Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Landeck | Chronik | 31. März 2020 | Daniel Haueis

„Wir waren alle auf Nadeln“

Ski statt nach Hause gefahren sind wohl sehr viele der Touristen aus dem Paznaun und St. Anton, die am 13. März ausreisen hätten sollen. Foto: pixabay
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„Ausgereiste“ Touristen in Oberländer Skigebieten


 

Touristen im Paznaun und St. Anton haben per Unterschrift bestätigt, dass sie ohne Zwischenstopp aus Österreich ausreisen werden. Tausende scheinen aber noch am Tag danach in anderen Orten im Bezirk auf der Piste gewesen zu sein.

 

Von Daniel Haueis

 

Am 13. März hat das Land das Paznaun und St. Anton isoliert. Einheimische, Mitarbeiter und österreichische Gäste mussten in den Orten bleiben, ausländische Gäste mussten abreisen. Die Anweisung laut Presseaussendung des Landes war: „Ausländische Gäste werden aufgefordert, in ihre Heimat zurückzukehren. Alle abreisenden Gäste aus dem Ausland werden registriert, diese können mit einem Formular ausreisen und die eingerichteten Kontrollstellen mit der Registrierungsbestätigung passieren. Zudem wird ihnen ein Informationsblatt mit klaren Anweisungen ausgehändigt, ohne Zwischenstopp auszureisen und sich zu Hause in 14-tägige Heimquarantäne zu begeben sowie die dortige Gesundheitsbehörde zu kontaktieren.“ „Der Standard“ hat ein Faksimile des besagten Formulars veröffentlicht, demnach haben die Touristen erklärt und per Unterschrift bestätigt, „dass ich durch Österreich ohne Zwischenstopp durchreise und die Ausreise sichergestellt ist“. Wie bekannt, haben aber etliche noch eine Nacht in Tirol verbracht – es hatten wohl viele erst für Samstag den Heimflug gebucht. Und es scheinen sehr viele am Samstag noch in anderen Skigebieten auf der Piste gewesen zu sein.

 

FALSCHE KARTEN. Ein Mitarbeiter eines Seilbahnunternehmens im Bezirk, der anonym bleiben will, erklärt, was an diesem Samstag geschehen ist, als die Seilbahner eigentlich damit gerechnet hatten, dass auf den Pisten nichts mehr los sein wird. Es waren nämlich überraschend viele Zutritte zu verzeichnen, „das ist uns spanisch vorgekommen“, sagt der Mann. Daraufhin wurden die Skikarten kontrolliert: „Wir sehen das bei den Karten der Leute, wenn Sie durchs Drehkreuz gehen.“ Manche hatten noch die Ischgler Skikarte eingesteckt, weshalb ihnen der Zutritt verweigert wurde, bis sie dann die des betroffenen Skigebiets hervorgeholt hatten. An manchen Karten sei auch der Verlauf sichtbar, so sah man, dass Gäste die ganze Woche über in Ischgl und Samnaun Skifahren waren. Mit anderen Worten: Ausländische Touristen, die aus dem Paznaun ausreisten und schriftlich bestätigt haben, dass sie dies ohne Zwischenstopp tun werden, waren offensichtlich noch in anderen Skigebieten unterwegs.

 

SICHER MEHR ALS 5000 GÄSTE“. Die Mitarbeiter der Seilbahnen im Bezirk kennen sich teilweise und sind mitunter gut vernetzt. Die Nachfrage des Mannes bei Kollegen ergab, dass die „ausgereisten“ Touristen zumindest in weiteren vier Skigebieten anzutreffen waren. „Alle wir Liftarbeiter waren entsetzt und fassungslos, dass es wirklich so dumme und rücksichtslose Menschen gibt. Wir sind im ganzen Gebiet befreundet und fingen gleich an zu telefonieren. Da hieß es nur mehr: ,Was, bei euch auch‘“, sagt der Liftarbeiter. Die Touristen wollten offensichtlich „den Tag noch ausnützen“, vermutet er. „Und eines können wir garantieren, es waren im ganzen Bezirk sicher mehr als 5000 Gäste von Paznaun und St. Anton noch Skifahren und nicht auf der Heimreise! Das kann man über eine Kartenverfolgung von Skidata ganz leicht nachvollziehen“, schätzt er. Einer dieser Touristen wollte ihn etwas fragen und kam ihm näher – der Liftarbeiter hat ihn darauf hingewiesen, bitte einen Meter Abstand zu halten. Darauf habe der Tourist gesagt: „Ihr Tiroler seit doch nur noch dumm und naiv.“ Bemerkenswerterweise hätten alle kontaktierten Kollegen im Bezirk – und das waren sieben bis acht – fast das gleiche gesagt. Und alle seien aufgrund der Touristen, die aus Quarantänegebieten gekommen sind, „auf Nadeln gesessen“. Der Liftarbeiter fragt: „Warum können diese Leute oder Touristen tun, was sie wollen, wenn sie eigentlich aufgefordert waren, nach Hause zu fahren? Und jetzt wollen diese Leute unser schönes Land Tirol in den Dreck ziehen! So was verstehen einige von uns einfach nicht.“
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