Konstruktive Töne

Thomas Schranz (Tösens): „Wir lassen uns auf keine Stückzahl festnageln. Im Jahre 1952 waren 500 Schafe gemeldet“ (Symbolbild). RS-Foto: Tiefenbacher

Tösens: Eigenbewirtschaftung der Jagd beschlossen

Der Tösner Gemeinderat hat eine Eigenbewirtschaftung der Jagd am Bergle beschlossen. Schafzüchter Thomas Schranz schlägt im Ringen mit der neuen Gemeindeführung um die Bealpung durch Schafe und Ziegen konstruktive Töne an.

Seit zehn Jahren verpachtet die Gemeinde Tösens die Jagd am Berg-le. Aufgrund des Konflikts mit Schaf- und Ziegenbauern überlegte es sich der Tösner Gemeinderat anders: Verpachtung ist jetzt einmal vorbei, bis der von der Abteilung Agrargemeinschaften des Landes Tirol erstellte Weidewirtschaftsplan am Tisch liegt. Diese arbeitet daran. Es gab auch bereits erste Gespräche. Einstweilen ist Eigenbewirtschaftung des Reviers angesagt. Diese Entscheidung fassten die kommunalen Volksvertreter in Tösens in ihrer jüngsten Sitzung.

 

WEIDEWIRTSCHAFTSPLAN. Wie lange die Erstellung des Weidewirtschaftsplanes dauern wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. „Mir wäre recht, wenn die Sache bis März 2017 erledigt wäre, aber wie es aussieht, wird es länger dauern. Wie lange, lässt sich noch nicht sagen“, erklärt Bgm. Bernhard Achenrainer. Länger dauern wird es, weil man alles einfließen lasse. „Es geht beim Weidewirtschaftsplan um die Regelung der Viecher aller Bauern in Tösens, nicht nur um die Tiere der drei, vier Schaf- und Ziegenbauern“, sagt der Tösner Bürgermeister. Ansonsten gibt sich Achenrainer ziemlich zugeknöpft, was die zukünftige Regelung betrifft. Fakt sei, dass die Sache geregelt gehört. „Und es muss so geregelt werden, dass alle Bauern gleich behandelt werden. Noch ist alles offen. Die Sachbearbeiterin der Abteilung Agrargemeinschaften lässt alles einfließen. Viel mehr kann ich derzeit dazu nicht sagen“, betont Bgm. Achenrainer.

 

GEMEINSAMES TREFFEN. Aus dem Gesprächsprotokoll zum Weidewirtschaftsplan geht hervor, dass Bgm. Achenrainer mit ca. 250 Schafen, davon ca. 40 bis 50 Ziegen, aus Tösens rechnet, die aufgetrieben werden. Dagegen wehrt sich Thomas Schranz, einer der betroffenen Schafzüchter und Schafbauern. Schranz: „Von 250 Stück geht nur Bürgermeister Achenrainer aus. Wir lassen uns auf keine Stückzahl festnageln. Im Jahre 1952 waren 500 Schafe gemeldet. Mit so vielen Schafen muss man den Berg anfangs nicht bestücken. Das könnte nach hinten los gehen. Aber mit einer Stückzahl von 250 zu beginnen, das würde mir einleuchten.“ Die Stückzahl müsse, so Thomas Schranz weiter, dann nach dem Leitsatz „Schafe sollen nachhaltig gealpt werden“ sukzessive der Vegetation angepasst werden. Da gelte es verschiedene Punkte über einen Zeitraum von fünf Jahren zu beobachten, wie etwa: Werden die Böden überfressen? Wie ist die Erosion, also der Abtrag von fruchtbarem Boden? Schranz appelliert, sich an das zu halten, was die Vorgängergenerationen vorgemacht haben. „Bei ihnen konnten Schafe, Ziegen, Rösser und Rinder nebeneinander leben. Voraussetzung dafür ist, die Weideführung wird so gestaltet, dass sie im Einklang mit der Natur ist“, sagt Schranz. Der Schafzüchter regt, dem „Dorffrieden zuliebe“, ein gemeinsames Treffen aller Beteiligten (Mutterkuhbauern, Schaf- und Ziegenbauern, Rossbauern und Gemeindevertretung) an, um über das Thema zu beratschlagen. Dieses Erörterungsergebnis sollte bindend sein. „Zusammensitzen und miteinander zu reden und zu planen wäre besser, als mit den Rechtsanwälten aufeinander loszugehen. Es steht nicht dafür. Da gibt es nur Verlierer. Vor allem verliert das Dorf“, so Thomas Schranz. In einem Nachsatz fügte er hinzu, dass bei diesem Gespräch kein Gemeinderatsmandatar als Vertretung der Mutterkuhbauern, Schaf- und Ziegenbauern oder Rossbauern tätig sein sollte.

Von Herbert Tiefenbacher