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Eine Gefahr?

Der Gepatschstausee und die Naturgefahren

 Der Verein „Lebenswertes Kaunertal“ lud dieser Tage zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Sicherheit im Kaunertal“ ein.
25. November 2025 | von Alois Pircher
Eine Gefahr?
Anita Hofmann, Jan Beutel, Kaspar Schuler, Wilfried Haeberli, Michael Holzmann, Bürgermeister Christian Kalsberger (v. l.) RS-Foto: Pircher
Das Podium war mit Univ.-Prof. Wilfried Haeberli (Universität Zürich), Univ.-Prof. Jan Beutel (Universität Innsbruck), DI Michael Holzmann (Tiwag-Talsperren-Verantwortlicher Gepatsch Stausee), Christian Kalsberger (Bürgermeister Kaunertal) sowie Anita Hofmann (Obfrau Lebenswertes Kaunertal) prominent besetzt. Die Moderation lag in den Händen von Kaspar Schuler (Geschäftsführer CIPRA International). Holzmann (Tiwag) versicherte den ca. 150 Interessierten, dass die Staumauer absolut sicher ist. Sie wird regelmäßig und engmaschig kontrolliert. Er informierte, dass Zufluss sowie umliegende Berge mit modernen Geräten permanent kontrolliert werden. Zudem wird das Stauvolumen nicht vollständig ausgenützt, um für mögliche Schadensfälle zusätzliche Rückhaltemöglichkeiten zu bieten. Er selbst garantiere mit seiner Unterschrift sowohl strafrechtlich wie auch zivilrechtlich für die Sicherheit der Anlage. Holzmann konnte und wollte sich nicht zum Thema Ausbau (Platzertal) äußern.

KLIMAWANDELFOLGEN. Prof. Haeberli attestierte, dass die Tiwag im Bereich des Gepatschstausees sehr viel für die Sicherheit unternehme, und bestätigte, dass ein Stausee die Sicherheit (Hochwasser) durchaus erhöhe. Er kritisierte aber, dass man der Klimaerwärmung zu wenig Aufmerksamkeit schenke. Seine Kritik konzentrierte sich nicht auf den Bestand (Gepatschstausee), sondern auf die geplante Erweiterung (Platzertal). In der Umweltverträglichkeitsprüfung für die Erweiterung werde der Erwärmung des Klimas, dem Problem Permafrost sowie dem Abschmelzen der Gletscher zu wenig Augenmerk zugestanden – und wenn, nur mit alter Literatur. Die neuesten Arbeiten zu diesen Problemen in der UVP stammen laut Aussage von Haeberli aus den 1990er-Jahren und sind nicht aktuell. Prof. Beutel verwies in seinen Ausführungen auf die sich rasant ändernde Bergwelt. Die Gletscher verschwinden, der Permafrost taut auf und die Berge bröckeln. Bergrutsche, Steinschlag und Hangrutschungen werden größer und immer häufiger (Fluchthorn, Blatten und viele mehr). Er schloss sich der Kritik von Haeberli an, auch ihm fehlt eine ernsthafte Abhandlung dieses Themas in der UVP. Er appellierte zudem an einen fairen Austausch anhand von Daten und Fakten und forderte eine weniger emotionale Diskussion. Anita Hofmann kämpft nun schon seit 20 Jahren gegen die Erweiterung des Kraftwerks Kaunertal. Sie fürchtet eine Baustelle, die mehr als zwölf Jahre andauert und durch Schmutz, Verkehr und Lärm die Lebensqualität von Einheimischen und Gästen einschränkt. Zudem hat sie die große Sorge, dass die Vorbehalte der Wissenschafter kein Gehör finden. Sollte dies der Fall sein, so ist Hofmann überzeugt, steigt nicht nur die Gefahr für das Kaunertal, sondern für das ganze Oberinntal. Zudem werde dem Mammon Geld ein wunderschönes Bergtal geopfert.

SICHERHEIT. Christian Kalsberger ist überzeugt, dass der Gepatsch­stausee die Sicherheit im Tal erhöht und auch ein weiterer Ausbau keine zusätzlichen Gefahren bedeuten würde. Auch sollte man die wirtschaftlichen Vorteile (Zahlungen der Tiwag) für das Tal nicht vergessen. Die Baustelle sei sicherlich ein Problem, aber das werde man zur Zufriedenheit lösen, so der Bürgermeister.
Bei der anschließenden Publikumsdiskussion konnte man meist kritische Stimmen zu einem weiteren Ausbau hören. Der Forderung nach einer Volksbefragung im Kaunertal erteilte der Bürgermeister mit dem Hinweis, dass der Gemeinderat demokratisch gewählt wurde und er sich für einen Ausbau entschieden habe, eine entschiedene Absage. Nach circa zweieinhalb Stunden beendete Kaspar Schuler, er moderierte fair und ausgewogen, den Austausch der Meinungen und Standpunkte.
Eine Gefahr?
Gut gefüllter Saal in Feichten RS-Foto: Pircher

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