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„Griaß enk aus … Freiburg bzw. Fribourg in der Schweiz“

„Griaß enk aus …“ ist eine RUNDSCHAU-Serie, in der „Auslandslandecker“ zu Wort kommen. In ihren „Briefen“ ermöglichen sie Lesern einen Blick auf das Leben in einem manchmal sehr weit entfernten Teil der Welt. Viel Freude beim Lesen, Sicherinnern, falls Sie den Absender kennen, und Neues Erfahren. Die Redaktion
2. Juli 2024 | von Daniel Haueis
„Griaß enk aus … Freiburg bzw. Fribourg in der Schweiz“
Familie Huber anlässlich der Taufe von Neffe Vinni Huber in Innsbruck. Foto: Roman Huber
Griaß enk, grüessäch (Freiburger Deutsch), bonjour (Französisch), aus Freiburg bzw. Fribourg in der Schweiz, direkt an der deutsch-französischen Sprachgrenze.
Wie kam es dazu, dass ich Oberlandler, der in seinen jungen Jahren recht wenig Bezug zum Schweizer Nachbarland hatte, mit meiner Familie in der französischsprachigen Westschweiz lebe, in einem Kanton, der vor allem für seinen Käse Gruyère/Greyerz bekannt ist? Mein „Auszug“ in die Schweiz ereignete sich im April 2006, als ich eine Doktorandenstelle an der Universität St. Gallen antrat, eingebettet zwischen Bodensee und den Bergen des Appenzells. Obwohl nun offiziell Auslandsösterreicher, war ich eigentlich immer noch recht nahe an meinem Heimatort Landeck, in den ich häufig zu Familie und Freunden zurückkehrte. An einem Skiwochenende im Dezember 2006 mit ehemaligen Studienkollegen aus Innsbruck war es auch in Landeck, dass ich meine Frau Margarita kennenlernte. Sie, ein Grossstadtkind aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia, die damals in Deutschland studierte, war zum ersten Mal im Tiroler Oberland und sollte nicht mehr davon loskommen. Bereits im Jänner 2007 kehrte Margarita nach Abschluss ihres Studiums nicht – wie ursprünglich geplant – nach Bulgarien zurück, sondern gab dem Abenteuer mit dem „Tiroler Buam“ eine Chance. Sie zog nach Innsbruck, um eine Saison als Skilehrerin zu arbeiten und fand danach eine Stelle in München. So führten wir fortan eine Wochenendbeziehung zwischen St. Gallen, Landeck, Innsbruck und München. Schliesslich fand Margarita eine Arbeitsstelle im Rheintal an der österreichisch-schweizerischen Grenze unweit von St. Gallen, sodass wir nun erstmals richtig zusammenwohnten.

2010 heirateten wir standesamtlich im Schloss Landeck und kirchlich in Sofia, wohin auch einige Oberlandler in Dirndl und Lederhose anreisten und für gute Laune und Verzückung in der Innenstadt sorgten. Ebenfalls 2010 schloss ich mein Doktorat ab und trat eine Stelle als Assistenzprofessor an der Universität St. Gallen an. Das Jahr 2011 ging erfreulich weiter, weil unsere erste Tochter Kalina zur Welt kam. Unsere junge Familie wechselte für ein paar Monate über den Atlantik in die USA nach Boston, da ich einen Forschungsaufenthalt an der Harvard Universität absolvierte. In dieser Zeit luden uns des Öfteren Michael Waclawiczek, ebenfalls ein „Auslands-Landecker“, der bereits in der Rubrik „Griass enk aus …“ berichtet hat, und seine Frau Anna zu sich nach Hause an die malerische Atlantikküste ein. Ein paar Jahre nach unserer Rückkehr nach Mitteleuropa standen für mich neuerlich Bewerbungen an, da meine Stelle in St. Gallen befristet war. Nach Vorstellungsgesprächen an mehreren Universitäten klappte es schließlich an der Universität Freiburg, die mich 2014 zum Professor für Ökonometrie (salopp gesagt eine Mischung aus Statistik und Ökonomie) berief. Unser Familienglück wurde 2017 komplett, als unsere zweite Tochter Nina geboren wurde. Es war, wie so vieles im Leben, nicht vorhersehbar oder geplant, dass wir in Freiburg landen würden. Es ergab sich aus dem harten Bewerbungsprozess für die spärlich gesäten Professuren, indem man nie so genau weiss, ob und wo man eine Stelle erhält. Im Nachhinein war es ein großer Glücksfall, denn nach gewissen Mühen des Neubeginns (z. B. die neuerliche Stellensuche meiner Frau) fühlen wir uns sehr wohl in Freiburg. Diese charmante und freundliche Universitätsstadt hat eine reizende Altstadt mit mittelalterlicher Stadtmauer, bischöflicher Kathedrale und gemütlichen Lokalen (oder „Beizen“, wie man hier sagt), die einige kulinarische Genüsse zu bieten haben.

