„Hier kann man die Berge noch spüren“
Kaunertaler-Bergbahnen-GF Beate Rubatscher-Larcher und TVB-GF Dietmar Walser im Interview
20. Oktober 2025 | von
Attila Haidegger
Der Tourismus schaffe im Kaunertal einen echten Mehrwert, von dem nicht nur die Gäste profitieren würden. Foto: Dominic Kummer
RUNDSCHAU: Wie soll sich das Kaunertal idealerweise in touristischer Hinsicht entwickeln? Wie kann der Spagat zwischen wirtschaftlichem Wachstum, zielgerichtetem Gästeangebot und gelebter Nachhaltigkeit gelingen?
Beate Rubatscher-Larcher: Das Kaunertal ist ein Hochgebirgstal, das aufgrund seiner Topografie nur sehr wenig bebaubare Grundfläche und sehr viel wilde und schöne Natur aufweist (zwei Prozent der Gemeindefläche sind dauerhaft besiedelbar). Aus diesem Grund haben wir immer schon einen entschleunigten Tourismus im Tal gehabt und dies wird aus der Natur der Sache heraus auch so bleiben. Damit ein Skigebiet als touristischer Motor fernab vom urbanen Raum funktionieren kann, braucht es eine gewisse Größe, um für Gäste attraktiv zu sein und mehrtägige Aufenthalte auszulösen. Deshalb werden wir uns innerhalb unserer Skigebietszone noch weiterentwickeln.
Dietmar Walser: Unser Ziel ist es, das Kaunertal als authentische, hochalpine Destination weiterzuentwickeln – mit einem klaren Fokus auf Qualität statt Quantität. Die Besonderheit unseres Tals liegt in der Kombination aus beeindruckender Hochgebirgslandschaft und echter Ursprünglichkeit. Diese Grundlage wollen wir behutsam nutzen, ohne sie zu überlasten. Der Spagat zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit gelingt nur, wenn wir unsere Natur als das sehen, was sie ist – unser größtes Kapital. Mit dem Naturpark Kaunergrat haben wir einen starken Partner, der uns hilft, nachhaltige Entwicklung konkret zu leben. Dass unsere gesamte Region mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde, bestätigt diesen Weg. Nachhaltigkeit ist für uns kein Schlagwort, sondern ein Leitprinzip – von der Angebotsentwicklung über regionale Wertschöpfung bis hin zum sorgsamen Umgang mit unserer hochalpinen Landschaft, Sommer wie Winter.
RUNDSCHAU: Welche Projekte haben die Kaunertaler Gletscherbahnen bzw. der Tourismusverband bereits in der Pipeline? Welche wurden kürzlich umgesetzt? Welche sind noch Zukunftsmusik?
Beate Rubatscher-Larcher: Für die Saison 2025/26 haben wir gerade die „learn2ski-Area“ umgesetzt. In den letzten Jahren wurde in vielen Skigebieten das Angebot an einfachen Übungsschleppliften reduziert. Wir gehen bewusst den umgekehrten Weg. Unser Ziel ist es, Skifahren für alle zugänglich zu machen und gerade Einsteigern ein positives Erlebnis zu bieten. Das Übungsgelände ist so aufgebaut, dass es Kinder, Anfänger und Wiedereinsteiger in drei Stufen ans sichere Skifahren heranführt. Ebenfalls neu ist die Rodelbahn für Nicht-Skifahrer. Weiters arbeiten und investieren wir kontinuierlich am Ausbau der Nutzung der Sonnenenergie, Erweiterung der Beschneiungsanlage sowie Verbesserung unserer Sommerangebote.
