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Landeck | Chronik | 20. September 2022 | Attila Haidegger

Das blaue Glück

Das blaue Glück<br />
Markus Auer schüttelt seine Zwetschken vom Baum, diese werden gleich zu Edelbränden verarbeitet. RS-Foto: Gruber
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Bilderbuchernte für Stanzer Obstbauern

Es ist soweit, die Stanzer Zwetschke wird geerntet und neben dem Handel der Rohfrucht zu köstlichen Edelbränden, Likören und Marmeladen verarbeitet. Auf über 1000 Metern Seehöhe gedeihen die aromatischen Früchte besonders gut und beeindrucken mit ihrem würzigen Geschmack und außergewöhnlichen Aroma.
Von Kathrin Gruber

Viel Sonne und kühle Herbstnächte – das ist das Geheimnis der besonders süßen Zwetschken im höchstgelegenen Obstanbaugebiet Europas. Neben dem idealen Klima in Stanz ist es die Hingabe der Obstbauern, welche die charakteris-tische Süße der Stanzer Zwetschke auszeichnet und über die Grenzen bekannt gemacht hat. Das Rosengewächs entwickelt eine besondere Fruchtnote und köstliche Vollreife, welche nicht nur beim Genuss der Frischfrucht, sondern auch der verarbeiteten Produkte wie Edelbrände, Liköre und Marmeladen begeistern. „Die Höhenlage, gute Bewässerung und viel Sonne, das ist das Geheimnis der Vollreife“, erklärt Markus Auer, Obmann des Vereins „Brennereidorf Stanz“. Heuer steht eine Bilderbuchernte bevor, Menge und Qualität der Zwetschken sind hervorragend.

NEUE SORTE IM VORMARSCH. Neben den alten Sorten wie „Wangenheimer“ und „Hauszwetschke“ ist vor allem die „Cacaks“ die Hauptsorte in Stanz. „Das Klima verändert sich und die alten Sorten werden oft weniger, weil sie die heißen Sommer nicht so gut vertragen, wie etwa die Hauszwetschke“, meint Auer. Es steckt viel Arbeit im Anbau der Zwetschken, das ganze Jahr über haben die Stanzer Obstbauern viel zu tun. Im Frühjahr müssen die Bäume geschnitten werden – Düngen, Schädlingsbekämpfung, Mulchen und schließlich die Ernte der Zwetschken sind Aufgaben der Bauern und stellen sie oft vor Herausforderungen. Besonders die Schädlingsbekämpfung sei sehr aufwändig, alle sechs Jahre muss ein Spritzkurs zur Auffrischung gemacht werden. Maximal dreimal im Jahr darf gespritzt werden, das letzte Mal Anfang Mai. Der Brennereidorf-Obmann erklärt: „Das ist wichtig, um die Bienen zu schützen, wir sind sehr auf das Bienenwohl bedacht.“ Während einige Bauern die Zwetschken von Hand pflücken, gibt es auch solche, welche die Zwetschken von den Bäumen schütteln. Dafür werden Planen unter die Bäume gelegt und während ein Helfer auf den Baum klettert und schüttelt, sammeln die anderen die reifen Früchte ein. Diese Methode wird besonders dann verwendet, wenn die Früchte gebrannt werden. Dabei wird darauf geachtet, dass nur die besten Früchte gesammelt werden. Für den Handel oder den Verzehr von Frischobst werden die Früchte dennoch von Hand gepflückt.

HANDWERK MIT TRADITION. Gerade in dieser Zeit brauchen die Bauern viele helfende Hände, allein sei die Ernte nicht zu bewältigen. Deshalb hilft meist die ganze Familie bei der Ernte mit. „Der Anbau und das Brennen der Zwetschken sei eine Tradition, die in der Familie weitergegeben wird“, informiert Andreas Reheis. Er selbst führt das Erbe und die Tradition seines Vaters weiter. Gemeinsam bauten sie Bäume in der Anlage an und brannten die süßen Früchte zu edlen Bränden. Seine Frau Isabella und die Söhne helfen tatkräftig auf den Feldern und bei der Verarbeitung mit und Sohn Thomas lässt anklingen, dass er selbst den Betrieb irgendwann weiterführen möchte. Während Andreas sich der Kunst des Brennens der Edelbrände hingibt, ist Isabellas Leidenschaft das Herstellen von feinen Likören. Die Reheis’ sind eine der wenigen Zwetschkenbauern, welche die Blüten und Früchte ausdünnen. „Die Zwetschken reifen besser ab, wenn nicht zu viele Früchte am Baum hängen“, begründen Isabella und Andreas. Gefährlich sei dies nur, wenn der Frost einsetzt und die Blüten abfrieren. Generell sei das Klima sehr schwierig und der Kampf gegen den Frost rücke immer mehr in den Vordergrund, da die Bäume immer früher blühen, dann aber oft doch noch Frost kommt. Frost im Frühjahr und zu hohe Hitze im Sommer gefährden eine gute Ernte, doch heuer dürfe man sich nicht darüber beklagen.

BRENNEREIDORF STANZ. Das Dorf mit rund 635 Einwohnern und 56 Brennereien wird nicht umsonst als Brennereidorf bezeichnet. 70 Brenner verarbeiten das beliebte Steinobst zu Edelbränden. Das Wissen hierzu wird von Generation zu Generation weitergegeben: „Qualität und Genuss stehen bei der Verarbeitung im Vordergrund, nicht der Gewinn“, betont auch Markus Auer, Obmann des Brennereidorfes Stanz. Der Verein mit seinen 56 Mitgliedern aus Stanz, Grins, -Pians, Landeck und Tobadill beschäftigt sich besonders mit dem Brennen von Zwetschken und Spänlingen. Dazu werden Fortbildungen und sensorische Schulungen angeboten, die Qualität soll somit erhalten oder gesteigert werden. Für Markus Auer sind die Stanzer Brenner Spitzenreiter auf ihrem Gebiet – zahlreiche Auszeichnungen bestätigen dies immer wieder. Auch der Verein selbst organisiert Veranstaltungen, bei denen die edlen Brände verkos-tet und prämiert werden. Während ein Brand zu hundert Prozent aus Obst hergestellt werden muss, ist das bei Spirituosen ganz anders, es dürfen Aromastoffe, Zucker und einiges mehr zugefügt werden. Deshalb sei es so wichtig auf das Etikett zu achten. „Ein Brand muss auch als solcher beschriftet sein“, informiert Auer. Sein Wunsch für die Zukunft wäre es, dass besonders in der Gastronomie mehr Wert auf Qualitätsbrände aus der Region gesetzt wird. Das helfe den regionalen Bauern und auch dem Kunden, welcher in den unverwechselbaren Genuss traditioneller Edelbrände komme.
Das blaue Glück<br />
Andreas und Isabella Reheis verkosten in ihrer Blaienbrennerei einen ihrer edlen Brände. RS-Foto: Gruber
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