Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Landeck | Kultur | 24. März 2020 | Bogdan Dujic

„Spiegel der Gesellschaft“

„Spiegel der Gesellschaft“
Kabarettist Gabriel Castaneda: „Nach einer Krise kaufen die Menschen vermutlich zuerst Heizöl oder bezahlen ihre Miete – es stellt sich die Frage, ob dann noch Geld für Kabarett- oder Kinobesuche übrig bleibt.“ Foto: Gabriel Castaneda
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Die Corona-Krise trifft auch den Kulturbereich


 

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise werden auch in Westtirol sehr deutlich spürbar sein und alle Sparten betreffen– auch den Kultursektor. Die RUNDSCHAU sprach mit einem Bildhauerpaar, zwei bildenden Künstlern und einem Kabarettisten über ihre Ängste und Prognosen.

 

Von Elisabeth Zangerl

 

„Mich trifft es hart, aber nicht härter als alle anderen Branchen“, erklärt Kabarettist Gabriel Castaneda, der allein im März sieben Vorstellungen im Ober- und Unterland absagen musste, darunter zwei größere mit jeweils 240 Zusehern. „Im April wird es vermutlich so weitergehen“, mutmaßt der Kabarettist. Planmäßig hätte der Grinner allein im April weitere fünf bis sechs Vorstellungen gegeben: „Es ist schon bitter – schauen wir mal, wie sich die wirtschaftliche Situation dann entwickeln wird. Nach einer Krise kaufen die Menschen vermutlich zuerst Heizöl oder bezahlen ihre Miete – es stellt sich die Frage, ob dann noch Geld für Kabarett- oder Kinobesuche übrig bleibt.“ Die Corona-Krise stuft Gabriel Castaneda für alle Wirtschaftszweige, auch für Künstler, als „sehr schwierig“ ein: „Künstler liefern etwas, das man nicht unbedingt braucht“, zeigt er auf. Laut aktuellem Stand wurden die abgesagten Termine auf Juni beziehungsweise September verschoben, aber: „Wie Bundesminister Anschober gemeint hat, passt es, wenn Künstler ihre Termine verschieben. In Wahrheit passt nichts – was weg ist, ist weg“, ist der Kabarettist überzeugt. Aktuell schreibt Castaneda sein neues Programm, das am 16. Oktober im Casino Innsbruck Premiere feiern soll. „Der Termin steht und wenn sich die Welt noch dreht, findet er statt“, erklärt er. Er glaubt aber, dass die Menschen nach so einer Krise, andere Ansprüche haben: „Die Inhalte (der Kabaretts, Filme, Theater,…) werden sich massiv ändern, auch das, das die Leute dann noch sehen möchten.“

 

„ES TRIFFT SO VIELE“. In dieselbe Kerbe schlagen auch Manfred Hellweger und Sandra Brugger, ein Bildhauerpaar aus Pettneu mit Atelier in Nesselgarten. Hellweger: „Es trifft so viele, wir hoffen auf Förderungen und Zuschüsse des Bundes und Landes.“ Wie alle anderen Künstler ist auch das Pettneuer Bildhauerpaar von Aufträgen abhängig: „Wenn bei unseren Auftraggebern, zum Beispiel Gemeinden oder Tourismusverbänden, das Geld knapper wird, fällt das schlussendlich auf uns zurück.“ Auch die beiden mussten einige Termine absagen – eine Finissage Ende April, höchstwahrscheinlich auch das „Offene Atelier“ Mitte April. Ein weiteres Problem der beiden wegen der vom Land Tirol verordneten Ausgangssperre ist die Tatsache, dass sie in Pettneu wohnen und sich das Atelier in Nesselgarten befindet: „Wir können unsere Kundenaufträge nicht fertig stellen, daher arbeiten wir momentan an neuen Entwürfen.“ Angst sei aber der falsche Ausdruck, erklärt Hellweger, der seinen aktuellen Gefühlszustand eher mit Ungewissheit beschreibt, sein Credo: „Wir müssen abwarten und schauen, wie es sich weiter entwickelt.“

 

„WAS WIR SO WENIG ABSCHÄTZEN KÖNNEN.“ Lisa Krabichler aus St. Anton erklärt: „Wir sind wie alle anderen betroffen, als Künstler weniger von der momentanen wirtschaftlichen Situation, die für uns Freiberufler immer weniger geordnet als bei anderen ist – der Kunstmarkt ist immer unsicher und großen Schwankungen unterworfen. Nein, wir sind betroffen von der Sache, der Entwicklung, dem was uns alle wohl erwartet und dem, das wir so wenig abschätzen können.“ Auch Lisa Krabichler und ihr (Künstler-)Partner Peppi Spiss können keine Prognosen abgeben – Lisa Krabichler aber sagt: „Kunst ist immer schon Spiegel der Gesellschaft, meist zeigt sich das aber erst viel später – und sie ist Spiegel in ihrem Vorhandensein und auch im Nicht-Vorhandensein. Die Frage wird sich stellen, ob es in naher Zukunft Interesse, Kapazitäten, Muse für dieses Luxusprodukt Kunst gibt oder eben nicht?“ Die zwei Pole sind: Es ist total egal, ob es Kunst gibt oder nicht, weil die Menschen einfach konkretere Sorgen haben – oder es ist schön, dass es Kunst gibt, weil über sie Lebensfreude transportiert wird. Krabichler schätzt generell, dass die Menschen, wenn alles vorbei ist, wieder gern zusammenkommen und Konzerte oder Kabaretts besuchen und hebt die Beispiele hervor, die Menschen auf ihren Balkonen beim gemeinsamen Musizieren zeigen. „Es sind gerade solche Dinge, die unsere Herzen erfreuen und uns zusammenrücken lassen und ganz einfach große Solidarität spürbar werden lassen“, stellt Lisa Krabichler fest.

 

Peppi Spiss und Lisa Krabichler in ihrer St. Antoner Galerie Art-Box. RS-Foto: Zangerl


Manfred Hellweger und Sandra Brugger arbeiten als Bildhauer – auf dem Bild sind sie in ihrem Atelier in Nesselgarten. RS-Foto: Zangerl
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