Kreisen im System

Kurator Gerhard Wallner und Künstler Bernhard Witsch (v.l.) besuchen gemeinsam die „Kunst im Kreis“, die von den Gemeindearbeitern bereits ins rechte Licht gerückt worden ist. RS-Foto: Dorn

8. Kunstwerk im Kreisverkehr Stams von Bernhard Witsch

Die Ausstellungsplattform am Kreisverkehr in Stams funktioniert und das nun bereits seit einigen Jahren, wie Initiator und Kurator Gerhard Wallner erfreut Bilanz zieht. Bereits das achte Kunstwerk wird nun für einige Monate wieder den Blick der Autofahrer, der Fahrradfahrer und der Fußgänger ins Zentrum des Kreises lenken. Diesmal ist es ein Werk des Telfer Künstlers Bernhard Witsch, in dem jene Gedanken in Metall verewigt sind, die sich der Rostbaron über das Leben macht.

Von Agnes Dorn

„Viele meinen, sie sind was ganz Besonderes, sind aber wie alle anderen auch gefangen im System. Jeder braucht etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf und wenn die Kiste aufgeht, kannst du nichts mitnehmen“, zeigt sich der Metallkünstler Bernhard Witsch aus Telfs überzeugt davon, dass im Endeffekt alle Menschen doch im gleichen Rahmen festgehalten werden, den ihnen das Leben eben bietet. Das wollte er auch mit jenem Werk ausdrücken, das nun seit kurzem den Kreisverkehr an der Dorfeinfahrt in Stams schmückt: Ein Rahmen aus Cortenstahl, in dem eine Edelstahlkugel gefangen gehalten wird wie in einem Schraubstock. Auch wenn manch einer der Menschen meint, er wäre was Besseres (wie die glattpolierte Kugel), so wird bei genauerer Betrachtung klar, dass auch er keinen Millimeter über den Rand des Rahmens hinausreicht. „Ich meine das nicht unbedingt negativ, dass wir alle nicht aus dem System heraus können“, zeigt sich Witsch jedoch versöhnlich mit dem Leben, das bekanntlich nicht nur Erfreuliches zu bieten hat. Denn ein Jammerer ist der Telfer Künstler keiner – im Gegenteil: „Uns geht es im Vergleich zu vielen anderen Menschen sehr gut. Wir leben wie die Maden im Speck und keiner kann was dafür“, will er daran erinnern, dass der Wohlstand in Europa kein Verdienst ist, der einen aus den Grenzen eben dieses Rahmens hervorhebt.

DER ROSTBARON.

Das von Witsch verwendete Blech ist wie bei vielen seiner Skulpturen aus Cortenstahl, der nur an der Oberfläche rostet. Damit dieser Vorgang gleichmäßig und nicht fleckig vonstattengeht, werden die Bleche mit Salzsäure behandelt, die das Rosten außerdem beschleunigt. Zwei Meter hoch ragt die Skulptur nun auf der Verkehrsinsel in die Höhe, gerade richtig, um die vielen Auflagen, die ein Kunstwerk im Kreisverkehr erfüllen muss einzuhalten. Mit Bernhard Witsch hat der Stamser Vizebürgermeister Gerhard Wallner wiederum eine lokale Größe des Kunstgeschehens für sein Projekt gewinnen können. Die Skulptur, die nun bis August die Ortseinfahrt zieren wird, hat er gemeinsam mit GV Markus Rinner im Pettnauer Skulpturenpark von Witsch selbst aussuchen dürfen. Und der „Schraubstock“ ist ihm sofort ins Auge gestochen, erzählt er, wie seine Wahl ganz intuitiv auf genau dieses Werk gefallen ist.

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