Dietmar Walser: In den letzten Jahren wurde im Kaunertal gezielt in die Qualität der Angebote investiert – von der Modernisierung der Infrastruktur am Gletscher bis hin zu neuen Formaten, die Sommer wie Winter gleichermaßen stärken. Ein zentrales Ziel bleibt es, das Kaunertal als attraktive Ganzjahresdestination weiterzuentwickeln. Derzeit arbeiten wir als Tourismusverband intensiv an der weiteren Optimierung unserer Wander-, Berg- und Radwege, an neuen Inszenierungen entlang bestehender Routen sowie an einer Erweiterung des Kletterangebots im Tal. Für diese Bereiche liegen bereits mehrere Projekte in der Planung, die wir in den kommenden Jahren schrittweise umsetzen werden. Auch im Winter stehen spannende Entwicklungen bevor: Neben der kontinuierlichen Verbesserung der Loipen, Winterwanderwege und Rodelbahnen legen wir besonderen Wert auf nachhaltige Maßnahmen. Ergänzend dazu entwickeln wir gemeinsam mit unseren tollen BergführerInnen neue Angebote für Skitourengeher, Freerider und Alpinisten, um den Gästen ein noch vielfältigeres Naturerlebnis zu bieten. All diese Maßnahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel: das hochalpine Profil des Kaunertals weiter zu schärfen und Gästen authentische, naturnahe Erlebnisse zu ermöglichen – ohne große Eingriffe, aber mit spürbarer Qualität. Die enge Zusammenarbeit mit unseren Gemeinden ist für unsere Arbeit im Tourismusverband von großer Bedeutung – dafür möchte ich mich herzlich für die ausgezeichnete Kooperation bedanken.
RUNDSCHAU: Wie sieht es mit den Bergbahnen Fendels aus? Wohin soll die Entwicklung dort gehen?
Beate Rubatscher-Larcher: Die 2/3 Gemeinden, der TVB und die Agrargemeinschaft sind ebenfalls Gesellschafter unserer Bahnen, alle gemeinsam arbeiten wir an einer Lösung, die wirtschaftlich für die Gesellschaft tragbar ist.
RUNDSCHAU: Der tourismusintensive Bezirk Landeck weiß, wie man mit Besucherströmen gut umgehen kann. Doch was könnte der Tourismus hierzulande besser machen, als er es bisher tut? Von wem könnte man etwas lernen?
Beate Rubatscher-Larcher: Aufgrund eingangs erwähnter Gründe sind wir kein tourismusintensives Tal. Deshalb haben Bergbahnen, Tourismusverband, die Gemeinde und die Vermieter im Tal schon vor Jahren beschlossen, einen eigenen Weg zu gehen, der nun dem Zeitgeist entspricht und wohl als nachhaltiger Weg zu beschreiben ist. Lernen kann man voneinander immer: Das Gelungene kann man sich anschauen und für seine eigene Region individuell umsetzen. Man soll aber jeder Region ihren Weg und ihre Identität belassen, ohne immer mit dem moralischen Zeigefinger unterwegs zu sein!
Dietmar Walser: Wir alle im Bezirk können voneinander lernen – jedes Tal hat seine eigene Identität. Ich glaube, dass wir in Zukunft noch stärker gemeinsame Lösungen brauchen, etwa bei Mobilität, Mitarbeiterthemen oder in der Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Landwirtschaft. Gerade dieser Schulterschluss ist für uns im Kaunertal ein zentraler Erfolgsfaktor: Wenn Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus an einem Strang ziehen, bleiben die Wertschöpfung in der Region und das authentische Erlebnis für den Gast erhalten. Lernen können wir sicher von Regionen, die es schaffen, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit langfristig in Einklang zu bringen – beispielsweise durch klare Besucherlenkung und den Erhalt regionaler Wertschöpfungsketten.
RUNDSCHAU: Skifahren wird immer teurer – auch für Einheimische. Die Verkehrsbelastung scheint ebenfalls zuzunehmen. Zudem gilt der Tourismus als Preistreiber höchster Güte. Seht ihr im Kaunertal oder darüber hinaus, dass die positive Einstellung der lokalen Bevölkerung gegenüber dem Tourismus nachlässt?
Beate Rubatscher-Larcher: Alles ist der Inflation unterworfen und wird von Jahr zu Jahr teurer; Preistreiber waren die hohen Energiekosten, gestiegenen Löhne und hohes Zinsniveau. Wenn man bereit ist, für einen Liegestuhl am Mittelmeer 100 Euro pro Tag zu zahlen oder 50 Euro für 15 Minuten Jetskifahren, sollte man das alles in eine objektive Relation mit dem Preis einer Tagesliftkarte setzen. Wir im Kaunertal schätzen die Infrastruktur dieses kleinen Tales und der kleinen Gemeinde, die ohne Tourismus nicht möglich wäre.
