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Auf die Spur gekommen

Ischgl: Rotlichtkontrolle führte zu Menschenhändlerring

Um mögliche Opfer sexueller oder Arbeitsausbeutung zu identifizieren, hat das Landeskriminalamt Tirol in den Bezirken sogenannte Rotlichtsachbearbeiter ausgebildet. Einer der PI Ischgl lieferte bei einer Rotlichtkontrolle den Anstoß für die Zerschlagung eines internationalen Menschenhändlerrings.
14. Oktober 2025 | von Attila Haidegger
Auf die Spur gekommen
Den zumindest 45 kolumbianischen Opfern sexueller Ausbeutung wurde der Großteil des verdienten Geldes abgenommen. Foto: stock.adobe.com/triocean
Die sogenannten Rotlichtsachbearbeiter führen Kontrolltätigkeiten durch, übernehmen bei relevanten Sachverhalten die Erstabklärungen und führen eigenständige Abklärungen durch. Zudem unterstützen sie das LKA bei seinen Ermittlungen. Aufgrund einer im September 2022 durchgeführten Rotlichtkontrolle durch einen Rotlichtsachbearbeiter der PI Ischgl wurden Ermittlungen gegen eine kriminelle Vereinigung aufgenommen, die von einem türkischen Staatsangehörigen geleitet wurde. Dabei wurde festgestellt, dass die Gruppierung kolumbianische Sexdienstleisterinnen über Social Media zur Ausübung sexueller Dienstleistungen in Europa angeworben hatte. Diese arbeiteten und lebten dann unter widrigsten Umständen.

HAUPTTÄTER IN TÜRKEI AUF DER FLUCHT. Aufgrund der Ermittlungen erfolgte in der zweiten Jahreshälfte 2024 dann in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt, Europol sowie den Landeskriminalämtern Salzburg, Vorarlberg und Wien die Gründung der „AG Bogota“ mit weiterer Aktenführung durch das LKA Tirol. International ergab sich zudem die Zusammenarbeit mit den kolumbianischen Behörden, was kürzlich zu fünf Festnahmen weiterer Beschuldigter in Kolumbien führte. Weiters wurden 28 Beschuldigte und 45 Opfer von Menschenhandel identifiziert sowie zahlreiche (auch internationale) Haftbefehle ausgestellt und vollzogen. Drei Beschuldigte befinden sich in Österreich in U-Haft, zwei in Spanien und fünf in Kolumbien. Der türkische Hauptbeschuldigte befindet sich nach wie vor auf der Flucht und soll sich in der Türkei aufhalten.

VERDACHTSFÄLLE MELDEN. In Tirol ist die Abteilung Staatsbürgerschaft des Landes mit der Koordination aller Aktivitäten zur Bekämpfung des Menschenhandels betraut und organisiert regelmäßig Schulungen für behördliche Fachkräfte. Doch auch die Zivilgesellschaft kann bei Verdacht die Behörden informieren. Die Menschenhandels-Hotline im Bundeskriminalamt (067761343434) nimmt rund um die Uhr Hinweise betreffend Menschenhandel entgegen. Wer selbst von Ausbeutung betroffen ist oder den Verdacht hat, dass jemand Hilfe benötigt, kann sich außerdem anonym, unverbindlich und kostenlos an Opferschutzeinrichtungen wie IBF – Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel (+4317969298) oder „Men Via“ (+4369917482186) wenden.

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