Konflikt wird schärfer

Die Agrarbehörde in Innsbruck wird noch im September eine Stellungnahme zum Schaf- und Ziegen-Konflikt in Tösens abgeben. Foto: Thomas Schranz

Alt-Bgm. Kofler brachte zahlreiche Beschwerden gegen die Agrargemeinschaft und Gemeinde Tösens ein

 

Der Konflikt um die Bewirtschaftung der Tösner -Almen, der vor allem durch den umstrittenen Auftrieb von -Schafen und Ziegen ausgelöst wurde, wird immer schärfer.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Wie berichtet, wurde ein Anwalt beauftragt, eine Unterlassungsklage beim Bezirksgericht Landeck einzubringen. Das geschah am 20. Juli 2017. Angeklagt wurde der Landwirt Clemens Salner aus Ried, weil er trotz Untersagung seine Ziegen auf Tösner Almgebiet aufgetrieben hatte. Das Bezirksgericht Landeck setzte den 15. November als Termin für die Verhandlung an. Mit den Streitigkeiten rund um die Bealpung der Tösner Almen befassen sich auch zwei Aufsichtsbehörden, die Gemeindeaufsicht in Landeck und die Agrarbehörde in Innsbruck. Helmut Kofler, Alt-Bgm. und nunmehriger Gemeindevorstand in Tösens, brachte in den vergangenen Monaten bei diesen eine erhebliche Anzahl an Beschwerden zur Causa ein.

 

KEINE ZUSTÄNDIGKEIT. Im Zusammenhang mit dem umstrittenen Auftrieb von Schafen und Ziegen kritisiert Kofler in einem Beschwerdeschreiben etwa, dass für die Ausübung von Weiderechten nicht die Agrargemeinschaft zuständig sei, sondern der Gemeinderat und im Gemeinderat sei dazu keine Abstimmung durchgeführt worden. Somit sei das Schreiben des Substanzverwalters, womit das Auftreiben untersagt wurde, „mangels Zuständigkeit ohne Bedeutung“. Dem widerspricht Bgm. Bernhard Achenrainer: „Hier ist sehr wohl der Substanzverwalter zuständig und nicht die Gemeinde, denn der Grund der Almen ist im Grundbuch auf die Agrargemeinschaft eingetragen, folglich fällt die Alpung in den Zuständigkeitsbereich des Substanzverwalters.“

 

ÜBERNAHME DER ANWALTSKOSTEN. Eine zweite Beschwerde brachte Kofler gegen den Beschluss des Gemeinderates zur Übernahme der Anwaltskosten für den Rechtsstreit hinsichtlich des Auftriebs der Schafe und Ziegen ein. In seiner Begründung wirft er Bgm. Bernhard Achenrainer und Substanzverwalter Stefan Venier vor, den Gemeinderat in der Sache falsch informiert zu haben. „Wären dem Gemeinderat meine Beschwerden zur Kenntnis gebracht worden, hätte dies unter Umständen eine andere Entscheidung bewirkt“, so Kofler. Dazu entgegnet Bgm. Achenrainer: „Ich weiß nicht, was er damit will. Dies ist eine reine Behauptung, da sind keine Fakten dahinter. Der Gemeinderat ist von uns richtig informiert worden.“

 

NUR BRUCHTEIL VERRECHNET. In einer dritten Beschwerde kreidet Kofler an, der Gemeinde Tösens würden Kosten von jährlich ca. 6.000 Euro entstehen, weil die Gemeinde für die Alpung von fremden Weidetieren (alles nur Rinder) nur einen Bruchteil von den Gestehungskosten verrechnet. „Das alles nur aus dem Grund, weil in Tösens einige wenige Bauern die Gemeindeweide für sich alleine behaupten“, schreibt Kofler und führt weiter aus: „Anstatt dieser gemeindefremden Rinder könnten z.B. problemlos entweder ca. 15 Muttertiere oder ca. 130 Schafe/Ziegen aus der Gemeinde Tösens aufgetrieben werden, dann würden wenigstens (…) die Betriebe in der eigenen Gemeinde finanziell unterstützt werden.“ Die Kritik zur Alpung von fremden Weidetieren lässt Bgm. Achenrainer nicht gelten: „In Tösens handelt es sich um eine -atypische Gemeindegutsagrargemeinschaft. Für diese gibt es Richtlinien und an diese halten wir uns. Da ist genau vorgegeben, welchen Betrag ein Bauer pro aufgetriebenem Rindvieh zu bezahlen hat. Im Übrigen muss ich festhalten, dass Helmut Kofler noch mit keiner seiner Beschwerden Recht bekommen hat.“

 

STELLUNGNAHME. Bernhard Walser, Leiter der Agrarbehörde, bestätigt den Eingang der Beschwerden von Alt-Bgm. Kofler. „Wir sind derzeit dabei diese zu prüfen. Es wird auch noch die Agrargemeinschaft Tösens zur Stellungnahme aufgefordert. Dann werden wir eine klare Stellungnahme abgeben. Dies wird noch im Laufe des Septembers der Fall sein“, erklärte Walser und meinte in einem Nachsatz, dass es das Beste wäre, wenn sich die am Streit Beteiligten vertragen würden. Laut Auskunft von Andreas Walser sind die Beschwerden auch bei der Gemeindeaufsicht in der BH Landeck eingelangt. Diese hat den Inhalt zur Kenntnis genommen, ist aber dafür nicht zuständig, weil es das Gemeindegut betrifft und damit in den Zuständigkeitsbereich der Agrarbehörde fällt.

Alt-Bgm. Helmut Kofler übt Kritik an Gemeinde und Agrargemeinschaft. RS-Foto: Tiefenbacher

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