Dietmar Walser: Im Kaunertal ist der Zusammenhalt zwischen Bevölkerung und Tourismus nach wie vor sehr stark. Viele Betriebe sind familiengeführt, die Menschen kennen sich, man begegnet sich auf Augenhöhe. Natürlich spüren auch wir die allgemeinen Preissteigerungen – aber wir achten bewusst darauf, die Balance zu halten, damit der Tourismus im Tal weiterhin wertgeschätzt und mitgetragen wird. Wir investieren in Projekte, die der Region und den Einheimischen gleichermaßen zugutekommen – wie nachhaltige Infrastruktur, Naherholungsräume oder kulturelle Veranstaltungen. Nur wenn der Tourismus einen echten Mehrwert für alle schafft, bleibt er zukunftsfähig. Das Kaunertal verfügt über eine Infrastruktur, auf die so manche Stadt neidisch wäre – mit dem Quellalpin samt Hallenbad, Veranstaltungssaal und Indoor-Boulderbereich sowie vielfältigen Freizeitangeboten wie der Verpeilschlucht, Langlaufloipen, Eislaufplatz, Rodelbahnen, Klettergärten, Klettersteigen, Tennisplatz und vielem mehr.
RUNDSCHAU: Das berühmt-berüchtigte „Kaunertal Opening“ – kurz KTO – fand im November 2023 nach 38 Auflagen das letzte Mal statt. Wie kam es zu dieser Entscheidung und was wird stattdessen angeboten?
Beate Rubatscher-Larcher: Aus Gründen des nachhaltigen Wirtschaftens und Ressourcenschonung haben wir das Snowpark- und Freestyle-Thema ins Frühjahr verlegt und aus dem Kaunertal Opening ist nun das Kaunertal Ending (KTE) geworden, das im Frühjahr 2025 seine Premiere gefeiert hat und am 25. Mai 2026 seine Fortsetzung findet. Es spiegelt die wunderbare Vielfalt, die Tirol und speziell das Kaunertal um diese Jahreszeit bietet: In der Höhe am Kaunertaler Gletscher kann man noch im Schnee Sport betreiben und im Tal schon im Grünen seinem Lieblingssport nachgehen – ganz unter dem Motto: „Weiße Berge – grüne Täler“.
Dietmar Walser: Das KTO war über Jahrzehnte ein echtes Aushängeschild für das Kaunertal und hat eine ganze Generation von Snowboardern geprägt. Die Entscheidung, das Format einzustellen, ist nicht leichtgefallen – sie war aber eine bewusste und auch eine Folge der klimatischen Veränderungen. Die Bedingungen im Herbst haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Daher wurde das Angebot der Snowparks vom Herbst in das Frühjahr verlegt, wo wir dank des Naturschnees deutlich einfacher und nachhaltiger arbeiten können. Anstelle des klassischen KTO setzen wir künftig auf Formate, die Sport, Natur und Nachhaltigkeit verbinden – etwa Test- und Freeride-Tage. Der Spirit bleibt, aber wir bringen ihn auf ein neues Niveau.
RUNDSCHAU: Abschließende Frage: Was wünschen sich die Geschäftsführerin der Bergbahnen sowie der Geschäftsführer des TVB jeweils für „ihr“ Kaunertal am meisten?
Beate Rubatscher-Larcher: Ein lebendiges Tal, in dem man wirtschaften und sich weiterentwickeln kann und die nächsten Generationen gerne die Betriebe übernehmen oder miteinsteigen.
Dietmar Walser: Mein größter Wunsch ist, dass das Kaunertal seine Echtheit und Ursprünglichkeit bewahrt – und gleichzeitig ein lebendiger Lebens- und Erlebnisraum bleibt. Wir wollen eine Region, die wirtschaftlich gesund, sozial gerecht und ökologisch verantwortungsvoll ist. Wenn wir es schaffen, dass Gäste und Einheimische gleichermaßen sagen: „Hier kann man die Berge noch spüren, hier ist Natur echt erlebbar“, dann sind wir auf dem richtigen Weg.
