Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Landeck | Kultur | 8. Juni 2020 | 10:56 | Elisabeth Zangerl

„Immer dranbleiben, auch wenn es Rückschläge gibt“

„Immer dranbleiben, auch wenn es Rückschläge gibt“
Peppi Spiss bei seiner Traktor-Performance anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Vereins „Arlberger Kulturtage“ im Juli 2016. RS-Foto: Zangerl
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St. Anton: Künstler Peppi Spiss wird 60

„Peppi Spiss hat die Kunst nach St. Anton gebracht“ – diese Überzeugung teilen viele Menschen im Ort und weit darüber hinaus. Am 11. Juni feiert der Künstler, Galerist und Präsident des Vereins „Arlberger Kulturtage“ seinen 60. Geburtstag. Mit der RUNDSCHAU sprach er über die Anfänge seines künstlerischen Schaffens, Kulturhighlights, aber auch Schwierigkeiten und seinen – wie er sagt – „kommerziellen Durchbruch“.
Von Elisabeth Zangerl

Geburtstage, insbesondere runde, sind oft Anlass, sein Leben Revue passieren zu lassen. Der St. Antoner Künstler Peppi Spiss, der am 11. Juni seinen 60. feiert, blickt für die RUNDSCHAU zurück. Auf die Frage, wann er sein künstlerisches Talent entdeckt hat, scherzt der Jubilar: „Ich habe immer schon gern gemalt – das ist doch der Satz, der meist in Biografien von Künstlern zu finden ist. Zugegebenerweise war ich nicht der beste Schüler – nach der Schule habe ich bei der Firma Greuter in Landeck Maler und Anstreicher, später noch Schilderhersteller gelernt – die Kunst und die Malerei haben mich schon immer interessiert“, gesteht Spiss. Schon damals hegte er den Wunsch, die Kunstakademie zu besuchen. Aber es kam anders – es stand damals die Familiengründung im Vordergrund. 1986 wagte Spiss dann den „Sprung ins kalte Wasser“, wie er selbst sagt und machte sich selbstständig (erst als Werbegrafiker), im selben Jahr stellte der Künstler vom Arlberg erstmals aus. Auch als Journalist (St. Antoner Gemeindeblatt und RUNDSCHAU) machte sich Spiss einen Namen, ebenfalls als Galerist (gemeinsam mit seiner Frau Lisa Krabichler betreibt er seit 2013 die „Art-Box“ in der St. Antoner Fußgängerzone), zuvor betrieb er die Galerie „Mansarte“ im St. Antoner Oberdorf, die er Ende 1994 in seinem Haus eröffnete. Bis 2001 hat er dort Einzel- und Gruppenausstellungen nationaler und internationaler Künstler, Sonderschauen historische Gemälde und Grafiken, Werkschauen von Amateurmalern, Konzerte, Lesungen, Präsentationen von Kunstkatalogen oder Schulprojekten durchgeführt.

AUSSTELLUNGEN IM IN- UND AUSLAND. Auf die Premierenausstellung 1986 folgte eine ganze Reihe weiterer – in New York, Wien, Budapest, in Italien, Spanien, Deutschland und auch immer in der Region – an die fünf bis sechs Ausstellungen pro Jahr. Peppi Spiss wurde auch mehrfach ausgezeichnet: 2014 mit dem Kunstpreis im Museum Modern Art im deutschen Hünfeld oder 2006 dem ersten Preis des Plakatwettbewerbs zum Hahnenkammrennen in Kitzbühel; zudem wurden Spiss Stipendien zuteil, etwa von der Kulturabteilung des Landes für einen Rom-Aufenthalt (2002 und 2012). Spiss hat sich autodidaktisch weitergebildet und seine künstlerischen Fertigkeiten und Maltechniken im Laufe der Jahre verfeinert und ausgebaut: „Ich habe einfach alles ausprobiert, das mich interessiert hat“, erklärt der Jubilar, der bisher in Aquarell und Öl gearbeitet, Radierungen und Siebdrucke geschaffen hat. „Die Wahl der Technik kommt auf die jeweilige Idee an.“ Ein Motiv, das in den Werken des Arlbergers immer wieder vorkommt, sind die Skifahrer, inspiriert vom Film „Der weiße Rausch“. Spiss: „Das war mein kommerzieller Durchbruch, diese Bilder mit Skifahrern haben sich gut verkauft.“

