„Konzept über den Haufen geworfen“

Geballte Damen-Power! Silz steigt in die Landesliga A auf! RS-Foto: Unterpirker

Silzer Damen steigen als Vizemeister in die Landesliga A auf

Eine richtig heiße Meisterschaft haben die Damen vom Volleyballverein Silz hinter sich. Sie schwitzten nämlich gehörig, um einen fast geheimen Wunsch zu verwirklichen. Ein Schaumbad mit Kerzenlicht, angenehmer Musik und Räucherstäbchen? Nein, diesmal ging’s um’s Eingemachte, heißt: Aufstieg in die Landesliga A. Kurzum: Das löbliche  Vorhaben wurde in die Tat umgesetzt – also ab in Tirols höchste Spielklasse!

Von Albert Unterpirker

Es funktelt in den Augen von Mario Steinböck. Der Trainer des Silzer Damen-Landesliga B-Teams überlegt kurz und gibt unumwunden zu: „Es war zwar kein Muss, aber von mir wurde der Aufstieg – zumindest als Ansporn – als erklärtes Ziel ausgegeben.“ Ok, nun weiß man, dass es schon in der Landesliga B gehörig raschelt und man wirklich fest die (weiblichen) Wadln anspannen muss, um einen Gegner in die Schranken weisen zu können. Also gehörten Geheimstrategien her oder besser: Ein Training, das es in der Liga nicht alle Tage gibt. Das neue Konzept sollte aufgehen. „Wir haben umgestellt, auf eine stabilere Abwehr und Annahme“, plaudert der Coach aus dem Nähkästchen. Das Erreichen des Meister-Playoffs stand ohnehin nie wirklich in Frage, dann aber ging es freilich um mehr, als einen schmackhaften Schoko-Kuchen. Während man in der entscheidenden Phase nur ein Match verlor (daheim gegen St. Johann), fügte Frau dem späteren Meister Mils (mit Hypo-Urgestein Daniel Gavan als Trainer, Anm.) die einzige Niederlage zu – und das in der Höhle der Löwin, auswärts. Nachdem der erste Satz abgegeben werden musste, „haben wir das Spielkonzept komplett über den Haufen geworden“, so der Trainer. Fintige Positionsverschiebungen brachten letztendlich den sensationellen Erfolg in der Fremde. Dennoch: War die Playoff-Phase ohnehin schon alles andere als Schwangerschaftsturnen, erwischte das Team zusätzlich noch ein anderes, schwerwiegendes Damoklesschwert voll im besten Trend. „Leider hatten wir großes Verletzungspech“, blickt Steinböck zurück. Das ist fast noch ein wenig untertrieben, bei fünf schwerverletzten Spielerinnen. Wen erwischte es (wie)?

Ob Angriff, Block oder wie hier Annahme – die Silzer Mädels spielen top! RS-Foto: Unterpirker
Zaubern

Riccarda Scheiber (Kreuzbandriss, mitten in der Rückrunde), Eva Scheiber (zwei Wochen später, Riss von zwei Seitenbändern), Karin Gritsch (Sehne im Daumen durchgeschnitten), Sabrina Praxmarer (Knorpelriss im Knie), und Maria Scheiber (Meniskusschaden). Bei solch einem Lazarett würde vielleicht auch Foppapedretti Bergamo (I, siebenfacher Champions League-Sieger) blöd aus der Wäsche schauen. „Zaubern“ habe er da ein bisschen müssen (es fehlten damit zwei absolute Führungsspielerinnen) und schwuppdiwupp, siehe da – die Mädels wuchsen noch enger zusammen. Das Motto war „jetzt erst recht, ich habe probiert, ihnen das einzutrichtern – und es hat funktioniert!“ Glücklicherweise kann Steinböck auf einen großen Kader mit 15 Spielerinnen bauen. „Außerdem haben wir eine ganz starke, junge C-Mannschaft, von der bereits zwei Mädels im B-Team mitspielten.“ Apropos Aufstieg. Für Steinböck stellt der Gang in die Landesliga A – wie für die meisten Spielerinnen in seinem Team – sowohl als Trainer, als auch früher als Spieler eine Premiere dar. Das Ziel ist nun klar. „Klassenerhalt und in dieser Liga etablieren“, warten doch ab Herbst einige (Innsbrucker) Kapazunder. Und wie sieht eigentlich Kapitänin Riccarda Scheiber den Top-Coup, der für das Tiroler Oberland einzigartig ist? „Mit dem Aufstieg haben wir nicht unbedingt gerechnet, aber wir haben darauf hingearbeitet! Das ist jetzt der Lohn für die ganze Arbeit – das Team und der Trainer haben das super gemacht!“ Voll in der Planung liegt bei den Mädels indessen schon wieder die Silzer Beachvolleyball-Party, die am 1. Juni 2019 (inklusive Champions League-Finale) steigen wird. P.S.: Das Team bedankt sich bei der Gemeinde für die Hallennutzung und bei Daniela Holaus (Vize-Bürgermeisterin), „die sich sehr engagiert“ (Steinböck), sowie bei SV Silz-Präsident Max Heinz.

Dieser Mann hat an den Aufstiegsfäden gezogen: Trainer Mario Steinböck. RS-Fotos: Unterpirker
Riccarda Scheiber: „Das Team und der Trainer haben das super gemacht!“ RS-Foto: Unterpirker
Nach dem Aufstieg ist vor der Beachvolleyball-Party – hier wird bereits Organisatorisches besprochen. RS-Foto: Unterpirker

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