RUNDSCHAU: Danke für das Gespräch.
Beate Rubatscher-Larcher: Das Kaunertal ist ein Hochgebirgstal, das aufgrund seiner Topografie nur sehr wenig bebaubare Grundfläche und sehr viel wilde und schöne Natur aufweist (zwei Prozent der Gemeindefläche sind dauerhaft besiedelbar). Aus diesem Grund haben wir immer schon einen entschleunigten Tourismus im Tal gehabt und dies wird aus der Natur der Sache heraus auch so bleiben. Damit ein Skigebiet als touristischer Motor fernab vom urbanen Raum funktionieren kann, braucht es eine gewisse Größe, um für Gäste attraktiv zu sein und mehrtägige Aufenthalte auszulösen. Deshalb werden wir uns innerhalb unserer Skigebietszone noch weiterentwickeln.
Dietmar Walser: Unser Ziel ist es, das Kaunertal als authentische, hochalpine Destination weiterzuentwickeln – mit einem klaren Fokus auf Qualität statt Quantität. Die Besonderheit unseres Tals liegt in der Kombination aus beeindruckender Hochgebirgslandschaft und echter Ursprünglichkeit. Diese Grundlage wollen wir behutsam nutzen, ohne sie zu überlasten. Der Spagat zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit gelingt nur, wenn wir unsere Natur als das sehen, was sie ist – unser größtes Kapital. Mit dem Naturpark Kaunergrat haben wir einen starken Partner, der uns hilft, nachhaltige Entwicklung konkret zu leben. Dass unsere gesamte Region mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde, bestätigt diesen Weg. Nachhaltigkeit ist für uns kein Schlagwort, sondern ein Leitprinzip – von der Angebotsentwicklung über regionale Wertschöpfung bis hin zum sorgsamen Umgang mit unserer hochalpinen Landschaft, Sommer wie Winter.
RUNDSCHAU: Welche Projekte haben die Kaunertaler Gletscherbahnen bzw. der Tourismusverband bereits in der Pipeline? Welche wurden kürzlich umgesetzt? Welche sind noch Zukunftsmusik?
Beate Rubatscher-Larcher: Für die Saison 2025/26 haben wir gerade die „learn2ski-Area“ umgesetzt. In den letzten Jahren wurde in vielen Skigebieten das Angebot an einfachen Übungsschleppliften reduziert. Wir gehen bewusst den umgekehrten Weg. Unser Ziel ist es, Skifahren für alle zugänglich zu machen und gerade Einsteigern ein positives Erlebnis zu bieten. Das Übungsgelände ist so aufgebaut, dass es Kinder, Anfänger und Wiedereinsteiger in drei Stufen ans sichere Skifahren heranführt. Ebenfalls neu ist die Rodelbahn für Nicht-Skifahrer. Weiters arbeiten und investieren wir kontinuierlich am Ausbau der Nutzung der Sonnenenergie, Erweiterung der Beschneiungsanlage sowie Verbesserung unserer Sommerangebote.
