Krankenschein vom Chef

Liebe Freunde der Reform unseres Sozialversicherungssystems!

Der Plan der Bundesregierung, die Krankenkassen zusammenzulegen, ist ehrgeizig. Oder unfassbar kompliziert. Ich habe versucht, das Vorhaben durch Konsum von Medienbeiträgen zu verstehen. Und bin dabei kläglich gescheitert. Was mir bleibt sind Wahrnehmungsbrocken: Erstens stößt im föderalen Staat eine von oben verordnete Reform auf viele Widerstände. Bund, Land und Gemeinden unter einen Hut zu bringen, ist schwierig genug. Aber Bauern, Beamte, Arbeiter, Wirtschaftstreibende und Arbeitnehmer von einer Änderung zu überzeugen, bei der die meisten der Versicherten Angst haben, benachteiligt zu werden, ist schier unmöglich. Zweitens gibt es Skeptiker die behaupten, die angekündigten Einsparungen seien letztlich nicht zu erzielen. Allein die Umstellung auf neue EDV-Systeme, die Verschiebung des Personals, behördliche Anpassungen und dergleichen mehr schaffen neben viel Verunsicherung auch kollektiven Motivationsverlust bei den Betroffenen. Drittens sehen viele Arbeitnehmer im geplanten Umbau des Sozialversicherungssystems ohnehin eine Verneigung vor den Konzernen, die sich dadurch sehr viel Geld ersparen – auf Kosten der Bürger. Ich las dazu neben allerlei Geschwafel einen Satz, der mich aufrüttelte. Ein hoher Gewerkschafter brachte die glühend heiße Diskussion populär auf den Punkt: Am Ende der Fahnenstange entscheidet nicht mehr der Arzt über einen Krankenstand. Ob du im Falle von Verletzung oder Erkrankung arbeitsfähig bist oder nicht, bestimmen dann die Chefs der Firmen. Wusch – so ein Argument fährt ein! Zeitgleich mit meiner wirren Wahrnehmung zum Thema flatterte die Honorarnote meines jüngsten Zahnarztbesuches auf unseren Küchentisch. Für zwei Rechnungen mit je rund 90 Euro sollte ich – ohne Gewähr – etwa 30 Euro von der Kassa zurückbekommen. Das ist wenig genug. Doch das jetzt Geplante klingt wie Wurzelbehandlung ohne
Betäubungsspritze!

Meinhard Eiter

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