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Landeck | Chronik | 22. März 2021 | Von Albert Unterpirker

„Es wird eine Herausforderung“

„Es wird eine Herausforderung“<br />
900 Schafe aus Pfunds (Foto), Spiss und Fließ genießen heuer einen besonderen Service: eine gelenkte Weideführung. RS-Foto: Archiv
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Gelenkte Weideführung für 900 Schafe – Wolf-Angst spielt sekundäre Rolle

Richtig durchstarten will der neugegründete Verein Spisser Schafberg Alpe. Rund 900 Schafe von 35 Schafbauern aus Pfunds, Spiss und Fließ sollen per gelenkter Weideführung auf Pfundser und Spisser Gemeindegebiet betreut werden. Neben einer sinnvollen Almbewirtschaftung soll das Wolfmanagement nicht zu kurz kommen. Das Projekt ist auf fünf Jahre befristet.
Von Albert Unterpirker

Peter Wille, Bürgermeisterstellvertreter und Obmann des Pfundser Ausschusses für Landwirtschaft sowie Obmann-Stellvertreter des Vereins Spisser Schafbergalpe, zeigt sich im RUNDSCHAU-Gespräch überaus erfreut über das Zustandekommen des Projekts. „Seit über zwei Jahren sind wir da dran“, sagt Wille, „allerdings wird es eine Herausforderung, es gibt viel zu tun!“ Die Vorbereitungen für dieses im Oberland vorbildhafte Pilotprojekt, das vom Land Tirol begleitet und finanziell unterstützt wird, sind voll im Laufen. Einen Almauftrieb Mitte Mai kann nur das Wetter verderben. Rund 900 Schafe von 35 Schafbauern sollen ausgehend von Gstalda auf die Alm aufgetrieben werden. Auch der Tiergesundheitsdienst hat sich bei diesem Projekt maßgeblich angeschlossen. „Alle Tiere, die aufgetrieben werden, wurden ärztlich überprüft“, so der Pfundser Vizebürgermeister. Krankheiten wie der Moderhinke oder einem Parasitenbefall etwa durch Magenwürmer oder Leberegel soll vorgebeugt werden. Nicht nur weitere Schafe, sondern auch andere Tiere könnten angesteckt werden. „Um das zu vermeiden, sind alle 900 Tiere von den jeweiligen Betreuungs-Tierärzten bereits im Februar untersucht worden, und die Proben dazu wurden ins Labor nach Innsbruck geschickt.“ Vereinzelte Krankheitsfälle habe es gegeben, die betroffenen Tiere seien derzeit in Behandlung, und sollen spätestens beim Auftrieb genesen sein. Vorbildhaft wie das Projekt selbst ist die Tatsache, dass extra ein Hirte angestellt wurde, der die Schafe über die alpinen Gemeindegebiete von Pfunds und Spiss treiben soll. Per sogenannter gelenkter Weideführung von Kobl nach Zanders zum Pfundser Ochsenberg und wieder retour. Dass Fließ da auch mit von der Partie ist, rührt daher, dass die Fließer für ihre Schafe die Weiderechte in Spiss haben, erklärt Wille.

GEMÄSTET. Eine Behirtung von Schafen habe es in dieser Region und im Oberen Gericht noch nie gegeben. Nur im angrenzenden Samnaun arbeite man schon seit längerer Zeit mit einer solchen Methode. Die Motivation, einen solchen Verein zu gründen, sei übrigens nicht die immer wieder auftretende Wolfpräsenz gewesen. „Entstanden ist das Projekt, weil man an gewissen exponierten Hängen eine Bodenerosion feststellte und dass dort das alte Gras dann von den Schafen nicht mehr angerührt wurde.“ Dabei sei es extrem wichtig, dass die Tiere auch in Bereiche gelangen, wo sie normalerweise nicht hingelangen und es viel gutes Futter gibt. Wille: „Im Frühjahr ist das Gras noch gut, und das war der Hauptgrund, warum man an eine gelenkte Weideführung dachte. Das Thema mit dem Wolf ist so dazwischen gekommen und hat uns beim Vorlegen des Projekts in die Karten gespielt“, schmunzelt der Obmann-Stellvertreter. Mit dem Land Tirol sei man sich rasch einig geworden, zudem gibt es eine enge Kooperation auch hinsichtlich Informationsaustausch. Ein großes Lob spricht Wille Landwirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Peter Frank „für die gute Zusammenarbeit“ aus. Das Projekt wird über den Sommer hinweg beobachtet, alle Beteiligten seien mit dem Hirten ständig im Austausch. Auch einen Abschlussbericht werde es geben. Alle Tiere werden beim Auftrieb und beim Abtrieb gewogen, um zu sehen, inwieweit sich das Gewicht verändert hat. „Da die Schafe nun weniger Weg zurücklegen müssen, müssten sie auch gemästeter zurückkommen“, mutmaßt Wille. Was sowohl für den Schafbauern als auch für den Konsumenten ein Vorteil wäre.

FULLTIME. Gesundheitlich will man die Schafe auch am Berg nicht aus den Augen verlieren. „Über den Sommer hindurch wird die Tiergesundheit vom Fachpersonal kontrolliert – ein sehr wichtiger Aspekt in diesem Pilotprojekt“, führt Wille aus. Massig Arbeit wird derweil auf den Hirten zukommen. „Der hat sicher jede Menge zu tun. Das ist ein Fulltime-Job vom Hell- bis zum Dunkelwerden!“ Und zu Beginn benötige er auch die Unterstützung der Bauern und des Vereins. Klar sei aber auch: „Es muss uns bewusst sein, dass es in den ersten zwei Jahren nicht immer nach unseren Wünschen ablaufen wird“, weiß Wille. „Es braucht zudem enorme Aufwendungen für Zäune, und die Nachtpferche müssen vor Wölfen sicher sein. Wir wollen die Schafe in den Nächten aber nur dann einsperren, wenn es tatsächlich eine Wolfspräsenz gibt.“ Dem Hirten stehen Hirtenhunde zur Seite, aber keine Herdenschutzhunde. Ein solches Risiko wollte man bezüglich Wanderer nicht eingehen. „Es muss alles nebeneinander funktionieren“, sagt Wille, der selbst etwa 25 Schafe auftreiben möchte. Der Vorstand des Vereins rekrutiert sich indessen aus sechs Vertretern aus allen drei Gemeinden: Von jeder Gemeinde sind zwei Personen dabei, die Auftreiber sind außerordentliche Mitglieder.

HELIKOPTER. Richtig Action wartet dann in den Sommermonaten. Für den Hirten soll es im hochalpinen Gelände (2000 bis 2700 Meter) insgesamt drei Beherbergungs-Hütten geben, die bei Bedarf per Hubschrauber weitertransportiert werden. Gespräche diesbezüglich laufen.
 
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Peter Wille über das Hirten: „Das ist ein Fulltime-Job vom Hell- bis zum Dunkelwerden!“ RS-Foto: Archiv
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