Dietmar Walser: In den letzten Jahren wurde im Kaunertal gezielt in die Qualität der Angebote investiert – von der Modernisierung der Infrastruktur am Gletscher bis hin zu neuen Formaten, die Sommer wie Winter gleichermaßen stärken. Ein zentrales Ziel bleibt es, das Kaunertal als attraktive Ganzjahresdestination weiterzuentwickeln. Derzeit arbeiten wir als Tourismusverband intensiv an der weiteren Optimierung unserer Wander-, Berg- und Radwege, an neuen Inszenierungen entlang bestehender Routen sowie an einer Erweiterung des Kletterangebots im Tal. Für diese Bereiche liegen bereits mehrere Projekte in der Planung, die wir in den kommenden Jahren schrittweise umsetzen werden. Auch im Winter stehen spannende Entwicklungen bevor: Neben der kontinuierlichen Verbesserung der Loipen, Winterwanderwege und Rodelbahnen legen wir besonderen Wert auf nachhaltige Maßnahmen. Ergänzend dazu entwickeln wir gemeinsam mit unseren tollen BergführerInnen neue Angebote für Skitourengeher, Freerider und Alpinisten, um den Gästen ein noch vielfältigeres Naturerlebnis zu bieten. All diese Maßnahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel: das hochalpine Profil des Kaunertals weiter zu schärfen und Gästen authentische, naturnahe Erlebnisse zu ermöglichen – ohne große Eingriffe, aber mit spürbarer Qualität. Die enge Zusammenarbeit mit unseren Gemeinden ist für unsere Arbeit im Tourismusverband von großer Bedeutung – dafür möchte ich mich herzlich für die ausgezeichnete Kooperation bedanken.
RUNDSCHAU: Wie sieht es mit den Bergbahnen Fendels aus? Wohin soll die Entwicklung dort gehen?
Beate Rubatscher-Larcher: Die 2/3 Gemeinden, der TVB und die Agrargemeinschaft sind ebenfalls Gesellschafter unserer Bahnen, alle gemeinsam arbeiten wir an einer Lösung, die wirtschaftlich für die Gesellschaft tragbar ist.
RUNDSCHAU: Der tourismusintensive Bezirk Landeck weiß, wie man mit Besucherströmen gut umgehen kann. Doch was könnte der Tourismus hierzulande besser machen, als er es bisher tut? Von wem könnte man etwas lernen?
Beate Rubatscher-Larcher: Aufgrund eingangs erwähnter Gründe sind wir kein tourismusintensives Tal. Deshalb haben Bergbahnen, Tourismusverband, die Gemeinde und die Vermieter im Tal schon vor Jahren beschlossen, einen eigenen Weg zu gehen, der nun dem Zeitgeist entspricht und wohl als nachhaltiger Weg zu beschreiben ist. Lernen kann man voneinander immer: Das Gelungene kann man sich anschauen und für seine eigene Region individuell umsetzen. Man soll aber jeder Region ihren Weg und ihre Identität belassen, ohne immer mit dem moralischen Zeigefinger unterwegs zu sein!
Dietmar Walser: Wir alle im Bezirk können voneinander lernen – jedes Tal hat seine eigene Identität. Ich glaube, dass wir in Zukunft noch stärker gemeinsame Lösungen brauchen, etwa bei Mobilität, Mitarbeiterthemen oder in der Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Landwirtschaft. Gerade dieser Schulterschluss ist für uns im Kaunertal ein zentraler Erfolgsfaktor: Wenn Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus an einem Strang ziehen, bleiben die Wertschöpfung in der Region und das authentische Erlebnis für den Gast erhalten. Lernen können wir sicher von Regionen, die es schaffen, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit langfristig in Einklang zu bringen – beispielsweise durch klare Besucherlenkung und den Erhalt regionaler Wertschöpfungsketten.
RUNDSCHAU: Skifahren wird immer teurer – auch für Einheimische. Die Verkehrsbelastung scheint ebenfalls zuzunehmen. Zudem gilt der Tourismus als Preistreiber höchster Güte. Seht ihr im Kaunertal oder darüber hinaus, dass die positive Einstellung der lokalen Bevölkerung gegenüber dem Tourismus nachlässt?
Beate Rubatscher-Larcher: Alles ist der Inflation unterworfen und wird von Jahr zu Jahr teurer; Preistreiber waren die hohen Energiekosten, gestiegenen Löhne und hohes Zinsniveau. Wenn man bereit ist, für einen Liegestuhl am Mittelmeer 100 Euro pro Tag zu zahlen oder 50 Euro für 15 Minuten Jetskifahren, sollte man das alles in eine objektive Relation mit dem Preis einer Tagesliftkarte setzen. Wir im Kaunertal schätzen die Infrastruktur dieses kleinen Tales und der kleinen Gemeinde, die ohne Tourismus nicht möglich wäre.
