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Landeck | Chronik | 21. Juli 2020 | 11:07 | Von Elisabeth Zangerl

„Nicht geschätzt, ausgebaut & ersetzt“

„Nicht geschätzt, ausgebaut & ersetzt“
Die früheren Glasfenster in der Pfarrkirche Pians – diese Aufnahme wurde vor 1972 gemacht. Foto: Bruno Leitner
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Landeck  Von Elisabeth Zangerl
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Kirchenfenster Pians Bruno Leitner
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Pians: Verschwundene Kirchenfenster wieder gefunden

1972 wurde die Pfarrkirche Pians saniert – wie vielerorts zu dieser Zeit sind im Rahmen solcher Kirchenrenovierungen historische Kirchenfenster, die im Falle von Pians im 19. Jahrhundert eingebaut wurden, durch farbige Bleiglasfenster ersetzt worden. Diese alten Kunstwerke, die in den 1960er- und 70er-Jahren allgemein wenig geschätzt wurden, sucht man heutzutage in gleich mehreren Pfarreien – meist vergeblich. Im Fall von Pians konnten diese besonderen Glasfenster jedoch tatsächlich wieder gefunden werden.
Von Elisabeth Zangerl

Vielerorts, auch im Bezirk Landeck, sind historische Kirchenfenster, meist bei Kirchenrenovierungen, verschwunden. Die folgende Geschichte aus Pians weicht ein wenig ab, denn hier wurden die Fenster tatsächlich wieder gefunden, wie Chronist Bruno Leitner gegenüber der RUNDSCHAU erklärt und sich zurück erinnert: „Als für die zunehmende Bevölkerung die Pfarrkirche Pians zu klein wurde, kam der Wunsch nach einem Neubau auf – ab dem Jahre 1968 plante daher das Kirchenbaukomitee unter dem damaligen Obmann Franz Jörg und dem Architekt Professor Clemens Holzmeister den Umbau. Im Jahre 1972 wurde dann schließlich mit der Vergrößerung der Pfarrkirche Pians begonnen.“ Wie so oft wurden auch in Pians die farbigen Glasfenster beim Umbau entfernt – zur Vorinformation: Beim Kirchenbau um 1830 wurden seinerzeit einfärbige Fenster eingebaut, erst später, im Jahr 1867, wurden sie im Altarraum durch diese besonderen Glasfenster ersetzt. „Als langjähriger Ministrant war ich immer fasziniert von diesen wunderschönen Zierfenstern im Altarraum“, erinnert sich der Pianner Chronist Bruno Leitner und erzählt weiter: „Leider ist nicht überliefert, wer den Auftrag dazu gegeben oder diese Fenster damals gestiftet hat.“ Bekannt ist aber der Hersteller der alten Fenster: die Tiroler Glasmalerei in Innsbruck, die dort die Fenster im Jahr 1867 zum Preis von 200 Gulden hergestellt hat. Bruno Leitner, der von der Geschäftsführerin der Tiroler Glasmalerei (Natascha Mader) diese Auskunft bekommen hat, erklärt: „Heutzutage würden diese Fenster etwa 8.000 Euro kosten.“

ERFOLGREICHE LANGJÄHRIGE SUCHE. Seit dem Kirchenumbau sind die Glaskunstwerke verschwunden: „Ich fragte überall, wo diese Fenster sein könnten, aber bekam nirgends eine Auskunft“, so Leitner. Aber das Schicksal meinte es gut mit den Piannern – die intensive Suche des Chronisten blieb nicht erfolglos, wie Bruno Leitner erzählt: „Beim letztjährigen Sozialvereins-ausflug nach Schwaz fragte ich wieder in die Runde um den Verbleib der Fenster und Maria Hauser antwortete mir, sie wisse wo sie sind.“ Die besagten Personen, Maria und Erwin Hauser, waren nämlich zu einer Feier im Höttinger Pfarrheim eingeladen und der damalige Pfarrer, Mag. Werner Seifert, sagte zu ihnen, dass er in der Hauskapelle Kirchenfenster aus -Pians eingebaut hätte. Bruno Leitner, der daraufhin Kontakt zu Werner Seifert aufgenommen hat, erzählt: „Er erzählte mir, dass in den 1960er- und 70er-Jahren überall bei Kirchenumbauten farbige Fenster überhaupt nicht geschätzt, ausgebaut und durch schlichte Verglasungen ersetzt wurden“, und weiter: „Das bekam Ferdinand Lamprechter, ein Caféhaus-Besitzer in Innsbruck, mit und nahm Kontakt auf – er kaufte erhaltenswerte Zierfenster, baute sie selbst aus und gab sie an Liebhaber weiter.“ So bekam Pfarrer Seifert, ein Freund von Lamprechter, vor circa 20 Jahren die -Pianner Kirchenfens-ter für den Umbau der Hauskapelle der Pfarre Hötting (neben der Höttinger Pfarrkirche) geschenkt. Diese wurden in der neuen Kapelle im Pfarrheim Hötting eingebaut und erstrahlen nun in „altem Glanze“ im Altarraum der Hauskapelle, Bruno Leitner ergänzt: „Da die Kapelle niedriger ist, wurde der obere Halbbogen abgeschnitten und zudem wurden die Fenster seitenverkehrt eingebaut. Man sieht es bei Jesus an der Hand und bei Maria an der Kopfneigung.“
„Nicht geschätzt, ausgebaut & ersetzt“
Dieselben Fenster wurden vor circa 20 Jahren in der neuen Kapelle im Pfarrheim Hötting eingebaut. Foto: Bruno Leitner
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