Konstruktives Gespräch

Seit über fünf Jahren wird nun um eine Genehmigung für ein Kraftwerk an der Trisanna gepokert. RS-Foto: Tiefenbacher

Im Widerstreit um ein geplantes Kraftwerk an der Trisanna zeichnet sich Lösung ab – nächste Gesprächsrunde geplant

Seit über fünf Jahren wird nun um eine Genehmigung für ein Kraftwerk an der Trisanna im Paznaun gepokert. Jetzt scheint eine Lösung in Sicht zu sein. Diesen Schluss lässt das Gespräch mit allen Vertretern der Projektwerber zu.

Zuerst ein gestraffter Rückblick: Wenn mehrere Kraftwerksprojekte an einem Fluss realisiert werden wollen, entscheidet ein sogenanntes Widerstreitverfahren, welches von den eingereichten Projekten zum Zug kommt. Die Sache hat einen verborgenen Makel: Es können bis zur mündlichen Verhandlung neue bzw. überarbeitete Projekte eingereicht werden. Ist das der Fall, ist das Widerstreitverfahren wieder offen. Die Sachverständigen müssen das neu eingereichte Projekt im Hinblick auf die Kriterien des Widerstreitverfahrens prüfen und bewerten. So kann jemand, wenn er will, das Verfahren bis zum „St. Nimmerleinstag“ hinausziehen.

FÜNF PROJEKTE. Bisher matchten sich vier Projekte um die energiewirtschaftliche Nutzung der Wasserkraft der Trisanna. Von der Paznaun-GmbH, bestehend aus den vier Talgemeinden des Paznauns und der Gebrüder Kofler GmbH aus Landeck, liegt ein Projekt vor, von der Gebrüder Haider GmbH aus Oberösterreich waren drei Projekte im Rennen. Im Frühjahr des heurigen Jahres brachte die Donau Chemie ein fünftes Projekt an den Start. Was dabei vor allem im Paznaun für weitere Verstimmung sorgte: Es sitzen die Gebrüder Haider als Partner im Boot. Das war für Anton Mattle, Geschäftsführer der Paznaun GmbH, der Anlass, diesem Spiel „auf diplomatischem Weg“ ein Ende zu setzen.

RUNDER TISCH. Mattle lud die Konkurrenten zu einem runden Tisch ein. Dieser fand am Dienstag voriger Woche statt. Mattle zeigte sich über das Gesprächsergebnis zufrieden: „Es war ein konstruktives Gespräch. Niemand will, dass der Widerstreit weiter fortgeführt wird. Das würde unnötig Zeit kosten und das Verfahren unnötig in die Länge ziehen.“ Man habe, so Mattle weiter, über alle Möglichkeiten und Varianten gesprochen – vom Projekt zurückziehen und ablösen bis hin zur Umsetzung des eigenen Projektes in Verbindung mit dem der Gegenseite. „Auseinandergegangen sind wir mit dem Ansinnen, jeder denkt nach, wie wir schnell zu einer Realisierung eines gemeinsamen Kraftwerkprojektes kommen.“ Zeit gegeben hat man sich dafür vier bis sechs Wochen. „Dann werden wir uns wieder treffen und Konkretes festlegen“, erklärte GF Anton Mattle. Reinhard Haider, Sprecher der Gebrüder Haider GmbH, bestätigte auf Anfrage der RUNDSCHAU das gute Gesprächsklima und sprach von einem konstruktiven Zugang von allen Seiten. „Wir werden unseren Teil dazu beitragen, dass es eine für alle Seiten akzeptable Lösung gibt“, sagte Haider. Einen besonderen Dank richtete der oberösterreichische Geschäftsmann an die Adresse von Anton Mattle: „Er hat die Initiative ergriffen und hat zu diesem runden Tisch eingeladen.“

Von Herbert Tiefenbacher

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