Knatschen & Knutschen

Liebe Freunde des politischen Kasperltheaters!

Warme Tage produzieren heiße Luft. Und am Nährboden eben dieses Klimas lieferten sich zuletzt Präsidenten und andere Würdenträger so manch unwürdiges Schauspiel. An Peinlichkeit nicht zu überbieten war die Verbalattacke eines hiesigen Blauen, der den Chef der EU-Kommission der Trunksucht bezichtigte, obwohl selbiger seinen wackeligen Gang mit einem eingeklemmten Nerv erklärte. Die Causa „Ischias in flagranti“ schlug ein wie eine Bombe. Was unseren Bundespräsidenten zum Bellen brachte. So etwas schade dem Ruf Österreichs in Europa! Und das ausgerechnet zu jener Zeit, wenn unser kleines Land kurz mal den EU-Vorsitz hat. Noch mehr Blau als Grün ärgerte unseren obersten Staatsrepräsentanten das Schweigen der Türkisen. Unser Kanzler, der seine EU-Außenbeziehungen nutzte, um bei Arnie Schwarzenegger in dessen privater Villa vorbeizuschauen, blieb stad. Die Blauen taten, was sie immer tun. Sie hauten ihrem Kritiker eine Links und zwei Rechts auf Aug und Mundwerk.
Das Selbstgesagte nicht so ernst nehmen ist im Übrigen keine österreichische Spezialität. Auch beim Gipfeltreffen der weltmächtigen Präsidenten Trump und Putin wurde das Gesprochene nicht nur medial in alle Richtungen miss- und interpretiert. Auch der US-Chef selbst merkte im Nachhinein an, er habe das Eine oder Andere so nicht gesagt – und wenn doch, dann jedenfalls nicht so gemeint. Alles klar?
Bei all diesem präsidialen Knatsch habe ich hell erleuchtete Erinnerungsfreuden an die Siegesfeier bei der Fußball-WM in Russland. Die Story startete uncharmant. Beim urplötzlichen Platzregen brachten die Sowjets nur ihrem Präsidenten einen Schirm. Alle anderen standen im Regen. Bis diese wunderbare, fesche Präsidentin aus Kroatien die Lage entspannte. Kolinda Grabar-Kitarovic knutschte, küsste und umarmte alles nieder, was ihr zwischen die Arme fiel. Und war dabei, wie ich meine, nicht einmal betrunken.

Meinhard Eiter

 

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