit noch drei Projekte geplant. In Serfaus bestehen derzeit zwei Anlagen, in St. Anton und Sölden jeweils eine. Als österreichisches Unternehmen werden wir uns auch weiterhin auf den österreichischen Alpenraum konzentrieren, vor allem aber auch auf Grund unserer engen Familien-Verbindung zu einem der größten Reiseveranstalter Europas bzw. dem größten Reiseveranstalter für Winterreisen – Sunweb.

 

RS: In welchen Gemeinden sind die drei Projekte im Bezirk Landeck geplant?

 

VAYA: Dadurch dass wir uns noch in der Vorbereitungs- und Planungsphase dieser Projekte befinden, bevorzuge ich, dass das ganze sehr respektvoll gegenüber Gemeinden und Verkäufern behandelt wird und möchte dies noch nicht öffentlich bekannt geben.

 

RS: „Langfristig gewinnversprechend“ sollen die Einheiten in Ladis für die Käufer sein, und die VAYA wird wohl auch keinen Verlust machen. Was haben die Regionen wie das Sonnenplateau, der Arlberg oder das Paznaun konkret von solchen Projekten?

 

VAYA: Sehr viel natürlich. Tirol ist ein Tourismusland, wobei der Großteil der Wirtschaft des ganzen Landes von diesem Zweig abhängt. Wir bringen neue, zahlungskräftige Gäste in diese ausgewählten Orte. Durch das Konsumverhalten unserer Gäste und die angebotenen Zusatzleistungen wächst auch die Wertschöpfung in den jeweiligen Regionen. Wir bündeln Leistungen – von Übernachtungen über Skitickets bis zu Kooperationen mit den lokalen Dienstleistern. Somit bringen nicht nur unsere sehr gut laufenden Hotels (Kommunalsteuern und Ortstaxen) eine Wertschöpfung, sondern auch alle Kooperationen und vergebenen Aufträge mit lokalen und regionalen Dienstleistern. Dies gilt um so mehr für die Regionen wie das Sonnenplateau, den Arlberg oder das Paznaun.

 

RS: Die Befürchtung hinter der Kritik und Aufregung ist wohl, dass der in Tirol erwirtschaftete Gewinn nicht „im Land“ bleibt, sondern ins Ausland, im Falle der VAYA in die Niederlande fließt. Was sagen Sie dazu?

 

VAYA: Hier ist zu hinterfragen, wann man bei einem Gastgewerbebetrieb überhaupt davon sprechen kann, dass das Geld im Land bleibt und was das eigentlich bedeutet. Jeder Unternehmer, Investor kann seinen Gewinn an jedem Ort der Welt ausgeben. Das gilt sowohl für Einheimische wie für Ausländer. Ausländer investieren das Geld, welches sie selbst in Österreich erwirtschaftet haben, überwiegend wieder selbst in diesem Land. Überdies sind die Steuergesetze in Österreich so aufgebaut, dass bei jeder Gewinnausschüttung der Staat entsprechend seinen Anteil bekommt, unabhängig davon, ob es sich um einen Ausländer handelt oder nicht. Gerade für einen Gastgewerbebetrieb liegt die volle Steuerlast in Österreich, und deshalb ist die Rede, dass das Geld aus dem Land fließt, nicht nachvollziehbar. Vielmehr fließt das Geld umgekehrt vom Ausland nach Österreich. VAYA ist ein österreichisches Unternehmen mit dem Sitz des Head Offices in Innsbruck. Im Vergleich zu VAYA haben viele Hotels leider nur die Möglichkeit, über teure Verkaufskanäle die Buchungen und Verkaufskanäle anzukurbeln, welche mit hohen Provisionskosten verbunden sind. VAYA verkauft sehr viele Buchungen über ‚direct sales‘ (Direktverkauf), was mit sich bringt, dass unsere Provisionszahlungen niedrig bleiben und wir so mit diesen Geldern auch einen Teil in unsere Standorte in Österreich reinvestieren. Darüber hinaus zeigt unsere Bereitschaft, auch ältere Häuser zu übernehmen oder auch welche ohne Nachfolger, vom unternehmerischen Mut ,starke inves-titionsbedürftige‘ Objekte wieder auf Vordermann zu bringen. In der Nähe von Ladis haben wir ein solches Objekt übernommen und noch mehr für die Renovierung und Neuausrichtung investiert. Durch die Bereitschaft dieser Investitionen ist dieses Haus nun wieder ein Mehrwert für die Destination geworden.

