Karrösten sei Dank

Die Rochuskapelle (auch Romedikapelle) in Brennbichl verdankt ihre umfassende Renovierung dem Engagement der Gemeinde Karrösten. RS-Foto: Bundschuh

Rochuskapelle präsentiert sich in neuem Gewand

Wenig bekannt, beinahe ein Geheimtipp für Kapellenliebhaber, ist die baulich einfach gehaltene Rochuskapelle als Teil des denkmalgeschützten Gebäudeensembles von Romedihof und Kapelle in Brennbichl, Gemeinde Karrösten. Die Restaurierung der Kapelle, deren Erbauung auf das Jahr 1571 datiert wird, konnte 2019 abgeschlossen werden. Die Jahreszahl 1571 ist Teil einer Inschrift im Chorschluss der Kapelle, die ehemals zum Romedihof gehörte, dieser selbst geht auf das 15. Jahrhundert zurück und diente als Sitz des Knappengerichts. Daher wird die Kapelle auch als Romedikapelle bezeichnet. Die Instandsetzung und Gesamtrestaurierung lag in der Hand der Gemeinde Karrösten, welche dieses Projekt sehr engagiert betrieb.

Von Peter Bundschuh

Oberhalb der Eingangstüre des spätgotischen Kirchenbauwerkes befindet sich das Bildnis des heiligen Rochus, verstorben 1327. Bezüglich seines Lebens ist wenig gesichert, er soll auf seiner Pilgerreise nach Rom hingebungsvoll an der Pest Erkrankte gepflegt haben. In der Folge wurde er selbst infiziert, aber der Legende nach durch einen Engel geheilt. Der aus Montpellier an der französischen Mittelmeerküste stammende Heilige wird zur Abwehr von Seuchen angerufen und gilt auch als Schutzpatron der Spitäler. Bei der Karröster Kapelle handelt es sich um ein schlichtes Bauwerk mit steil zulaufendem Dach, Fenster und Türe sind in Spitzbogenbautechnik ausgeführt. Die statische Sanierung der Grundmauern fand bereits in den 1980er-Jahren statt. Erst nachdem das sakrale Bauwerk in das Eigentum der Gemeinde Karrösten übernommen worden war, wurde die Sanierung mit Fertigstellungsarbeiten wie Neueindeckung des Daches, Fußbodeneinbau und Überarbeitung der künstlerisch wertvollen Einrichtungsgegenstände mit dem frühbarocken Altar als zentrales Stück intensiv vorangetrieben und konnte 2019 abgeschlossen werden.

Oberhalb der Eingangstüre des spätgotischen Kirchenbauwerkes befindet sich das Bildnis des heiligen Rochus. Der von der französischen Mittelmeerküste stammende Heilige gilt als Nothelfer bei Gefahr von Seuchen und ist Schutzpatron Helfer der Krankenhäuser. RS-Foto: Bundschuh
Josef Witwer Altar

Der Altar samt Bildhauerarbeiten wird dem in den im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts in Imst tätigen künstlerisch schaffenden Josef Witwer aus eben jener Künstlerdynastie, die für das barocke Imst kennzeichnend ist, zugeschrieben. Auch Schnitzarbeiten in der Imster Pfarrkirche tragen die Handschrift Josef Witwers (Karamelle, Die bildende Kunst). Dazu Reinhold Rappold (zusammengefasst): „Josef Witwers Figuren zeichnen sich durch eine statuarisch verhaltene, blockhafte Konzeption aus, weisen einen harten Gesichtsschnitt und strenge Haartracht auf. Der Gesamteindruck der Arbeiten ist stilistisch gotisch, sie weisen jedoch bereits frühbarocke Züge auf.“

Teil des Romedihof-Ensembles

Das kirchliche Baudenkmal ist in Zusammenhang mit dem Romedihof zu sehen, der als Knappengericht von Imst, das seit 1266 Gerichtssitz war, in Verwendung stand. Imst spielte einst eine bedeutende Rolle im Bergbau Tirols. Die Imster Bergbaukompetenzen umfassten ein sehr weiträumiges Gebiet zur Gewinnung von Bleierz, das zur Ausschmelze des Silbers in den Hütten der unterinntaler Abbaugebiete benötigt wurde. Der Standort der Kapelle an der Mündung des Pitztals und des Gurgltals in das Inntal legt auch nahe, dass sie die verkehrsgeographisch wirtschaftlich vorrangige Stellung von Imst unterstrich. Nämlich den Nord-Südverkehr über Fernpass und Vinschgau und die Ost-Westverbindung durch das Inntal.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.