Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Landeck | Chronik | 21. Juni 2022 | Daniel Haueis

„Danke. Vergelt’s Gott“

„Danke. Vergelt’s Gott“<br />
Kurt Egger: Als Herausgeber ein Einzelkämpfer, der seine journalistischen Ideale umsetzte, und ein sozial engagierter Mensch, der ein Herz für Notleidende gehabt und vielen geholfen hat.
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Ein Nachruf auf RUNDSCHAU-Gründer Kurt Egger, einen Pionier der Regionalmedien in Tirol

Kurt Egger, Gründer und Herausgeber der RUNDSCHAU, ist am 15. Juni verstorben. Tirol verliert mit ihm einen Zeitungsmacher, der journalistische Grundsätze stets hochgehalten hat. Ebenso engagiert war er in sozialen Belangen. Für sein Wirken wurde er im Jahr 2010 mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol ausgezeichnet.
Von Daniel Haueis

„Was es wiegt, das hat’s“ – mit diesen Worten hat Kurt Egger vor Jahrzehnten schon einem neuen Mitarbeiter der RUNDSCHAU-Redaktion erklärt, wie mit allen, auch den vielleicht heikel erscheinenden Themen umzugehen ist: Im Journalismus muss es um das Sein gehen, nicht um den Schein. Was „Gewicht“ hat, soll in der Berichterstattung auch mehr Raum bekommen, „Leichtgewichtiges“ dementsprechend weniger. Boulevard-, Kampagnejournalismus, Hetze u.ä. waren ihm fremd: Seit jeher legte Kurt Egger wert auf Seriosität und fundierte Berichterstattung. Mit der Macht eines Medieninhabers ist er mehr als behutsam umgegangen, weshalb er als Herausgeber und Chefredakteur auch nicht gefürchtet, sondern geachtet war. Von Kurt Egger konnte man aber nicht nur in fachlicher Hinsicht lernen: Er hat vorgelebt, dass Mitarbeitern ein Freiraum zu geben ist und damit die Chance, diesen zur eigenen Entwicklung und der der RUNDSCHAU zu nutzen. Anders gesagt: Kurt Egger hat seinen Mitarbeitern Vertrauen geschenkt.

SOZIALES ENGAGEMENT. Abseits der beruflichen Tätigkeit hat er ohnehin immer auf andere, auf Notleidende geschaut: Er hatte eine ausgeprägte soziale Ader und nicht nur als Privatperson zahllosen Menschen geholfen. Kurt Egger war Mitglied der Bruderschaft St. Christoph und Mitglied und Funktionär des Kiwanis-Clubs Landeck-Imst. Vielfach hat er z.B. anlässlich seiner Geburtstagsfeiern um Spenden für Initiativen in der Region wie „Imster helfen Imstern“ gebeten – anstelle von Geschenken für sich selbst. Diese Einstellung lebte er auch als Herausgeber der RUNDSCHAU: Zahlreiche Hilfsaktionen wurden auch medial unterstützt, etwa für eine junge Frau mit Kindern, deren Mann tragischerweise verstorben ist. Und auch Hilfsprojekte von Oberländern im Ausland wurden von Kurt Egger medial mitgetragen.

LAUFBAHN. Kurt Egger, Jahrgang 1950, hat seine berufliche Laufbahn im Bereich Druck begonnen, bald aber wechselte er vor die Schreibmaschine. Er absolvierte 1974 in Wien eine Journalistenausbildung und war dann Schriftleiter des Imster Bezirksblattes. 1976 folgte die Gründung der Agentur „Atelier E“ (heute: Atelier Egger), am 18. Mai 1978 schließlich erblickte die Oberländer RUNDSCHAU das Licht der Welt. Sechs Jahre später expandierte die Wochenzeitung in den Bezirk Landeck – seit damals heißt sie nur mehr „RUNDSCHAU“. Ins heutige Verlagshaus in der Postgasse 9 in Imst übersiedelten das Atelier Egger sowie die RUNDSCHAU, 1991. 2008 kamen die RUNDSCHAU-Ausgaben im Bezirk Reutte und im Großraum Telfs hinzu. Was sich im Rückblick wie eine einfache Erfolgsgeschichte liest, war der Erfolg des „Einzelkämpfers“ Kurt Egger, der die RUNDSCHAU als eine der letzten freien Wochenzeitungen im deutschsprachigen Raum halten konnte. Der wirtschaftliche Erfolg hängt zweifellos mit Kurt Eggers grundsätzlicher Einstellung zusammen: „Auch sehe ich mich nicht in erster Linie als Unternehmer, der nach einer Gewinn-Maximierung strebt. Ich sehe mich als Herausgeber!“, sagte er vor vier Jahren – wichtig war ihm der Leser, der Oberländer und Außerferner, der zur RUNDSCHAU greift und darin relevante Informationen aus seiner Region findet. Kurt Egger hat wahr gemacht, was er anlässlich des 40-jährigen Bestehens seines „Kindes“ gesagt hat: „Unsere Zeitung vermittelt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und im weitesten Sinne schafft sie ein Gefühl von Heimat“. Eine seiner großen Leistungen war es, dies vor mehr als 40 Jahren erkannt und daraufhin eine Zeitung konzipiert zu haben, die – abgesehen von kosmetischen Korrekturen – immer noch modern ist und ihre Aufgabe erfüllt. Aus dem Tiroler Journalismus ist Kurt Eggers Wirken und sein Werk, die RUNDSCHAU, nicht wegzudenken. Es hatte für andere Medien mitunter auch Vorbildcharakter.
In einer Sonderausgabe der RUNDSCHAU zum 30-jährigen Bestehen 2008 sagte Kurt Egger auf die Frage, was seine letzten Worte einmal sein sollten: „Danke. Vergelt’s Gott!“ Das sind auch die Worte, die Kurt Egger verdient hat zu hören.



„Das Land Tirol trauert um einen herausragenden Oberländer Medienmacher“

Tief betroffen ist Landeshauptmann Günther Platter über das Ableben Kurt Eggers. „Er war ein Pionier der Regionalmedien in Tirol. Mit ihm verliert die heimische Medienlandschaft eine ihrer zentralen Persönlichkeiten. Als ein herausragender Journalist und kreativer Oberländer Medienmacher, der sich vor allem mit der Gründung der Oberländer Rundschau einen Namen gemacht hat, wird er uns unvergessen bleiben. Für seine großen Verdienste um die Medien – insbesondere im Oberland – wurde ihm im Jahr 2010 bereits das Verdienstkreuz des Landes Tirol verliehen. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, betonte Landeshauptmann Günther Platter.


 
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