 

RS: Wo befindet sich das Objekt in der Nähe von Ladis, das Sie übernommen und renoviert haben?

 

VAYA: Da ich auch hier das gute Verhältnis mit der Gemeinde und dem Verkäufer sehr schätze und respektiere, finde ich es nicht passend, dass auf diese Frage im Zusammenhang mit der Grundstücksthematik in Ladis näher eingegangen wird.

 

RS: Einer der Kritikpunkte lautet: Der Tourismus führt zu steigenden Grundpreisen und verteuert das Wohnen für die Bevölkerung. Das gilt zweifellos auch für Tiroler Investoren, aber: Was können Sie diesem Argument entgegnen?

 

VAYA: Wir – VAYA – sind kein Entwickler, welcher nach Fertigstellung das Objekt einem Betreiber übergibt, sondern kümmern uns von der Planung, über Baukoordination bis zum Betreiben des Betriebes selbst um alles. Was wir dann für unser Projekt verlangen, steht im Verhältnis zu den Preisen der Betten. Falls also der Grundpreis im Vorhinein für uns bereits zu teuer ist, dann distanzieren wir uns davon uns in solchen Destinationen anzusiedeln. Dass es in diversen Orten ein Problem mit den horrenden Grundpreisen gibt und sich dadurch Einheimische keinen Grund mehr leisten können, ist nicht vom Tisch zu weisen, und dafür muss die Politik eine Lösung finden. Leider stellt es sich in vielen Gemeinden in Tirol sogar eher so dar, dass die Stadtflucht in den Dörfern und das Desinteresse ausschlaggebend sind, dass Gründe ungenützt frei liegen, obwohl die Preise leistbar wären. Somit bleiben die Touristikunternehmen als einzige Interessenten für diese Gründe übrig. Des Weiteren sind Hotelunternehmen nicht selbst der Grund für die hohen Preise, zumal diese wirtschaftlich kalkulieren müssen, sondern eher Privatpersonen, welche die Preise marktunüblich treiben.

 

RS: Die Landesregierung scheint Projekte wie in Ladis künftig verhindern zu wollen. Was erwarten Sie und können Sie Verständnis für einen derartigen Schritt aufbringen (falls er getan wird)?

 

VAYA: Wie ich bereits ausgeführt habe, könnte ich einen solchen Schritt keinesfalls nachvollziehen und hoffe für Tirol, dass dieser auch nicht gemacht wird. Es gibt für mich keinen vernünftigen Grund spezifisch das Investorenmodell zu verbieten. Es kann keinen Unterschied machen, ob ein Hotel einem Investor – der dieses alleine mit einer Gesellschaft hält – gehört, oder ob in diesem Objekt Wohnungseigentum begründet ist und es viele Investoren gibt. Die jüngsten Berichterstattungen sind daher meines Erachtens irreführend, da wir alles andere als kalte Betten entwickeln. Aufgrund unserer Geschäftstüchtigkeit und durch die sehr gute Vermietung kann ich sagen, dass wir seit der Debatte über das Geschäftsmodell viermal so viele Kaufangebote erhalten als üblicherweise. Grundsätzlich ist das verwendete Konzept in Ladis bezüglich Finanzierung und Eigentümerverhältnis im Grunde genommen mit einem Bankkredit zu vergleichen, nur dass wir die finanziellen Mittel von keiner Bank beanspruchen und diese somit nicht mit 70 % oder 80 % in der Finanzierung (Grundbuch) sitzt.

 

RS: Danke.