Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Landeck | Kultur | 22. Feber 2021 | Von Alois Pircher

Ein großer Oberländer

Ein großer Oberländer<br />
Engelbert Gitterle: „Ich vermag nicht zu sagen, was Kunst ist. Ich weiß nur, dass Schönheit ein ganz großes Geschenk ist …“ RS-Foto: Archiv
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Landeck  Von Alois Pircher
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Engelbert Gitterle ist 90

Der Bildhauer, Maler, Grafiker, Lehrer und Menschenfreund Engelbert Gitterle feiert dieser Tage seinen 90. Geburtstag.
Von Alois Pircher

Als Sohn eines Kleinbauern in Fließ geboren, besuchte Engelbert Gitterle nach der Volksschule Fließ die Hauptschule in Landeck, bevor er an die Lehrerbildungsanstalt nach Feldkirch wechselte. Seine ersten Lehrerstellen hatte er an den Volksschulen Fließ und Hochgallmigg inne, bevor er an der Hauptschule in Landeck eine neue Anstellung fand. Gemeinsam mit den Bürgermeistern der Gemeinden im Oberen Gericht konnte er dann aber die erste Ganztagesschule Österreichs in Prutz einrichten. Früh hatte er erkannt, dass viele Familien eine Entlastung bei der Erziehung der Kinder brauchten. Unbeirrt, auch wenn er von manch einem Gegner als Kommunist bezeichnet wurde, ging er seinen Weg. Die letzten Berufsjahre unterrichtete er an der Pädagogischen Akademie in Zams Bildnerische Erziehung.

WEITERBILDUNG, LEBEN. Gemeinsam mit Ernst Meyer aus Heidelberg gründete er das „Europäische Pädagogische Symposion Oberinntal“, aus dem in späterer Folge die „Oberländer Diskurse“ hervorgingen. Ein über die Landesgrenzen hinausreichendes Forum für Weiterbildung und Pädagogik etablierte sich dadurch im Oberland. Seit 1954 ist er mit seiner Gattin Helga glücklich verheiratet, der Ehe entspringen vier Töchter und ein Sohn. Sohn Siegfried unterstützt seine betagten Eltern im Haushalt und ist auch als Künstler seinem Vater gefolgt.

KUNST. Engelbert Gitterles umfangreiches künstlerisches Schaffen zeigt einen vielschichtigen Menschen. Ob in der Literatur oder in den bildenden Künsten, in beidem findet seine unbändige Schaffenskraft ihren Ausdruck. Skulpturen von Gitterle kann man überall in der näheren Heimat bewundern. Sie überzeugen durch hohes handwerkliches Können, aber vor allem begeistern sie durch die künstlerische Ausdruckskraft. Der Mensch, ob in seiner Einbindung in die Natur und Gesellschaft oder in seinem Streben nach dem Göttlichen und Metaphysischen, steht nicht nur im Zentrum der Arbeit an Skulpturen, auch in seinen Grafiken wie in der Malerei findet er sich prominent wieder. In der Kunst vermag Gitterle auch politische Botschaften auszudrücken. In den vielen Denkmälern für die „Opfer der Kriege“ verweist er nicht auf Heldenmut und Kampfbereitschaft, vielmehr erkennt er die Opfer an, die, wenn auch oft ungewollt, gegeben wurden. In der Figur der heiligen Barbara zeigt Gitterle den Ausbruch aus Traditionen und gleichzeitig auch die Befreiung der Frau aus einer jahrhundertelangen Gefangenschaft und Bevormundung.

AUCH EIN LITERAT. In seiner Lyrik zeigt sich ebenso wie in der bildenden Kunst sein wacher, kritischer Geist. Das früheste Gedicht ist inzwischen mehr als 70 Jahre alt. Es klinge zwar pathetisch, meint der Künstler, aber die Botschaft dieser Zeilen würde er auch noch heute so vertreten. Mit launigen Anekdoten aus seinem Leben versteht er es immer geschickt, sein Lebensmotto, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen solle, zu verdeutlichen. Humor und Freude dürfen aber nicht zu kurz kommen.

ICH VERSTEHE NICHTS VON KUNST. Gefühle, Stimmungen, Eindrücke und Erfahrungen gebe er wieder. Aus den Materialien hole er das heraus, was schon drinnen sei. Man muss die Augen, die Ohren, die Sinne schärfen und dann entstehe „Etwas“, meint Gitterle. Aber von Kunst verstehe er nichts, aber dies sei auch nicht nötig. Seine Beziehung zur Kunst und zum Leben vermögen folgende Worte am besten zu beschreiben: „Ich vermag nicht zu sagen, was Kunst ist. Ich weiß nur, dass Schönheit ein ganz großes Geschenk ist, das mich in der Tiefe berührt und den innersten Klang der Gestirne und alles Geschaffene ausmacht.“


 
Ein großer Oberländer<br />
Denkmal für die „Opfer der Kriege“ in Prutz RS-Foto: Pircher
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Betonfenster in Faggen RS-Foto: Pircher
Ein großer Oberländer<br />
Bronzerelief am Portalvorbau der Barbarakirche RS-Foto: Pircher
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