Über ein Drittel der Bevölkerung sind aus dem Ausland „Zuagroaste“ wie wir, ein buntes Gemisch aus allen Kontinenten. Unsere Kinder wachsen in diesem multikulturellen Umfeld an der deutsch-französischen Sprachgrenze dreisprachig auf. Sie gehen zur deutschsprachigen Schule, verwenden im täglichen Leben aber häufig die Alltagssprache Französisch und sprechen Bulgarisch mit Margarita sowie in der bulgarischen Samstagsschule im nahegelegenen Bern. Auch in der Universität Freiburg, an der ich Methoden der Statistik, Ökonometrie und künstlichen Intelligenz unterrichte, wird auf mehreren Sprachen gelehrt und kommuniziert, nämlich auf Französisch, Deutsch und Englisch.
Das Freiburger Umland zeichnet sich durch seinen hohen Freizeitwert aus, sowohl wegen der malerischen historischen Städtchen wie Gruyère/Greyerz, Laupen oder Murten als auch sportlich. In einer halben Stunde erreichen wir „unser“ Skigebiet Schwarzsee mit Seeblick, wo wir im Winter viele schöne Stunden verbringen und unsere Töchter im Skiklub trainieren. Im Sommer locken uns die Freiburger Voralpen zum Wandern und die nahegelegenen Strände des Greyerz-, Murten- oder Neuenburger Sees zum Schwimmen, Stand-up-Paddeln oder Wing-Surfen.

Gleichzeitig kommen wir nach wie vor regelmässig und sehr gerne nach Landeck zurück, in den Ferien und für Familientreffen mit dem „Huber-Clan“, also meinen Eltern und drei Brüdern mit deren Familien. Auch dem Skiklub Landeck sind wir (als Klubmitglieder) sehr verbunden, an dessen Trainings unsere Töchter bei unseren Besuchen teilnehmen und dessen Skihütte wir immer wieder gerne besuchen. Es ist meiner Familie und mir eine große Freude, dass wir, obwohl wir „weg“ sind und unseren Lebensmittelpunkt in Freiburg haben, diese starke Verbindung ins Tiroler Oberland aufrechterhalten können und somit immer noch „da“ sind. Auch als ehemaliger RUNDSCHAU-Mitarbeiter freut es mich deshalb sehr, diesen Gruß aus Freiburg ins Tiroler Oberland zu senden.

In diesem Sinne: Pfiat enk, ciao zäme, à bientôt!

Martin Huber
„Griaß enk aus … Freiburg bzw. Fribourg in der Schweiz“
Blick auf die Freiburger Innenstadt, im Vordergrund der Fluss Saane/Sarine, der die Innenstadt in U-Form umschließt. Foto: Margarita Huber
„Griaß enk aus … Freiburg bzw. Fribourg in der Schweiz“
Kalina (l.) und Nina Huber beim Paddeln auf dem Murtensee. Foto: Martin Huber
„Griaß enk aus … Freiburg bzw. Fribourg in der Schweiz“
Margarita und Martin Huber im Skigebiet von Schwarzsee. Foto: Margarita Huber

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