DIE GEBURTSSTUNDE DES VEREINS „AKT“. Und wie schwierig war es, sich in einer Tourismushochburg wie St. Anton als Künstler zu etablieren? „Das Angebot für Kunst ist in einem Tourismusort zweitrangig – wenn jemand sagt, er wird Künstler, um Geld zu verdienen, ist es vielleicht besser, etwas anderes zu machen“, sagt Spiss. Sein Tipp: „Immer dranbleiben, auch wenn es Rückschläge gibt.“ 1992 wollte er es dann wirklich wissen – in diesem Jahr fanden die „Arlberger Kulturtage“ erstmals statt, im ersten Jahr noch beschaulich: „Damals habe ich einfach ein paar Leute angerufen und gefragt, ob wir gemeinsam ausstellen.“ Doch, das Echo und der Zuspruch waren gut, im Folgejahr nahmen schon über 30 Interessierte teil. Auch ohne Finanzierungszuschuss der öffentlichen Hand hat der Verein damals trotzdem kontinuierlich weitergemacht: „Wir haben Bands mit den Eintrittspreisen bezahlt“, so Spiss – 1993 wurde dann der Verein „Arlberger Kulturtage“ gegründet, dessen Präsident Peppi Spiss bis heute ist. Seither finden u. a. alljährlich Malwochen für Mitglieder als auch das internationale Künstlersymposium statt. Anstoß für das internationale Künstlersymposium am Arlberg war Spiss‘ eigene Teilnahme an einem in Ungarn: „Das war die Zeit, in der ich am meisten gelernt habe – es war für mich wie ein Studium. Dabei ergab sich die Möglichkeit, anderen Künstlern über die Schultern zu schauen.“ Highlights gab‘s so einige: „Die Höhlenmalerei im Arlberg Straßentunnel war toll.“ Auch an die Ausstellung im Fluchtstollen samt Konzert 1999 blieb bis heute unvergessen. Und die Aufführung von „Kein schöner Land“ von Felix Mitterer. Peppi Spiss erinnert sich: „Leider hat man früher in der Schule wenig über die Nazi-Zeit gelernt. Erst ein Artikel im Gemeindeblatt von Ing. Thöni hat zur Sprache gebracht, was vor unserer Haustüre geschehen ist.“ Diese, wie Spiss erklärt, „spektakulärste und aufwendigste“ Aufführung in der Vereinsgeschichte wurde im Jahr 2001 im Ferienpark gezeigt. Eine besondere Aktion, an die sich im Ort viele Menschen zurückerinnern, war auch die „Traktorperformance“, auch mit Ski wurde einst eine mit Farbe vollgespritzte Leinwand befahren. Diese vielen künstlerischen Aktionen und das umfangreiche Engagement, die Kultur nach St. Anton zu bringen, decken sich mit einem Satz, den man aus dem Munde von Peppi Spiss immer wieder zu hören bekommt: „Im Wort Kunst steckt das Wort tun.“ Anlässlich seines Geburtstags zeigt Peppi Spiss in der „Kunsthalle 1800“ in St. Christoph eine Retrospektive, der Termin wurde aufgrund der Corona-Krise verschoben und wird noch bekanntgegeben.


Termine
• Ausstellung in der Kunsthalle 1800: „Malerei und Grafik aus mehr als 4 Jahrzehnten“ zeigt Peppi Spiss in der Kunsthalle 1800. Natürlich wird Peppi Spiss seine Ausstellung am 25. Juli selbst eröffnen – mit Liedern und Texten an der Gitarre und am Klavier. Und die Finissage am 2. August steht unter dem Motto „Forever young“ – in der Konzerthalle besingt er mit Beethoven die Liebe, mit Angelo Branduardi sinnt er duftenden Orangen nach, und mit Bob Dylen will er auf ewig jung bleiben.
• Malwoche der „Arlberger Kulturtage“, Thema: „Plätze um und in St. Anton“ von 3. bis 8. August 2020
• Internationales Symposion der „Arlberger Kulturtage 2020“, Thema: „Der Name ist Programm“, Termin ist voraussichtlich Ende August 2020
„Immer dranbleiben, auch wenn es Rückschläge gibt“
Peppi Spiss bei seiner Traktor-Performance anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Vereins „Arlberger Kulturtage“ im Juli 2016. RS-Foto: Zangerl
„Immer dranbleiben, auch wenn es Rückschläge gibt“
Der St. Antoner Künstler Peppi Spiss feiert am 11. Juni seinen 60. Geburtstag. RS-Foto: Zangerl
„Immer dranbleiben, auch wenn es Rückschläge gibt“
Peppi Spiss mit seiner Frau Lisa Krabichler bei einer Finissage im April 2017 in ihrer Galerie „Art-Box“. RS-Foto: Zangerl
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