Dietmar Walser: Im Kaunertal ist der Zusammenhalt zwischen Bevölkerung und Tourismus nach wie vor sehr stark. Viele Betriebe sind familiengeführt, die Menschen kennen sich, man begegnet sich auf Augenhöhe. Natürlich spüren auch wir die allgemeinen Preissteigerungen – aber wir achten bewusst darauf, die Balance zu halten, damit der Tourismus im Tal weiterhin wertgeschätzt und mitgetragen wird. Wir investieren in Projekte, die der Region und den Einheimischen gleichermaßen zugutekommen – wie nachhaltige Infrastruktur, Naherholungsräume oder kulturelle Veranstaltungen. Nur wenn der Tourismus einen echten Mehrwert für alle schafft, bleibt er zukunftsfähig. Das Kaunertal verfügt über eine Infrastruktur, auf die so manche Stadt neidisch wäre – mit dem Quellalpin samt Hallenbad, Veranstaltungssaal und Indoor-Boulderbereich sowie vielfältigen Freizeitangeboten wie der Verpeilschlucht, Langlaufloipen, Eislaufplatz, Rodelbahnen, Klettergärten, Klettersteigen, Tennisplatz und vielem mehr.
RUNDSCHAU: Das berühmt-berüchtigte „Kaunertal Opening“ – kurz KTO – fand im November 2023 nach 38 Auflagen das letzte Mal statt. Wie kam es zu dieser Entscheidung und was wird stattdessen angeboten?
Beate Rubatscher-Larcher: Aus Gründen des nachhaltigen Wirtschaftens und Ressourcenschonung haben wir das Snowpark- und Freestyle-Thema ins Frühjahr verlegt und aus dem Kaunertal Opening ist nun das Kaunertal Ending (KTE) geworden, das im Frühjahr 2025 seine Premiere gefeiert hat und am 25. Mai 2026 seine Fortsetzung findet. Es spiegelt die wunderbare Vielfalt, die Tirol und speziell das Kaunertal um diese Jahreszeit bietet: In der Höhe am Kaunertaler Gletscher kann man noch im Schnee Sport betreiben und im Tal schon im Grünen seinem Lieblingssport nachgehen – ganz unter dem Motto: „Weiße Berge – grüne Täler“.
Dietmar Walser: Das KTO war über Jahrzehnte ein echtes Aushängeschild für das Kaunertal und hat eine ganze Generation von Snowboardern geprägt. Die Entscheidung, das Format einzustellen, ist nicht leichtgefallen – sie war aber eine bewusste und auch eine Folge der klimatischen Veränderungen. Die Bedingungen im Herbst haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Daher wurde das Angebot der Snowparks vom Herbst in das Frühjahr verlegt, wo wir dank des Naturschnees deutlich einfacher und nachhaltiger arbeiten können. Anstelle des klassischen KTO setzen wir künftig auf Formate, die Sport, Natur und Nachhaltigkeit verbinden – etwa Test- und Freeride-Tage. Der Spirit bleibt, aber wir bringen ihn auf ein neues Niveau.
RUNDSCHAU: Abschließende Frage: Was wünschen sich die Geschäftsführerin der Bergbahnen sowie der Geschäftsführer des TVB jeweils für „ihr“ Kaunertal am meisten?
Beate Rubatscher-Larcher: Ein lebendiges Tal, in dem man wirtschaften und sich weiterentwickeln kann und die nächsten Generationen gerne die Betriebe übernehmen oder miteinsteigen.
Dietmar Walser: Mein größter Wunsch ist, dass das Kaunertal seine Echtheit und Ursprünglichkeit bewahrt – und gleichzeitig ein lebendiger Lebens- und Erlebnisraum bleibt. Wir wollen eine Region, die wirtschaftlich gesund, sozial gerecht und ökologisch verantwortungsvoll ist. Wenn wir es schaffen, dass Gäste und Einheimische gleichermaßen sagen: „Hier kann man die Berge noch spüren, hier ist Natur echt erlebbar“, dann sind wir auf dem richtigen Weg.
RUNDSCHAU: Danke für das Gespräch.

