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Landeck | Chronik | 27. April 2020 | Daniel Haueis

Nicht besser gewusst

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Bgm. Werner Kurz sieht eine Untersuchung durch öffentliche Stellen und die Justiz als Chance. RS-Foto: Archiv
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Ischgl startet Aufarbeitung - Neuausrichtung in Diskussion

Ischgl sah sich massiver Kritik ausgesetzt, da der Ort zur Verbreitung des Coronavirus in Europa beigetragen hat. Die Aufarbeitung der Geschehnisse hat begonnen – auf der TVB-Homepage wird u. a. eine Chronologie der Ereignisse dargestellt. Auch an der Zukunft wird gearbeitet – das Ziel lautet Qualitätssteigerung.
Von Daniel Haueis

Ein Skiort wie Ischgl lebt von Touristen und bei ausgeprägtem Hang zum Aprés-Ski hat‘s ein über Tröpfchen übertragenes Virus recht einfach, sich zu verbreiten. So geschehen in Ischgl. Nachdem das Coronavirus dort aber relativ früh aufgetreten ist, kommt Ischgl medial nun deutlich schlechter weg als andere Skidestinationen, wo‘s aufgrund der Beendigung der Skisaison keine Verbreitung in dieser Form mehr geben konnte. In Ischgl ist nun die „Aufarbeitung“ gestartet, wie es der Tourismusverband nennt. Auf https://www.ischgl.com/news-de werden u. a. eine Chronologie der Ereignisse und ein Vergleich der Coronavirus-Ereignisse in Ischgl und international präsentiert. Es gab demnach z. B. schon am 26. Februar, dem Tag nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falls in Tirol (Hotel in Innsbruck), ein erstes Treffen von TVB, Seilbahn, Arzt und Polizei.

„ALLE ÜBERROLLT“. Bgm. Werner Kurz zeigte sich vom Ausmaß der Reaktionen auf die Corona-Infektionen in Ischgl betroffen und kündigte eine Aufarbeitung an. Seine Kernaussage: Alle Handlungen erfolgten immer auf Basis des aktuellen Wissensstandes der Experten und der Anordnungen der Behörden. „Dieser Virus hat uns alle überrollt. Was an einem Tag noch undenkbar war, ist am nächsten Tag schon eingetreten“, sagt Kurz. Im Rückspiegel betrachtet, müsse man erkennen, dass alle, in allen Ländern und an allen Orten, zu wenig vorbereitet waren – eine derartige Pandemie sei unvorstellbar gewesen und deshalb habe auch eine umfassende Vorbereitung darauf gefehlt. Ischgl sei davon überrollt worden und dann von der Lawine an Berichterstattung. „Wir wollen die Geschehnisse aufarbeiten und daraus lernen. Damit die Ischglerinnen und Ischgler wieder eine Perspektive haben. In diesem Sinne sehen wir auch eine Untersuchung durch öffentliche Stellen und die Justiz als Chance“, erklärt Kurz. Wenn die Verantwortlichen in Ischgl, wie ihnen vorgeworfen wird, mit Handlungen zu spät dran waren, dann deswegen, weil man es zum damaligen Zeitpunkt nicht besser wusste – nicht in Ischgl, nicht in Österreich und nicht weltweit. Dass auf das Land oder den Bund Druck ausgeübt worden sei, damit der Skibetrieb möglichst lang aufrechterhalten werden konnte, stimme nicht – Kurz: „In keiner Weise, die Schließung des Skibetriebes wurde vom Land Tirol verordnet und von uns sofort umgesetzt.“ Mut und Zuversicht geben den Ischglern „die vielen ermutigenden Rückmeldungen unserer Gäste. Darauf können wir aufbauen.“ Diese Rückmeldungen (und auch jene von Mitarbeitern) finden sich ebenso auf: https://www.ischgl.com/news-de.

STRATEGIEPROZESS. Inzwischen wurde damit begonnen, über eine zukünftige Positionierung des Ortes nachzudenken. „Wir werden Entwicklungen der vergangenen Jahre hinterfragen und dort, wo notwendig, korrigieren“, so Kurz. „Denn in den vielen Medienberichten dominiert derzeit das Bild von Ischgl als Ballermann- und Party-Tourismusort. Das ist aber nur ein kleiner Teil unseres Angebots und prägt dennoch jetzt die Wahrnehmung über unseren Ort. Dieses Bild wird uns in keiner Weise gerecht.“ Ischgl biete seit Jahren qualitativ hochwertigen Tourismus und Wintersport. Die Mehrzahl der Gäste komme nach Ischgl, weil es einer der besten und attraktivsten Orte in den Alpen ist und wegen des Skigebiets, das als eines der schönsten der Welt gilt. Gemeinsam mit dem Tourismusverband, den Seilbahnen, den Gastronomen und Beherbergern werde bereits intensiv an konkreten Maßnahmen gearbeitet, die das generelle Ziel „Mehr Qualität“ verfolgen – weniger Partytourismus, Vorrang für Skifahrer und weniger Tagesbusgäste, die nur zum Feiern kommen, sind Ziele. Gemeinsam mit allen Betreibern werde auch überlegt, wie eine gehobene Après-Ski-Kultur aussehen kann. Kurz: „Wir stehen am Anfang unserer Überlegungen und werden die Sommermonate nutzen, um das Konzept ‚Mehr Qualität‘ mit ganz konkreten Maßnahmen realisieren zu können.“
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